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Pressestimmen: Osama, Obama und Merkel: die moralische Entrüstung

Pressestimmen

Osama, Obama und Merkel: die moralische Entrüstung

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    US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede in Fort Campbell. dpa
    US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede in Fort Campbell. dpa

    Die Pressestimmen zum Tod von Osama bin Laden, Barack Obamas Entscheidung und Angela Merkels Freude:

    "Landeszeitung": "Friedensnobelpreisträger ist Barack Obama. Man muss sich das in diesen Tagen in Erinnerung rufen bei den mehr oder weniger martialischen Tönen, die über den Atlantik herüberschallen. Ein Friedensnobelpreisträger, der einen glatten Bruch des Völkerrechts verordnet und grünes Licht für eine "Kill Mission" gibt. Und der dann verkündet, warum keine Bilder der Leiche des Terrorchefs herausgegeben werden. Als ob das die Menschenwürde, die selbst bei Massenmördern uneingeschränkt gilt, nicht einfordern würde als eine Selbstverständlichkeit. Genauso wie es die Unantastbarkeit der Menschenwürde gebietet, sich öffentlicher Freude über den Tod eines Menschen zu enthalten, mag dieser auch Osama Bin Laden heißen."

    "Der neue Tag": "Da nun auch Al Kaida den Tod ihrer Galionsfigur Osama bin Laden verkündet, braucht es die vielfach geforderte Veröffentlichung eines Fotos des toten Terroristen-Chefs nicht. Unabhängig davon hat der amerikanische Präsident Barack Obama gut daran getan, die Veröffentlichung zu verweigern. ... Vor allem aber muss Obama den "Nebel des Krieges" lichten, der noch immer die Sicht der Öffentlichkeit auf die tödliche Kommandoaktion gegen Bin Laden in dessen pakistanischem Versteck trübt. Zumal die US-Regierung mit sich widersprechenden Äußerungen diesen Nebel erst erzeugt hat."

    "Westfälische Nachrichten": "El Kaidas Botschaft wird .. zu einem zweischneidigen Schwert. Das wahre Anliegen liegt nicht darin, US-Präsident Obama einen Freundschaftsdienst zu erweisen, indem man das Weiße Haus von der unangenehmen Last befreit, die brisanten Fotos zu veröffentlichen.  El Kaidas "Todesnachricht" hat das Ziel, die sogenannten "Gotteskrieger" aufzurufen, in die Schlacht zu ziehen. El Kaida schwört dem Westen Rache - und auch der Atommacht Pakistan."

    "Münchner Merkur": "Es deutet viel darauf hin, dass der Ägypter Al-Sawahiri den getöteten bin Laden beerben wird. Sawahiri ist kein Spinner oder primitiver Schlächter. Er ist ein hochintelligenter und eiskalt kalkulierender Mann, der als Mediziner genau weiß (oder die Stelle sucht), wo er sein Skalpell (in diesem Fall Menschen, die für ihren Märtyrer zu sterben bereit sind) ansetzen muss. Nicht El Kaida, sondern bin Laden ist tot. Im Bin-Laden-Versteck gefundene Dokumente beweisen es - und westliche Geheimdienste betonen es. Man sollte sie ernst nehmen."

    Reaktionen auf den Tod von Osama bin Laden

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erleichtert über den Tod von El Kaida-Chef Osama Bin Laden geäußert. Bin Laden sei verantwortlich gewesen für den Tod tausender unschuldiger Menschen. «In seinem direkten Auftrag und in seinem Namen wurde der Terror in viele Länder getragen, er richtet sich gegen Männer, Frauen und Kinder, Christen wie Muslime», erklärte die CDU-Politikerin nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert.

    Außenminister Guido Westerwelle hat den Tod des El Kaida-Chefs Osama bin Laden in Pakistan begrüßt. «Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt», sagte der FDP-Politiker am Montag in Berlin. Bin Laden sei einer der «brutalsten Terroristen der Welt» gewesen, der das Leben von mehreren tausend Menschen auf dem Gewissen habe.

    CSU-Chef Horst Seehofer hat sich erleichtert über die Tötung von El Kaida-Chef Osama bin Laden durch US-Spezialeinheiten gezeigt. «Bei mir war es auf jeden Fall ein Gefühl der Freude», sagte Seehofer in München vor einer CSU-Vorstandssitzung. Es sei schön, dass den Amerikanern «der entscheidende Schlag» gelungen sei. «Das ist auf jeden Fall ein schöner Erfolg für die Gerechtigkeit», fügte er hinzu.

    Die Erschießung Osama bin Ladens durch US-Kommandos ist nach Auffassung des Vatikans kein Grund für Freudenfeiern. Vielmehr sei zu hoffen, dass der Tod des El Kaida-Chefs mehr Frieden als Hass bringen werde, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. «Ein Christ sollte niemals den Tod eines Menschen begrüßen», so Lombardi. Bin Laden habe schwere Verantwortung auf sich genommen, indem er Spaltung und Hass verbreitet habe. Das habe zum Tod zahlloser Menschen geführt, wobei die Differenzen zwischen den Religionen ausgenutzt worden seien, um diese Ziele zu erreichen.

    Der pakistanische Premierminister Yousuf Reza Gilani hat die Tötung von El Kaida-Chef Osama bin Laden als «großen Sieg» bezeichnet. «Wir werden nicht zulassen, dass unser Boden als Ausgangspunkt für terroristische Angriffe auf andere Länder genutzt wird», sagte Gilani am Montag der Nachrichtenagentur AFP. «Deshalb denke ich, dass es ein großer Sieg ist, es ist ein Erfolg, und ich gratuliere zu dem Erfolg dieses Einsatzes.»

    Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Vereinigten Staaten zum Tod Osama bin Ladens gratuliert. Israel teile die Gefühle der Amerikaner «an diesem historischen Tag», sagte Netanjahu in seinem Statement. Er beglückwünschte US-Präsident Barack Obama und die amerikanischen Soldaten, die an der Operation beteiligt waren. «Das ist ein Sieg, ein überwältigender Sieg für die Gerechtigkeit, für die Freiheit, für die Werte aller demokratischen Nationen, die entschlossen und Seite an Seite gegen den Terrorismus kämpfen», sagte er.

    Großbritanniens Premierminister David Cameron hat den Tod von Terrorführer Osama bin Landen begrüßt. «Diese Nachricht ist sehr willkommen in unserem ganzen Land», sagte Cameron in einer Fernsehbotschaft. «Natürlich bedeutet dies nicht das Ende der Bedrohung durch extremistischen Terror», betonte er. Großbritannien müsse in den nächsten Wochen besonders wachsam sein. «Aber es ist, so glaube ich, ein riesiger Schritt nach vorn.»

    Die ungarische EU-Ratspräsidentschaft hat die Tötung des El Kaida-Chefs Osama bin Laden als «gute Nachricht» bezeichnet, zugleich aber vor einer fortbestehenden Bedrohung durch den Terrorismus gewarnt. Die US-Regierung habe mit der Tötung bin Ladens einen «bedeutenden Erfolg» erzielt, «aber das bedeutet nicht das Ende des Kampfes gegen den Terrorismus», sagte der ungarische Außenminister Janos Martonyi dem ungarischen Radiosender MR. «Das Wichtige ist nun, die Reaktion der muslimischen Welt zu beobachten, wie die Länder inmitten des Wandels reagieren, zu sehen, ob diese Länder den Weg der Radikalisierung wählen oder einen moderaten Weg.» Es sei «eine gute Nachricht», dass «einer der größten Feinde unserer Zivilisation nicht mehr da ist», sagte Martonyi. «Aber wir müssen auf diese neue Situation vorbereitet sein.» Ungarn hat derzeit turnusmäßig den Ratsvorsitz der Europäischen Union inne.

    Das französische Präsidialamt sieht im Tod von Osama bin Laden ein «großes Ereignis im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus». Frankreich würdige die Beharrlichkeit der USA, erklärte der Elyséepalast. Das Ende des Chefs von El Kaida bedeute aber nicht auch das Ende des Terrornetzwerkes selbst. Der Kampf müsse ohne Unterbrechung weitergeführt werden. Auch Außenminister Alain Juppé warnte, dass die Gefahr von Anschlägen bestehen bleibe. «Der Kampf ist sicher noch nicht vorbei gegen die größte aller Feigheiten, den Angriff auf Unschuldige», sagte Juppé im Hörfunk. Den Tod Bin Ladens bezeichnete er als «Sieg aller Demokratien, die gegen diese schreckliche Geißel des Terrorismus kämpfen».

    Der italienische Außenminister Franco Frattini feiert den Tod des El Kaida-Chefs Osama bin Laden als einen «großen Sieg für die USA und für die ganze internationale Gemeinschaft» im Kampf gegen den Terrorismus. Es sei ein Sieg der freien und demokratischen Welt über das Böse, erklärte Frattini in Rom. Zwar dürfe man in der Wachsamkeit im Kampf gegen den Terror nicht nachlassen. «Doch ist es nun möglich, mit größerem Vertrauen in die Zukunft zu sehen». Auch Verteidigungschef Ignazio La Russa begrüßte den Erfolg Washingtons, der eine Warnung an jedewede Form des Terrorismus sei.

