Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Porträt: Das war Alexander Schalck-Golodkowski

Porträt

Das war Alexander Schalck-Golodkowski

  • |
  • |
  • |
    Die letzte öffentliche Äußerung aus dem Jahr 2000 von Schalck-Golodkowski über seine Tätigkeit für die DDR: "Ick hab' nich beschafft, ick hab' erarbeitet."
    Die letzte öffentliche Äußerung aus dem Jahr 2000 von Schalck-Golodkowski über seine Tätigkeit für die DDR: "Ick hab' nich beschafft, ick hab' erarbeitet." Foto: Andreas Altwein/Archiv (dpa)

    Er hatte schon etwas von einem DDR-Apparatschik – rein äußerlich zumindest. Doch im sozialistischen Deutschland war Alexander Schalck-Golodkowski eher ein Paradiesvogel. Ein Wanderer zwischen den Welten, für den der Eiserne Vorhang nicht zu existieren schien. Er bewegte sich unter Parteigenossen genauso sicher, wie in Verhandlungen mit dem Klassenfeind. Im Juni 2015 ist der langjährige Chef des DDR-Außenhandelsbereichs im Alter von 82 Jahren in Rottach-Egern am Tegernsee nach langer Krankheit gestorben.

    Wer war Alexander Schalck-Golodkowski?

    Legendär wurde der massige Hüne durch seine Tätigkeit in der geheimnisumwitterten Kommerziellen Koordinierung (KoKo). Eine Behörde, die einzig und allein dafür da war, die marode DDR mit Devisen zu versorgen. Schalck-Golodkowski war in dieser Rolle für den klammen Staat und so auch für den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker unentbehrlich. Und das wusste er auch. Virtuos nutzte er seine Freiheiten, knüpfte ein geradezu legendäres Netz, das von Kumpanei und gegenseitigen Abhängigkeiten getragen wurde. Mit seiner jovialen Art, die durch markantes Berlinern etwas konterkariert wurde, konnte er auch erfahrene Verhandlungspartner aufs Glatteis führen. Wer ihn unterschätzte, und das waren nicht wenige, hatte schon verloren.

    Schon früh umgab ihn ein Flair des Geheimnisvollen, mit einem Stich ins Mafiöse. Sein Vater war ein staatenloser Russe, dessen Vater wiederum ein Offizier des Zaren gewesen ist, der vor den siegreichen Bolschewisten fliehen musste. Als der kleine Alexander acht Jahre alt war, adoptierte ihn das Ehepaar Schalck. Schnell erkannte er, dass eine Bäckerlehre nicht das Richtige für ihn war. Er wandte sich ab von Mehl und Teig, um eine Lehre als Feinmechaniker zu beginnen. Aber auch die Drehbank war nur eine Zwischenstation für den aufgeweckten jungen Mann, der 1951 in die Freie Deutschen Jugend (FDJ) einrat – ein obligatorischer Schritt für jemanden, der hoch hinaus wollte.

    Durch die Decke ging seine Karriere, als er im Ministerium für Außenhandel anheuerte. Handeln, feilschen, Beziehungen aufbauen und pflegen – das war seine Welt. Zugute kam ihm auch, dass er die SED-Größen mit begehrten Westwaren bester Qualität versorgen konnte. Schalck-Golokowski saß an der Quelle: Von edlen Tropfen, über schicke Mode bis hin zu modernen Fernsehgeräten – ja sogar Pornos für die Politbüro-Größen in Wandlitz soll der Außenhandelschef im Angebot gehabt haben. Gleichzeitig war er seinem Staat gegenüber loyal: „Der DDR verdanke ich meinen Aufstieg vom Feinmechanikerlehrling zum Staatssekretär“, sagte er, als er 1995 wegen illegaler Waffengeschäfte in Berlin vor Gericht stand. Zu einer Zeit also, als man so etwas nicht mehr sagen musste.

    In die Öffentlichkeit drängte es Alexander Schalck-Golodkowski nicht. Seine Fähigkeiten kamen im Hintergrund, ja im Verborgenen am besten zum Tragen. So hätte es weitergehen können. Ging es aber nicht.

    Alexander Schalck-Golodkowski und Franz Josef Strauß

    Der Tag, an dem Schalck-Golodkowski auch im Westen bekannt wird, ist der 5. Mai 1983: Mit einer großen Sonnenbrille auf der Nase steigt er auf einem Parkplatz an der Transitautobahn nahe der Motorsportstadt Schleiz in Thüringen in eine dunkle Luxuslimousine.

