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Punkte in Flensburg: Die Hölle der Verkehrssünder - Ramsauer reformiert Punktesystem

Punkte in Flensburg

Die Hölle der Verkehrssünder - Ramsauer reformiert Punktesystem

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    Peter Ramsauer will das Punktesystem für Verkehrssünder reformieren.
    Peter Ramsauer will das Punktesystem für Verkehrssünder reformieren.

    Verstöße im Straßenverkehr - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will heute Vormittag Pläne für ein neues Punktesystem vorstellen. Der Vorschlag läuft im Kern darauf hinaus, dass es nur noch zwei Kategorien gibt: Je nach Schwere des Vergehens soll es einen Punkt oder zwei Punkte geben. Der Verlust des Führerscheins droht Autofahrern dann allerdings schon bei insgesamt 8 statt bisher 18 Punkten.

    Punkte in Flensburg

    Der Punkt kommt ganz unspektakulär nach Flensburg. Als digitale Meldung etwa einer Bußgeldbehörde läuft er im Kraftfahrtbundesamt (KBA) ein, versehen mit Tat, Tatzeit, -ort und -fahrzeug. Das System gleicht dann ab, ob der Punkt zu einer bereits erfassten Person gehört, dann kommt er auf ihr Konto. Wenn er der erste für seinen Verursacher ist, wird ein neuer Vorgang eröffnet, der bekommt eine Nummer. Und in Flensburg hängt er dann, im Verkehrszentralregister. In einer der 24 Registergruppen.

    Zwar hat das digitale Zeitalter auch in der "Verkehrssünderdatei" Einzug gehalten, doch 30 Prozent der Vorgänge gibt es bis heute nur in der Papierversion, der mit bunten Ziffern versehen Mappe in blassem apricot. 500 Meter Regalwand in verschiedenen Büros füllen die Punkte in dem achtgeschossigen KBA-Gebäude, Tendenz abnehmend.

    Noch andere Sündenregister

    Neben dem Verkehrszentralregister führt das KBA noch drei weitere Register. So werden etwa alle seit 1999 ausgestellten Führerscheine erfasst. Weithin bekannt ist die Behörde jedoch für die "Punkte in Flensburg" - die aber längst nicht von allen negativ gesehen werden. Im Gegenteil, sagt Pressesprecher Stephan Immen. Auf Messen gebe es "sehr viele Sympathien" und die Erkenntnis, "auf den Straßen ginge es schlimmer zu" ohne das Sündenregister. "Ich habe keine Punktegegner kennengelernt." Die meisten Menschen würden ihr Fehlverhalten erkennen und eher Kritik daran üben, wo geblitzt wird. "Aber das ist nicht Aufgabe des KBA."

    Briefe von Verkehrssündern

    So habe er auch "noch nie" Briefe von Verkehrssündern in die Finger bekommen, in denen abenteuerliche Ausreden oder herzzerreißende Bitten ans KBA gerichtet wurden. Zwar gebe es wohl manchmal Ausreden, in denen etwa eine kurz vor der Niederkunft stehende Gattin als Erklärung für Raserei herhalten muss, "aber das nutzt bei uns nichts mehr, dann ist der Kuchen gefrühstückt" - denn Widersprüche müssen an die Bußgeldbehörde gehen, nicht ans KBA. Einen Einbruch von Verzweifelten, die ihre Punkte löschen wollten, hat es denn laut Immen auch noch nie gegeben.

    Klagen vieler Flensburger

    Und das Klagen vieler Flensburger, man kenne die Stadt nur als Punkteverwalter, nicht aber als reizvoll gelegene Hafenstadt mit deutsch-dänischer Kultur? "Ich sehe das komplett anders", hält Immen dagegen. "Die Punkte sind Eckpfeiler der Verkehrssicherheit." Flensburg sei also eine Stadt der Verkehrssicherheit und durch die Punkte ja auch überregional bekannt geworden, selbst wenn sie manchen "negativ betreffen".

    Seitdem die Behörde vor bald 60 Jahren nach Flensburg zog - eine Vorgängerbehörde befand sich in Bielefeld - , hat sich viel verändert. Zunächst residierten die Mitarbeiter Anfang der 1950er Jahre in leerstehenden Villen und Marineliegenschaften. 1965 wurde das heutige Gebäude im Stadtteil Mürwik errichtet, 1980 kam ein Anbau hinzu. Heute empfängt der massige Bau Besucher mit einer breiten Granittreppe, viel Glas und Edelstahl. Gleichzeitig arbeiteten sich die KBA-Leute von Lochkarten, Magnetkarten und Disketten bis ins digitale Zeitalter vor. Das heute bekannte Punktesystem gab es anfangs auch noch nicht. Ende 1952 kam das KBA noch mit 300 Mitarbeitern aus, aktuell sind es knapp 930, davon 541 Frauen. Weil Frauen besser aufpassen und sicherer fahren? Man deute diese Zahlen nicht, sagt Immen, aber es sei nun mal eine Verwaltungstätigkeit.

    Der geplanten "Punkte"-Reform durch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht das KBA gelassen entgegen, "offen und positiv", sagt Immen. Immerhin seien Mitarbeiter des KBA dazu befragt worden. Sehen die sich eigentlich als Oberlehrer der Nation? "Überhaupt nicht", schüttelt Immen den Kopf. Aber immerhin: Er sei ein eher defensiver Fahrer, bekennt er - "sagt meine Frau". dpa/AZ

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