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Katholische Kirche

06.02.2019

Missbrauch von Nonnen: Papst verurteilt Übergriffe von Geistlichen

Die Silhouetten einer Gruppe Nonnen. Papst Franziskus hat sexuellen Missbrauch von Nonnen in Kirche eingeräumt.
Bild: Andrew Medichini, dpa

Papst Franziskus hat erstmals sexuelle Gewalt eingeräumt. Nonnen leiden unter der frauenfeindlichen Kultur des Klerus. Wie das Problem verdrängt wurde.

In zwei Wochen wollen die Vorsitzenden der weltweit rund 130 Bischofskonferenzen mit Papst Franziskus und der Kurie in Rom über sexuellen Missbrauch und „Kinderschutz“ diskutieren. Ein gewichtiger Aspekt kommt jetzt hinzu: der Missbrauch von Ordensschwestern. „Es gibt Priester und auch Bischöfe, die das gemacht haben. Und ich glaube, es wird immer noch gemacht“, sagte der Papst vor Journalisten auf dem Rückflug seines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „So etwas hört ja nicht auf, sobald man es merkt. Die Sache geht weiter“, sagte er.

In einer Beilage der Vatikanzeitung L’Osservatore Romano, schrieb jetzt die Historikerin Lucetta Scaraffia: „Die jahrhundertealte Kultur innerhalb der kirchlichen Institution, der zufolge die Frau als gefährlich und verführerisch dargestellt wird, lassen die Gewalt, auch wenn sie angezeigt wird, als von beiden Seiten freiwillig begangene sexuelle Überschreitungen erscheinen.“ Diese Analyse teilt wohl auch Franziskus, der von einem „kulturellen Problem“ sprach. „Ich wage zu behaupten, die Menschheit ist noch nicht reif“, sagte er. „Frauen gelten als Menschen zweiter Klasse“.

In Indien soll eine Ordensschwester 13 mal vergewaltigt worden sein

Aus der jüngeren Vergangenheit sind vor allem zwei Fälle bekannt, in denen sich Priester an Nonnen vergangen haben sollen. Im September wurde der Bischof der nordindischen Diözese Jalandhar wegen Vergewaltigungsvorwürfen verhaftet. Eine 44-jährige Nonne hatte Franco Mulakkal bei der Polizei angezeigt und ihn beschuldigt, sie in einem Konvent in Südindien 13 Mal vergewaltigt zu haben. Die Ordensschwester soll eine 72 Seiten lange Dokumentation an mehrere kirchliche Stellen und schließlich an den Vatikan geschickt, aber keine Antwort bekommen haben. Daraufhin ging sie zur Polizei. Wie es heißt, wurden mehrere Zeugen bedroht, ein Priester kam sogar ums Leben. Drei weitere Schwestern erhoben Vorwürfe gegen den Bischof. Mulakkal, der sein Amt ruhen ließ, ist inzwischen gegen Kaution auf freiem Fuß.

Erst vergangene Woche war im Vatikan ein hoher österreichischer Geistlicher von seinem Amt zurück-getreten. Die ehemalige deutsche Ordensschwester Doris Wagner hatte Pater G., dem Leiter der theologischen Abteilung in der Glaubenskongregation, vorgeworfen, sie im Jahr 2009 im Beichtstuhl bedrängt zu haben. G. wies dies zurück. Beide gehörten der geistlichen Gemeinschaft „Das Werk“ an. Wagner beschuldigt einen weiteren Angehörigen des Ordens, sie im Jahr 2008 in Rom über Monate hinweg vergewaltigt zu haben.

Benedikt XVI. soll sich bereits für die Schließung des Instituts eingesetzt haben

Papst Franziskus sagte, sein Vorgänger Benedikt XVI. habe sich bereits als Kardinal für die Schließung eines Instituts eingesetzt, in dem Frauen bis hin zur „sexuellen Versklavung“ misshandelt worden seien. Als Papst soll er dann gegen die französische „Gemeinschaft der Schwestern des Heiligen Johannes“ vorgegangen sein.

Wie lange schon das Thema der sexuellen Gewalt gegen Frauen in der Kirche nicht ernst genommen wurde, zeigen ältere Berichte. 1995 informierte die Entwicklungshelferin und Ordensschwester Maura O’Donohue dem Vatikan Bericht über Missbrauch gegen Ordensschwestern in 23 Ländern, darunter Indien, Irland, Italien, Philippinen, USA und mehreren afrikanischen Staaten. Einen zweiten Bericht fertigte 1998 die Ordensfrau Marie McDonald an und folgerte: „Sexuelle Belästigung und sogar die Vergewaltigung durch Priester und Bischöfe sind häufig.“

Im Januar berichtete auch die französische katholische Tageszeitung La Croix über sexuellen Missbrauch von Nonnen innerhalb der Kirche: Elemente, die den Missbrauch begünstigten, seien die Unterordnung der Frau in Gesellschaft und Kirche sowie ihre Geringschätzung innerhalb des Klerus. In Entwicklungsländern begünstige zudem die Angst vor HIV den sexuellen Missbrauch, da Kleriker sich sicherer wähnen, wenn sie Nonnen zu ihren Opfern machen. La Croix zitiert einen anonymen afrikanischen Missionar mit den Worten: „Wenn wir eines Tages enthüllen müssten, was hier passiert, wäre das eine Bombe.“

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