    Die besten Zitate von Franz Josef Strauß

    "Everybody's darling is everybody's Depp". So ließ sich Strauß über nach Aufmerksamkeit heischende Politiker aus.

    "Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt." So beschrieb Strauß seine Ansichten zu einer gelungenen Rede.

    "Es ist reizvoller, in Alaska eine Ananasfarm zu errichten, als Bundeskanzler zu werden." Das waren Strauß' Gedanken zu einer Kandidatur.

    "Wenn's schon kein Hirn haben, dann halten Sie's Maul wenigstens. Dieses dämliche Gequatsche eines politisierenden Beatles. Sie Pilzkopf!" Mit Zwischenrufern bei seinen Reden und Wahlkampfveranstaltungen ging Strauß nie zimperlich um.

    "Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder." Mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hatte Strauß so seine Probleme.

    "Helmut Schmidt und ich kennen uns sehr gut. Wenn er mich anredet 'Alter Gauner' und ich sage 'Alter Lump', so ist das durchaus eine von gegenseitiger Wertschätzung und realistischer Kennzeichnung getragene Formulierung." Mit dem Altbundeskanzler Helmut Schmidt hatte Strauß stets ein gutes Verhältnis...

    "Der wird nie Kanzler werden. Der ist total unfähig; ihm fehlen alle charakterlichen, geistigen und politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles." ... mit Altkanzler Helmut Kohl dagegen weniger.

    "Solange die Liberalsozialisten an der Regierung sind, kann ich nur sagen: Eher legt sich ein Hund einen Salamivorrat an, als dass die eine einmal eingeführte Steuer wieder abschaffen." Spitzen gegen die rot-gelbe Koalition unter Helmut Schmidt ließ sich Strauß selten nehmen.

    "Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher." Gegen Kommunisten und deren Sympathisanten wurde er noch deutlicher.

    "Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt." Franz Josef Strauß war Herausgeber des "Bayernkurier". Chefredakteur Wilfried Scharnagl war da, wenn man Strauß' Zitat wörtlich nimmt, nur Beiwerk.

    "In Bayern gehen die Uhren anders. Wenn in Bayern die Uhren wirklich anders gehen, dann haben wir, soweit die Politik es vermag, diesen Beitrag zur geistigen Führung unseres Landes geleistet, damit in Bayern die Uhren richtig gehen und nicht nach Zeitgeist jeweils verschieden eingestellt werden." Und die Liebe zu seiner Heimat Bayern drückte Franz Josef Strauß oft auf seine sehr eigene Art aus.

    Es ging in den Westen. Auf das Gut Spöck, unweit von Aschau – natürlich ohne lästige Kontrollen. Bald schon kündigten Rotorengeräusche die Ankunft des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß an. Auf dem Anwesen des Fleischhändlers Josef März wurde erstmals über einen Deal gesprochen, der im Juli 1983 einschlagen sollte wie eine Bombe. Vor Alpenpanorama wurde bei drei Treffen die Rettung der DDR aus einer existenzbedrohenden Finanzkrise ausgehandelt.

    Dem Vernehmen nach verstanden sich der SED-Funktionär und der CSU-Chef ganz vorzüglich. Dass ausgerechnet der als Kommunistenhasser bekannte Strauß die Milliardenkredite eingefädelt hatte und auch noch persönlich seine Privatmaschine in den Osten zu Gesprächen steuerte, schien vielen Zeitgenossen unbegreiflich. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fühlte sich gar an den rätselhaften Flug des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß nach London erinnert.

    Schalck-Golodkowskis Unternehmen hieß "Handel mit Waren aller Art"

    Gut sechs Jahre später war die DDR dennoch am Ende, und somit auch die Karriere von Schalck-Golodkowski. Gegen ihn wurden eine Reihe von Ermittlungsverfahren und Prozesse angestrengt. Der in zweiter Ehe verheiratete Vater zweier Kinder kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Licht in das Dickicht der KoKo-Geschäfte brachte auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages letztlich nicht. Alexander Schalck-Golodkowski machte, so weit es seine angeschlagene Gesundheit zuließ, auch am Tegernsee bis zuletzt so ähnlich weiter wie bisher. Hieß doch sein dort gegründetes Unternehmen „Handel mit Waren aller Art“. ska

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden