Die deutsche Metall- und Elektroindustrie baut nach dem schwersten Einbruch seit Jahrzehnten wieder im großen Stil feste Jobs und damit nicht nur Zeitarbeitsplätze auf. "Den 220 000 in der Krise weggefallenen Stellen stehen schon knapp 20 000 neu geschaffene Arbeitsplätze gegenüber", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Donnerstag in einem Interview mit unserer Zeitung.
Vor Beginn der konjunkturellen Talfahrt im Zuge der Finanzmarktkrise waren für die deutsche Schlüsselbranche etwa 3,6 Millionen Menschen tätig - ein schon lange nicht mehr erzieltes hohes Niveau.
Nach Darstellung Kannegiessers konnte der stark exportorientierte Wirtschaftszweig im April 2010 die Wende hin zu wieder mehr Beschäftigung vollziehen. "Wenn es gut geht, arbeiten Ende 2011 wieder knapp 3,5 Millionen Menschen in der Metallindustrie", sagte er.
Der Gesamtmetall-Chef warnte jedoch vor zu viel Euphorie. Während es der Autoindustrie gut gehe, schreibe ein Drittel der Firmen aus dem Bereich der Metallindustrie noch rote Zahlen. Zudem habe ein großer Teil der Betriebe durch den massiven Auftragsrückgang während der Turbulenzen an den Finanzmärkten bis zur Hälfte des Eigenkapitals verloren. "Die Krise war für uns eine quälende Rosskur", sagte Kannegiesser.
Die Euro-Krise sieht der Präsident des mächtigsten deutschen Arbeitgeberverbandes als "einen der größten konjunkturellen Risikofaktoren" an. Ein Zusammenbrechen des Euro hätte schlimme psychologische Folgen. Dadurch könnte Europa politisch und wirtschaftlich auseinandergetrieben werden, warnte Kannegiesser, der mit seiner westfälischen Wäschereitechnik-Firma weltweit vertreten ist.
An die Politik appellierte der Arbeitgeber-Vertreter, sich auf die Bedingungen für einen gesunden Euro zu konzentrieren, "was uns zunächst noch Opfer abverlangen mag, vergleichbar mit dem Prozess der Wiedervereinigung". Der Gesamtmetall-Präsident glaubt dennoch, dass der Arbeitsplatzaufbau in seiner Branche fortgesetzt wird.
In anderen Industriebereichen läuft es aus Sicht der Mitarbeiter deutscher Standorte bei Weitem nicht so gut wie in der Metall- und Elektroindustrie. Der bedeutende heimische Chemie- und Pharmakonzern Bayer streicht nicht nur 1700 Arbeitsplätze im Heimatland, sondern pumpt im Gegenzug kräftig Geld in den nach wie vor stark wachsenden chinesischen Markt. So gab der Konzern gestern bekannt, rund drei Milliarden Euro für den Ausbau eines chinesischen Standortes aufzubringen. Die Gelder fließen in die Kunststoffindustrie.
Den Wortlaut des Interviews lesen Sie im Wirtschaftsteil unserer Freitagsausgabe.