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Kommentar: Der Ungeliebte

Kommentar

Der Ungeliebte

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    Douglas Peterson.
    Douglas Peterson.

    Es gehört Standfestigkeit dazu, in diesen Zeiten bei einer Ratingagentur seinen Job zu machen. Standard & Poor’s, die größte der drei tonangebenden, hat zwar Erfahrung damit, die Kreditwürdigkeit ganzer Länder herabzustufen. Es sind aber nicht die besten. Das liegt keineswegs nur daran, dass niemand gerne Hiobsbotschaften hört.

    Douglas L. Peterson hat zumindest Erfahrung im Umgang mit Miseren. Der S&P-Chef hat schon als leitender Geschäftsführer für die Citibank Japan Kohlen aus dem Feuer geholt, als dort Vorwürfe wegen unsauberer Geschäftspraktiken laut wurden. Peterson feuerte diverse Verantwortungsträger, erschien zu einer peinlichen Befragung vor dem japanischen Oberhaus und bat schließlich zusammen mit dem Chef des Gesamtkonzerns auf einer öffentlichen Pressekonferenz die Regierung mit einer tiefen Verbeugung um Verzeihung.

    Ratingagenturen: Das sind Standard & Poor's, Moody's und Fitch

    Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten.

    STANDARD & POOR'S (S&P): Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill - ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt.

    An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw.

    Bis Ende 2012 soll der US-Konzern aufgespalten werden in eine Bildungs- und eine Finanzmarktsparte, zu der dann auch S&P gehört.

    MOODY'S: Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody's-Anteile kommt.

    Als S&P Anfang August die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote AAA auf AA herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf.

    FITCH: Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac

    Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst («Cosmopolitan», «Elle», ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière.

    Fitch sitzt in New York und London.

    Obwohl Standard & Poor’s jeden Zusammenhang dementiert, glauben manche Experten bis heute, dass er nicht zufällig im Sommer 2011 zu der Ratingagentur wechselte. Deren damaliger Chef Deven Sharma hatte das ramponierte Image der Auguren aus dem Keller holen sollen, die die Immobilien- und Finanzkrise 2008 nicht nur nicht vorhergesagt hatten: Zusammen mit den kleineren Agenturen Moody’s und Fitch musste sich Standard & Poor’s auch beschuldigen lassen, den weltweiten Absturz mitverschuldet zu haben, etwa durch Bestnoten für Pakete mit Ramschpapieren. Das US-Justizministerium ermittelte.

    Kurz vor Bekanntgabe des Personalwechsels war der Agentur im vergangenen Sommer ein weiterer Fehler passiert: Zum Entsetzen der Amerikaner hatte sie den USA die Bestnote entzogen, musste aber eingestehen, sich um zwei Billionen Dollar verrechnet zu haben. Im Zusammenhang mit der Entscheidung interessierte sich nun auch noch die Börsenaufsicht für eventuelle Insidergeschäfte. Der neue Fährmann Peterson war nicht nur sturmerprobt, er symbolisierte nach außen auch einen Neuanfang.

    Der damals 53-jährige Betriebswirt hatte sein gesamtes bisheriges Berufsleben bei der Citigroup verbracht. Er begann 1985 in Buenos Aires und stieg schnell zum Beauftragten für Costa Rica, danach Uruguay, schließlich Japan auf. Informationen über die privaten Interessen Petersons sind rar; er sitzt aber im Kuratorium der renommierten New Yorker Paul Taylor Dance Company. Bei S&P steht Douglas Peterson derzeit selbst vor einer weiteren Aufgabe, die Stehvermögen erfordert: Im Mutterkonzern McGraw-Hill, einem Medienunternehmen, drängen Aktionäre darauf, die profitable Perle Standard & Poor’s aus dem Gesamtgeflecht zu lösen, weil sie die unabhängige Bewertung von McGraw-Hill-Kunden gefährdet sehen.

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