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Ratingagentur: S&P verteidigt Herabstufungen in Europa

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S&P verteidigt Herabstufungen in Europa

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    Euro-Krise: Diese Finanzbegriffe sollten Sie kennen

    Staatsanleihen: Sie sind für Staaten die wichtigsten Instrumente, um ihre Finanzierung langfristig sicherzustellen. Der ausgebende Staat sichert in der Regel die Rückzahlung der Summe plus einen festen Zinssatz zu einem festgelegten Zeitpunkt zu. Die Laufzeiten liegen bei bis zu 30 Jahren.

    Auktion: Dies ist der bevorzugte Weg für Staaten, um ihre Schuldpapiere zu verkaufen. Einige Tage vor dem Verkauf werden Summe und Laufzeiten der Anleihen bekannt gemacht. An einem festgelegten Tag können dazu berechtigte Investoren ihre Gebote abgeben. Die Bieter mit den günstigsten Geboten erhalten den Zuschlag. In der Euro-Krise haben einige Staaten, darunter auch Deutschland, bei Auktionen auch schon nicht genug Käufer gefunden. Andere Staaten mussten höhere Zinsen als geplant bieten, um ihre Papiere loszuwerden.

    Primär- und Sekundärmarkt: Die Neuausgabe von Staatsanleihen wird als Primärmarkt bezeichnet. Danach werden sie wie gewöhnliche Wertpapiere weitergehandelt, am sogenannten Sekundärmarkt. Er funktioniert wie ein Gebrauchtwarenmarkt - bereits ausgegebene Staatsanleihen werden während ihrer Laufzeit weiterverkauft. Dabei können sie im Laufe der Zeit an Wert zunehmen oder verlieren. Ein Verkauf vor Ablauf der Laufzeit kann also Gewinn bringen - oder Verlust.

    Zins: Dies ist die Summe, die ein Schuldner - bei Staatsanleihen also der Staat - pro Jahr zusätzlich zahlen muss, damit er für eine bestimmte Zeit Geld geliehen bekommt. Bei den Staatspapieren haben die Zinsen für kriselnde Länder wie Italien in den vergangenen Wochen ständig neue Höchstwerte erreicht. Bei einer Neuausgabe zehnjähriger Staatsanleihen musste das Land zuletzt mehr als sieben Prozent Zinsen bieten - schon sechs Prozent Zinsen gelten als kritischer Wert, ab dem Länder wie Irland oder Griechenland um internationale Hilfe bitten mussten.

    Rating: Rating ist das englische Wort für Bewertung. Es wird für die Noten benutzt, die Prüfunternehmen - die Ratingagenturen - vergeben, um die Kreditwürdigkeit von Staaten zu beurteilen. Verschlechtern diese Unternehmen etwa wegen hoher Schulden die Note eines Landes, ist von einer Herabstufung die Rede. Das betroffene Land muss dann höhere Zinsen zahlen, um sich Geld zu leihen.

    Rendite: Damit wird im Prinzip der tatsächliche Gewinn bezeichnet, den ein Käufer von Schuldpapieren am Ende eines Jahres macht. Depotgebühren werden dabei eingerechnet genauso wie Kursgewinne oder -verluste. Die Rendite liegt derzeit in der Regel höher als der Zinssatz, der bei der Erstausgabe für die Staatsanleihen festgelegt wurde. Denn aufgrund der krisenhaften Entwicklung verlangen die Investoren am Sekundärmarkt Risikoaufschläge, wenn sie Staatspapiere kaufen. Unterm Strich zahlen sie damit für eine Anleihe also einfach weniger - und machen am Ende einen größeren Gewinn. An der aktuellen Rendite orientiert sich der künftige Zinssatz, der für neue Staatsschuldtitel bezahlt werden muss.

    Spread: Damit wird der Unterschied am Markt bei der Rendite von zwei Staatsanleihen angegeben. Dieser Wert, der in Basispunkten oder Prozentpunkten angegeben wird, ist umso höher, je größer das Risiko eines Zahlungsausfalls eines Landes ist. In der Euro-Krise sind die zehnjährigen Staatsanleihen Deutschlands ein Referenzwert, weil diese als besonders sicher gelten: Wenn also der «Spread» für Frankreich auf zwei Prozentpunkte steigt, dann bedeutet dies, dass das Land einen um diesen Wert höheren Zinssatz als Deutschland bei einer Neuausgabe von Schuldpapieren zahlen muss.

    Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat die Herabstufung der Kreditwürdigkeit einer Reihe von Euro-Staaten verteidigt. Die von Europas Politikern unternommenen Anstrengungen in der Schuldenkrise könnten sich aus Sicht der Agentur "als unzureichend erweisen, die anhaltenden systemischen Spannungen zu bekämpfen", sagte der Leiter der S&P-Abteilung für die Bewertung von europäischen Staatsanleihen, Moritz Kraemer, am Samstag in einer Telefonkonferenz. So habe der letzte EU-Gipfel am 9. Dezember in der Frage habe "keinen Durchbruch gebracht".

    Nicht volles Ausmaß der Krise erkannt

    Das Vorgehen der Eurozone habe nicht mit der Krise Schritt halten können, sagte Kraemer. Europas Politiker hätten offenbar noch nicht das volle Ausmaß der Probleme erkannt. Kraemer lobte gleichzeitig die Anstrengungen der neuen Regierungen in Italien und Spanien, der Schuldenkrise Herr zu werden. Sie hätten große Fortschritte gemacht. Diese seien aber durch Europas Krisenpolitik wieder aufgehoben worden.

    Standard & Poor's hatte dann am Freitag Frankreich und Österreich die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit entzogen und zudem die Kreditwürdigkeit von sieben weiteren Eurostaaten herabgestuft. Dabei sei ein Szenario eines möglichen Auseinanderbrechens der Eurozone "kein treibender Faktor" gewesen, sagte Kraemer.

    Kraemer beunruhigt

    Er zeigte sich aber beunruhigt über die am Freitag ausgesetzten Gespräche zwischen der griechischen Regierung und privaten Gläubigern über einen Schuldenerlass. Der Schuldenschnitt ist auch die Voraussetzung für ein zweites internationales Hilfsprogramm in Höhe von etwa 130 Milliarden Euro. Ohne dieses droht Athen möglicherweise schon ab März die Pleite.

    Kraemer zufolge will S&P nun "sehr bald" auch seine Entscheidung zum europäischen Rettungsfonds EFSF veröffentlichen. Die Agentur hatte im Dezember erklärt, dass bei einer Herabstufung von AAA-Ländern in der Eurozone auch der Fonds seine Bestnote bei der Kreditwürdigkeit verlieren könne. Dies könnte die Wirksamkeit des Fonds deutlich schmälern, weil er dann Schwierigkeiten bekommen könnte, zu guten Konditionen Geld zur Unterstützung angeschlagener Eurostaaten an den Finanzmärkten aufzunehmen.

    Juncker : Eurozone ist entschlossen

    Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hatte am Freitag gesagt, die Eurozone sei entschlossen, die Bewertung des EFSF zu verteidigen. Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU) sagte am Samstag, es sei auch nicht zu befürchten, dass Deutschland mit seiner weiter geltenden Top-Bonität mehr Garantien im EFSF übernehmen müsse. Ab der Jahresmitte werde dieser bereits durch den neuen ständigen Rettungsfonds ESM abgelöst, in den die Euro-Staaten "echtes Geld" einzahlen würden, sagte er in Kiel. Deshalb gehe er davon aus, dass das Rating für den EFSF "keine Rolle" mehr spielen werde. (afp, AZ)

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