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Nazi-Vorwürfe: Königin Silvia verteidigt ihren Vater

Nazi-Vorwürfe

Königin Silvia verteidigt ihren Vater

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    Dieses Bild aus dem Jahr 1990 zeigt die schwedische Königin Silvia mit ihren Eltern Alice und Walther Sommerlath in Heidelberg. Silvias Vater soll sich am Vermögen eines verfolgten Juden bereichert haben. Das entkräftet die Königin nun und sagt, ihr Vater habe dem Unternehmer bei der Flucht geholfen.
    Dieses Bild aus dem Jahr 1990 zeigt die schwedische Königin Silvia mit ihren Eltern Alice und Walther Sommerlath in Heidelberg. Silvias Vater soll sich am Vermögen eines verfolgten Juden bereichert haben. Das entkräftet die Königin nun und sagt, ihr Vater habe dem Unternehmer bei der Flucht geholfen. Foto: Thelen/dpa

    Mit versteinerter Miene steht Königin Silvia von Schweden vor der Kamera. Sie trägt ein schlichtes Halstuch und eine dunkle Jacke. Es scheint, als sei sie den Tränen nahe. Dann beginnt sie zu reden – über das, was viele Schweden schon lange von ihrer Königin hören wollten: Mehr als sechs Minuten spricht Silvia über die Nazi-Vergangenheit ihres deutschen Vaters Walther Sommerlath. Das Video ist auf der Internetseite des schwedischen Hofes zu sehen, zusammen mit vielen Materialien, die ihren Vater entlasten sollen.

    Silvias Vater trat 1934 in die NSDAP ein

    „Was ist eigentlich vor rund 70 Jahren passiert?“, fragt Silvia mit bewegter Stimme. Bisher war über ihren Vater und seine dunkle Vergangenheit nicht viel bekannt. 1901 wurde er in Heidelberg geboren, 1920 emigrierte er nach Brasilien. Dort wurde Walther Sommerlath 1934 Mitglied der NSDAP – was er selbst immer leugnete.

    Für Tochter Silvia war das ein Schock, wie sie nun in dem kurzen Film erzählt: „Dass mein Vater als junger Mann Mitglied der Nazi-Partei geworden ist, ein Jahr nachdem Hitler Reichskanzler wurde, ist eine Tatsache, die mich tief berührt hat und berührt.“

    Kritiker bemängeln langes Schweigen der Königin

    Um mehr Details zu erfahren, habe sie in jüngster Vergangenheit selbst in Archiven in Deutschland und Brasilien nachgeforscht. Zu spät, sagen Kritiker: Lange hatte die Königin zur braunen Vergangenheit ihres Vaters geschwiegen.

    Vor zwei Jahren erhob der schwedische Sender TV4 den Vorwurf, dass der 1990 gestorbene Walther Sommerlath sich am Vermögen des verfolgten jüdischen Unternehmers Efim Wechsler bereichert habe. Sommerlath habe die Fabrik von Wechsler im Zuge der sogenannten Arisierung günstig übernommen und danach als Rüstungslieferant von der Kriegsführung der deutschen Nationalsozialisten profitiert.

    Brasilianische Anwälte stellen Nachforschungen an

    Königin Silvia verteidigte ihren Vater trotzdem. Unter anderem sagte sie in einem Interview: „Man muss psychologisch verstehen, wie das war, als Deutschland sich plötzlich wieder aus der Asche erhob. Und diese Freude darüber, dass das Vaterland wieder da war. Deshalb stützte mein Vater Deutschland und wurde Parteimitglied.“ Das brachte ihr viel Kritik ein.

    Jetzt die Wende: Silvia beauftragte brasilianische Anwälte sowie den Ex-Chef des schwedischen Nationalarchivs, Erik Norberg, mit eigenen Nachforschungen, wie die Übernahme der Wechsler-Fabrik durch ihren Vater ablief.

    Die Königin ist erleichtert über das Ergebnis ihrer Recherchen

    Über das Ergebnis sei sie nun erleichtert. „Ich habe keinen Grund, mein Bild von meinem geliebten Vater zu ändern“, schreibt Silvia im Nachwort des Buches „Das vergessene Dokument“, das nun veröffentlicht wird: „Durch das geschickt ausgedachte und durchgeführte Tauschgeschäft (mit Wechsler) half mein Vater de facto, bewusst und aktiv einem staatenlosen jüdischen Mann, Deutschland zu verlassen. Er verschaffte ihm die Voraussetzungen, die nötig waren, um ein neues Leben in Brasilien anzufangen.“

    In ihrer Videobotschaft räumt die Königin auch ein, dass es merkwürdig wirken könnte, dass sie als in Deutschland Geborene nicht schon früher mehr Erkenntnis gesucht hat. „Vielleicht war es aus einer Angst heraus“, sagt die Königin. Mit ihren Eltern habe sie nie über diese Zeit gesprochen. (mit dpa)

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