    Die indische Regierung hat die Tötung von El Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan als Meilenstein im Kampf gegen den Terrorismus gewürdigt. Gleichzeitig äußerte Innenminister Palaniappan Chidambaram Besorgnis. Dass der Topterrorist «tief im Inneren» Pakistans getötet worden sei, bestätige Indiens Befürchtungen, dass Terroristen unterschiedlicher Organisationen Zuflucht in dem Nachbarland fänden, sagte er in Neu Delhi.

    Der afghanische Präsident Hamid Karsai rief nach dem Tod von Osama bin Laden die radikalislamischen Taliban in seinem Land auf, ihren Kampf zu beenden. «Wir appellieren an die Taliban, aus dem gestern Geschehenen zu lernen und den Kampf einzustellen», sagte Karsai. «Talib, kommt in Eurer Land und beendet den Kampf, und legt die Waffen nieder, die Ausländer auf Eure Schultern gelegt haben.» Zuvor hatte Karsai gesagt, die Ursprungsorte des Terrorismus befänden sich nicht in Afghanistan.

    Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat den Tod des El Kaida-Chefs Osama bin Laden als eine Warnung an alle Terroristen bezeichnet. «Diese Warnung lautet: Jeder, der die Weltordnung bedroht hat, wird - auch nach Ablauf von zehn Jahren - gerecht bestraft», sagte Komorowski in Rom nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Heute sei Bin Laden bestraft worden, jeder Terrorist werde das lange in Erinnerung behalten, betonte Polens Staatsoberhaupt.

    "Westdeutsche Zeitung": "Indem die Terroristen mit Vergeltung drohen, haben sie ungewollt Gutes bewirkt: Die letzten Zweifel am Tod Bin Ladens sind weg, und das Spinnen von abstrusen Verschwörungs-Theorien hat ein Ende. Die neuen Racheankündigungen hingegen ändern nichts. Auch vorher war klar, dass wir noch jahrelang auf der Hut sein müssen - und gleichzeitig wissen, dass sich eine mobile Gesellschaft wie unsere nie hundertprozentig schützen kann. Die Hoffnung ruht darauf, dass immer mehr junge Araber den hohen Wert der Freiheit schätzen lernen. Und dazu passen Ideologen wie Bin Laden nicht."

    "Tagesspiegel": "Wie gefährlich ist eine blamierte Atommacht? (...) Was muss dem  Westen nun mehr Sorge bereiten: Pakistans Unzuverlässigkeit oder  seine Schwäche? Schon lange kursierte der Verdacht, Pakistan  betreibe ein Doppelspiel: Offiziell ist es mit den USA und der Nato  verbündet im Kampf gegen den Terror und lässt sich dafür mit  Milliardenhilfe belohnen. Doch heimlich schützen und unterstützen  zumindest Teile der pakistanischen Elite al Qaida und die Taliban -  Kräfte, die tödliche Anschläge auf Amerikaner, auf Deutsche und  andere Europäer verüben. Pakistan tat das stets als böse  Verleumdung ab. Doch wer mag das jetzt noch glauben - wenn selbst  Osama bin Laden jahrelang unbehelligt in einer pakistanischen  Garnisonsstadt leben konnte?"

    "Heilbronner Stimme": "Al-Kaida ist bereits dabei, Osama bin Laden zum neuen Säulenheiligen des islamistischen "Heiligen Kriegs" gegen den Westen aufzubauen. Das im Haus des Terroristen sichergestellte Material scheint alle Befürchtungen zu bestätigen. Das Netzwerk arbeitete an weiteren spektakulären Attentaten. Es wird eine Weile dauern, alle Datenspeicher auszuwerten. Für die US-Geheimdienste sind sie eine Goldgrube. Die Informationen können Menschenleben retten."

    "Neue Osnabrücker Zeitung": "Unter Einsatz ihres Lebens haben US-Soldaten in Pakistan nicht nur den Massenmörder Bin Laden getötet, sondern auch Dokumente und Computer aus seiner Villa mitgenommen. Die Frauen des Terrorführers werden derzeit verhört. Das kann zu wertvollen Erkenntnissen über Anschlagspläne und die Strukturen des Terror-Netzwerks führen. Dank dieser Informationen lassen sich vermutlich weitere Opfer verhindern. Dass Al-Kaida nach wie vor Attentate plant, ist klar. Auch das sollten alle bedenken, die nun moralisierend darüber sprechen, ob der Einsatz legitim war. Schuld durch Nichtstun gibt es auch. Immer wenn längere Zeit kein Anschlag passiert, wird die Gefahrenlage leicht vergessen." dpa/dapd/afp

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