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Nahost-Konflikt: Israelische Armee fordert Menschen in Gaza per SMS zur Flucht auf

Nahost-Konflikt

Israelische Armee fordert Menschen in Gaza per SMS zur Flucht auf

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    Das israelische Militär hat die Zivilbevölkerung zur sofortigen Flucht aufgerufen.
    Das israelische Militär hat die Zivilbevölkerung zur sofortigen Flucht aufgerufen. Foto: Oliver Weiken (dpa)

    Kein Ende des Blutvergießens in Nahost: Nach dem Tod von vier Zivilisten im Süden Israels durch Mörserbeschuss forderte Israels Armee die palästinensische Zivilbevölkerung in mehreren Vororten von Gaza am Abend zur sofortigen Flucht auf. Im Gazastreifen gab es am Montag, dem ersten Tag des religiösen Fests zum Fastenbrechen, wieder mehrere Tote. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schwor seine Landleute auf einen langen Militäreinsatz ein.

    Vierjähriger Junge stirbt bei Beschuss eines israelischen Panzers

    Zunächst hatte es am Montag so ausgesehen, als ob die Kämpfe zum Beginn des islamischen Fests Eid al-Fitr abnähmen, nachdem sowohl Israel als auch die radikalislamische Hamas im Gazastreifen in der Nacht zum Montag ihren Beschuss eingestellt hatten. Doch bereits wenige Stunden später eskalierte die Gewalt erneut, aus dem Gazastreifen wurden erneut Raketen abgefeuert, Israel griff ebenfalls wieder Ziele in dem Küstenstreifen an.

    Durch den Beschuss eines israelischen Panzers in Dschabalija im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet, darunter ein vierjähriger Junge. Im Flüchtlingslager Schati an der Küste starben bei einem Angriff zehn Menschen, davon acht Kinder, mindestens 46 Menschen wurden verletzt. Auch auf dem Gelände des Schifa-Krankenhauses schlug eine Rakete ein, verletzt wurde niemand.

    Israelischer Militärsprecher: Hamas für Beschuss verantwortlich

    Die israelische Armee wies der Hamas die Verantwortung für den Beschuss des Lagers und der Klinik selbst zu. In "beiden Gegenden" habe die Hamas Raketen abgeschossen, nicht Israel. Ein Militärsprecher sagte dazu, seit Beginn des Konflikts vor drei Wochen hätten etwa 200 Raketen aus dem Gazastreifen ihr Ziel verfehlt und seien statt in Israel in dem Palästinensergebiet eingeschlagen.

    Durch eine Mörsergranate der Hamas starben im Süden Israels an der Grenze zu dem Palästinensergebiet am Montag vier Israelis. Es war der schwerste Schlag gegen die israelische Zivilbevölkerung seit Beginn des Militäreinsatzes Anfang Juli. Bei dem Granatenangriff in der Region Eschkol wurden außerdem rund zehn Menschen verletzt, wie israelische Medien berichteten. Ganz in der Nähe gab es anschließend schwere Gefechte zwischen Hamas-Mitgliedern und der israelischen Armee, bei denen fünf radikale Kämpfer getötet wurden.

    Israelisches Militär ruft Bevölkerung mit Telefonanrufen und SMS zur Flucht auf

    Das sind die Akteure und Vermittler im Gaza-Konflikt

    HAMAS: Die Kernforderung der im Gazastreifen herrschenden Hamas ist eine Aufhebung der Blockade des Palästinensergebiets durch Israel und Ägypten. Sie ist derzeit nicht zu einer Rückkehr zum Status quo vor Ausbruch der neuen Kämpfe bereit. Außerdem fordert sie die Freilassung von rund 50 Hamas-Häftlingen, die im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigelassen, dann aber nach dem Mord an drei israelischen Teenagern wieder festgenommenen worden waren. Die Verhandlungen für die Hamas führt der Exilchef der Organisation, Chaled Maschaal. Er betont, nach all den Todesopfern könne Hamas nicht von ihren Forderungen abweichen. Es seien inzwischen die Forderungen aller Palästinenser im Gazastreifen.

    DIE PALÄSTINENSERBEHÖRDE: Der gemäßigte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist als Vermittler zwischen den verschiedenen Parteien im Einsatz. Auch er tritt für eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens ein, die schon 2006 begonnen hatte und dann immer weiter verschärft wurde. Seine Fatah-Organisation hatte Anfang Juni eine Einheitsregierung mit der rivalisierenden Hamas gebildet.

    ISRAEL: Israel hat die von Ägypten vorgeschlagen Waffenruhe akzeptiert, die Hamas bisher ablehnt. Der jüdische Staat fordert als Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Gazastreifen einen Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte und eine Wiederherstellung der Ruhe. Rechtsorientierte Kabinettsmitglieder haben allerdings eine Zerschlagung der Hamas und ihrer militärischen Infrastruktur im Gazastreifen verlangt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich für eine Entwaffnung der Hamas ausgesprochen.

