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Porträt
14.06.2020

Fall Philipp Amthor: Es wird ernst für den konservativen Jung-Star

Für Philipp Amthor ist die Affäre um Aktienoptionen des Unternehmens Augustus Intelligence der erste Karriereknick.
Foto: Christoph Soeder, dpa (Archiv)

Philipp Amthor wird von vielen belächelt und bastelt doch recht erfolgreich an seiner Karriere. Nun gerät der CDU-Jungstar allerdings in Erklärungsnot.

Goldene Regel für Porträts wie dieses: Niemals eine Person über Äußerlichkeiten definieren. Im Prinzip eine Selbstverständlichkeit und meistens ist es auch ganz einfach. Bei Philipp Amthor stößt man als Autor an Grenzen.

Philipp Amthor hat die Frühverspießung zur Marke gemacht

Dass ein Bundestagsabgeordneter im dunklen Zweireiher daherkommt, mit Manschettenknöpfen, Einstecktuch, Deutschland-Fähnchen am Revers und akkuratem Seitenscheitel, ist nicht ungewöhnlich. Aber ein 27-Jähriger? Amthor hat die äußerliche Frühverspießerung zur Marke gemacht. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich: Der scheinbar alte Mann im Körper eines jungen fällt auf. Zugleich wirkt er aber oft wie ein Politikerdarsteller. Kaum jemand macht sich die Mühe, hinter die Fassade zu blicken. Nutzen wir also den Rest des Textes, um genau das zu versuchen.

Wenig Zweifel besteht daran, dass der Jung-Star der CDU tatsächlich ein durch und durch konservativer Mensch ist. Einer, der Wert auf gute Manieren legt, der den katholischen Glauben spät für sich entdeckt hat und sich mit Mitte 20 taufen ließ. Der die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gerne verhindert hätte und "Gender-Mainstream" oder "Multikulti" blöd findet.

Mecklenburg-Vorpommern: Amthor könnte 2021 Ministerpräsident werden

Er wächst bei seiner allein erziehenden Mutter auf, tritt mit 16 in die CDU ein und macht so eifrig Wahlkampf, dass er sogar mal bei der Kanzlerin im Zug mitfahren darf. Er studiert Jura, arbeitet an seinem Doktortitel und wird in den Bundestag gewählt. Da ist er noch keine 25 Jahre alt – und die Karriereplanung längst nicht abgeschlossen. Die CDU Mecklenburg-Vorpommern wird Amthor wohl demnächst zum Vorsitzenden machen – seine einzige Kontrahentin hat ihre Kandidatur gerade zurückgezogen. Bei der Landtagswahl im kommenden Jahr könnte er gegen die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig antreten, die zwar populär ist, aber mit der Schwäche ihrer SPD zu kämpfen hat.

Gar nicht so schlecht für einen, der noch vor kurzem als Witzfigur verhöhnt wurde, als er versuchte, dem Youtuber Rezo und dessen Video "Die Zerstörung der CDU" Paroli zu bieten ("Na Rezo, Du alter Zerstörer"). Doch ganz oben wird die Luft dünner. Jeder Fehler kann die Karriere knicken lassen. Und Amthor hat einen gemacht, wie er selbst zugibt. Der Spiegel  berichtet, der CDU-Politiker habe sich bei seinem Parteifreund und Wirtschaftsminister Peter Altmaier für ein Unternehmen eingesetzt, an dem er selbst über Aktienoptionen verdienen konnte. "Ich bin nicht käuflich. Gleichwohl habe ich mich politisch angreifbar gemacht", schreibt Amthor auf seiner Facebook-Seite.

Ist der Fall Amthor mit der Entschuldigung erledigt?

Ob die Sache mit einer Entschuldigung erledigt ist? Den Spott gibt es gratis. "Aktienoptionen, so so... Ich dachte immer, Philipp Amthor kauft man sich mit Kinderschokolade", twittert jemand. Die gehässige Reduzierung auf Äußerlichkeiten könnte in den kommenden Tagen das geringste Problem für den CDU-Aufsteiger sein.

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15.06.2020

Laut "Handelsblatt" wundern sich Ex-Manager der etwas dubiosen Firma "Augustus Intelligence" darüber, dass der Laden, in dem Amthor neben Karl-Theodor zu Guttenberg und Hans-Georg Maaßen einen Direktorenposten hatte, über kein Produkt, keine Kunden und keine Umsätze verfüge. Von wem das Unternehmen finanziert werde, sei unklar.

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/augustus-intelligence-fuer-diese-merkwuerdige-firma-hat-sich-philipp-amthor-engagiert/25914246.html?ticket=ST-4994892-YLDBLSxtKlNldKEQuXp6-ap5

Im März 2020 berichtete der Spiegel:

" . . . über einen Rechtsstreit mit ehemaligen Mitarbeitern vor einem New Yorker Gericht, bei dem es um angeblichen Diebstahl von geistigem Eigentum ging. Die beschuldigten Mitarbeiter warfen dem Unternehmen im Gegenzug dubiose Geschäftspraktiken vor, die von „Betrug, Illegalität und Korruption“ durchzogen seien."

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/startups/philipp-amthor-das-ist-die-geheimnisvolle-firma-augustus-intelligence/

Deutschland, das inzwischen auf eine ganze Reihe talentierter Nachwuchspolitiker vom Schlage des Philipp Amthor, laut FAZ "Jungstar der CDU", vorweisen kann, muss sich um seine Zukunft jedenfalls keine Sorgen machen . . . ;-)








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14.06.2020

Ob ein Politiker sich nun für ein Unternehmen einsetzt, an dem er Aktienoptien hält oder im Aufsichtsrat selbigen sitzt, was macht das für einen Unterschied ?
Politiker sollten zu einhundert Prozent nur für ihr Mandat malochen und sonst nix. Quasi für 100% Kohle = 100% Engagement.
Und Kohle bekommen die ja nun wirklich genug.

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14.06.2020

100Pro, mehr ist zu den Scheinheiligkeiten und Schwarzarbeitern nicht zu sagen.

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14.06.2020

Meiner Meinung nach muss man hier differenzieren.

Der selbständige Bäcker oder der Bauer, der in den Bundestag- oder einen Landtag gewählt wird, wird vernünftigerweise auch noch im eigenen Betrieb etwas arbeiten. Auch viele Freiberufler. Das hat zwei Vorteile: Zum einen behalten sie den Kontakt zu ihrer Arbeitswelt und zum anderen können sie, wenn sie nicht wieder aufgestellt oder gewählt werden, zurück in ihren Broterwerb.

Sonst können sich fast nur Beamte oder Arbeiter/Angestellte, die ein gesetzliches Rückkehrrecht haben, die Kandidatur für so eine Volksvertretung leisten.

Nicht akzeptabel ist es m. M. nach, wenn Geld von einem „Arbeitgeber“ kommt, der von dem Politiker für sich politische Einflußnahme erwartet. Vielleicht sogar genau hierfür anstellt und bezahlt. Solche Fälle hatten wir mehrere.

Bei Herrn Amthor sieht es bisher so aus, dass er verschleiert über Aktienkaufoptionen wie Luxusreisen bezahlt werden sollte, um für diese Firma politisch Kontakte zu knüpfen und Einfluss zu nehmen. Und das soll nicht sein!

Raimund Kamm

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