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Porträt: Kardinal Reinhard Marx: Der Macher

Porträt

Kardinal Reinhard Marx: Der Macher

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    ARCDer Münchner Kardinal Reinhard Marx ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.
    ARCDer Münchner Kardinal Reinhard Marx ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)

    Der gebürtige Westfale Reinhard Marx berät den Papst, ist sowohl Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz wie Präsident der „Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft“, Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt – und einiges mehr.

    Die Karriere, die der 60-Jährige gemacht hat, ist beeindruckend, bedenkt man, dass er erst 1996 zum Weihbischof von Paderborn geweiht wurde. 2002 war er mit 48 Jahren der damals jüngste deutsche Ortsbischof – von Trier; 2008 Erzbischof des Bistums München und Freising.

    Ist Kardinal Reinhard Marx zu machtbewusst?

    Da verwundert es nicht, dass Marx manchem Geistlichen als zu mächtig, ja zu machtbewusst erscheint, mithin zu verliebt in den öffentlichen Auftritt. Als Kurien-Erzbischof Georg Gänswein kürzlich mahnte, der Vorsitzende einer Bischofskonferenz sei „ein Moderator, nicht der Nationalpapst seines Landes“, zielte das wohl auch auf Marx ab.

    Das ist Kardinal Reinhard Marx

    Reinhard Marx wurde am 21. September 1953 in Geseke, Kreis Lippstadt in Nordrhein-Westfalen, geboren. Er ist seit 2007 Erzbischof von München und Freising.

    1972 schrieb er in Geseke sein Abitur. Dann studierte er in Paderborn und Paris Theologie und Philosophie.

    1979 wurde er vom Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, zum Priester geweiht.

    Von 1981 bis 1989 studierte Reinhard Marx in Münster und Bochum, promovierte zum Doktor der Theologie. Titel seiner Dissertation ist „Ist Kirche anders? Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise.“

    1989 wurde Reinhard Marx zum Direktor des Sozialinstituts der Erzdiözese Paderborn. Er war außerdem beauftragter Seelsorger in der Berufs- und Arbeitwelt.

    1996 wurde er Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn. Sie ist heute eine eigenständige, staatlich anerkannte Hochschule päpstlichen Rechts in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn mit Promotions- und Habilitationsrecht und dient vor allem der Priesterausbildung. Marx wurde im gleichen Jahr zum Weihbischof des Erzbischofs von Paderborn ernannt.

    An seinem 43. Geburtstag weihte ihn Erzbischof Degenhardt zum Bischof und ernannte ihn zum Bischofsvikar für Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft.

    Seit 1999 ist Marx Vorsitzender der von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam getragenen Kommission „Justitia et Pax“ (Gerechtigkeit und Frieden).

    Am 20. Dezember 2001 ernannte Papst Johannes Paul II. Reinhard Marx zum Bischof von Trier. Am 1. April 2002 wurde er in sein Amt im Trierer Dom eingeführt. Für sein bischöfliches Wirken wählte er ein Wort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth zum Wahlspruch: „Ubi spiritus Domini ibi libertas – Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17).

    In der Deutschen Bischofskonferenz führt Reinhard Marx den Vorsitz der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und ist Stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche.

    Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 30. November 2007 zum Erzbischof von München und Freising. Kraft dieses Amts ist er zugleich Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz.

    Am 26. Januar 2008 hatte sich Marx bei einem feierlichen Gottesdienst im Trierer Dom vom Bistum Trier verabschiedet. Am 29. Juni 2008 empfing Marx als Metropolit der Kirchenprovinz München und Freising im Petersdom zu Rom das Pallium.

    2010 nahm ihn Papst Benedikt XVI. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Corbiniano in das Kardinalskollegium auf.

    Am 22. März 2012 wurde er zum Präsidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) gewählt.

    Papst Franziskus berief Marx im April 2013 als ein Mitglied des achtköpfigen Kardinalsrates, der den Papst bei der Leitung der Weltkirche beraten und im Hinblick auf eine Reform der Kurie Änderungen der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus, vorbereiten soll.

    Marx wurde am 12. März 2014 zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

    Der hat sich in den vergangenen Jahren weniger als Moderator denn als Macher inszeniert, und war auf diese Weise zu einer der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kirche geworden. Populär zwar, kirchenintern aber nicht unumstritten. Marx zauderte und zögerte oft nicht lange, sondern handelte. So war das etwa bei der Aufklärung des Misshandlungs- und Missbrauchsskandals in der oberbayerischen Benediktinerabtei Ettal.

    Zuletzt äußerte sich Marx zur Insolvenz des von der Kirche getragenen Weltbild-Konzerns: Bischöfe könnten keine Unternehmer sein. Sätze wie diese zeigen, wie gut er das Spiel mit der Öffentlichkeit beherrscht. Marx weiß, dass klare und selbstkritische Worte die beste Methode sind, auf Krisen zu reagieren.

    Marx polarisiert

    Dass er dennoch ein widersprüchliches Bild abgibt, hat ihm bisher nicht geschadet. Mal gilt er als konservativ, mal als Reformer. Mal ist er zugänglich und jovial, mal kompromisslos und energisch. Marx polarisiert durchaus. Das allerdings muss man ihm lassen: Er steht zu seiner Meinung und legt sich, der Sache wegen, selbst mit jemandem wie dem obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche, Gerhard Ludwig Müller, an.

    Marx, der Wirtschaftsexperte unter den deutschen Bischöfen, ist ein politischer Kopf, dem es weder an Selbstbewusstsein noch an Humor mangelt: Der Titel seines Buches „Das Kapital“ ist eine Anspielung auf Karl Marx.

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