    KATAR: Das kleine, aber einflussreiche Emirat sieht sich als «Verbindungskanal» zwischen der Hamas und der internationalen Gemeinschaft. Die Hauptstadt Doha war in den vergangenen Tagen Zentrum intensiver Verhandlungen. Katar und sein Scheich Tamim bin Hamad al-Thani sind wichtigster Geldgeber der Hamas. Das Emirat ließ wissen, es werde keinen Druck auf die Palästinenserorganisation ausüben, die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe zu akzeptieren. Hier spiegelt sich auch das schlechte Verhältnis zwischen Kairo und Doha wider. Katar unterstützt in Ägypten die Muslimbrüder, die vor einem Jahr vom ägyptischen Militär gestürzt worden waren.

    ÄGYPTEN: Unter Langzeitherrscher Husni Mubarak und auch unter dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi war Ägypten wichtigster Vermittler im Nahost-Konflikt. Doch diese Rolle hat Kairo verloren. Vor allem das Verhältnis zur Hamas ist schlecht, die einst aus den in Ägypten massiv verfolgten Muslimbrüdern hervorging. Kritiker klagen, Ägypten rede über die Hamas, aber nicht mit ihr - direkte Gespräche zwischen beiden Seiten gebe es nicht. Als Hamas-Exilchef Chaled Maschaal erklärte, Ägypten habe ihn zu Gesprächen eingeladen, ließ Kairo über Diplomaten verbreiten, diese Nachricht gehöre zu der «Kette von Lügen», die Hamas in die Welt setze.

    TÜRKEI: Wie Katar gehört auch die Türkei zu den Unterstützern der Hamas. Beide Länder haben sich in den vergangenen Tagen abgestimmt und die Bedingungen der Palästinenserorganisation für eine Waffenruhe abgesegnet. Das Verhältnis Ankaras zu Israel ist seit dem Übergriff israelischer Soldaten auf Aktivisten an Bord des türkischen Schiffes «Mavi Marmara» 2010 angespannt. Für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan kommt der Gazakonflikt zudem zu einer ungünstigen Zeit, da er sich im Wahlkampf für das Präsidentenamt befindet. Erdogan warf Israel wegen der Gaza-Militäroffensive Grausamkeiten vor, die sogar «Hitler» überträfen.

    USA: Für Amerika bedeutet der Konflikt einen Drahtseilakt: Einerseits betont Barack Obama, dass Washington fest an der Seite Israels stehe. Jedes Land habe das Recht, sich gegen Raketenbeschuss zu verteidigen. Andererseits ist er über die steigenden Opferzahlen in Gaza besorgt. Hinter vorgehaltener Hand fragt sich Washington, ob die Gewalt in Gaza tatsächlich angemessen ist. Zwar hat Obama sich als Vermittler angeboten. Doch eine Strategie, wie es beide Seiten zur Mäßigung bringen könnte, lässt Washington nicht erkennen. Erst kürzlich sind die USA mit ihrem Vermittlungsversuch in Sachen Nahostfrieden gescheitert. Die Autorität der USA im Nahen Osten dürfte dadurch wohl nicht gewachsen sein.

    Am Abend forderte das israelische Militär die palästinensische Zivilbevölkerung in mehreren Vororten der Stadt Gaza zur sofortigen Flucht auf. Die Einwohner von Schedschaija, Seitun und Dschabalija seien in Telefonanrufen und per SMS aufgerufen worden, sich "unverzüglich" in Sicherheit zu bringen und in Richtung des Stadtzentrums von Gaza zu fliehen, erklärte das Militär.

    Netanjahu sagte am Montagabend im Fernsehen, Israel müsse zu einem "langen Feldzug" bereit sein. "Israelische Bürger können nicht mit der Bedrohung durch Raketen und aus Todestunneln leben - Tod von oben und von unten", sagte der Ministerpräsident. Die Offensive werde nicht beendet, bevor die Tunnel "neutralisiert" seien.

    UN fordert "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe"

    Noch in der Nacht zum Montag hatte sich der UN-Sicherheitsrat des Konflikts angenommen und in einer Erklärung eine "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe" gefordert. Beide Konfliktparteien wurden darin dazu aufgerufen, während des islamischen Fests Eid al-Fitr "und darüber hinaus" das Feuer einzustellen und zivile Einrichtungen zu schützen.

    US-Außenminister John Kerry erklärte, seine Bemühungen um eine Waffenruhe fortsetzen zu wollen. Letztlich könne die Krise in der Region aber nur beigelegt werden, wenn die "Hamas und alle anderen Terrorgruppen entwaffnet" würden. Die französische Präsidentschaft erklärte am Montagabend, die politischen Führungen der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens hätten sich darauf geeinigt, ihre "Anstrengungen zu verdoppeln", um eine Waffenruhe zu erreichen. Demnach telefonierten die Staats- und Regierungschefs der Länder zuvor miteinander.  AZ/afp dpa, afp

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