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"Zerstörung der CDU"

18.06.2019

Rezo und CDU-Generalsekretär Ziemiak streiten über Treffen

Schon kurz nach der Veröffentlichung bat CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak den Youtuber Rezo um ein Treffen. Drei Wochen nach der Wahl ist immer noch unklar, ob es stattfindet.
Bild: picture alliance/FOTO: © WeltN24 GmbH/WELT/obs

Rezos Video "Zerstörung der CDU" wurde 15 Millionen Mal angesehen. Nun loten er und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak aus, wie ein Treffen aussehen sollte.

Vor einem Monat hat Rezo sein "Zerstörungsvideo" hochgeladen. Plötzlich war der Name des Youtubers allgegenwärtig in Nachrichten, Talkshows und Zeitungen. Er kritisiert darin fast eine Stunde lang die Politik der Regierungsparteien, vor allem der Union.

Viele sahen in dem Video, das mittlerweile mehr als 15 Millionen Mal geklickt wurde, sogar einen der Gründe dafür, dass die Union bei jungen Menschen bei der Europawahl schlecht abgeschnitten hat. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer erhielt viel Kritik für ihre anschließenden Äußerungen zu Regeln im digitalen Raum , auch aus ihrer eigenen Partei.

Ziemiak bat Rezo um ein Treffen

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bot Rezo früh ein Treffen an, doch bisher tat sich nichts. Mehr als drei Wochen nach der Wahl scheint es nun, als käme Bewegung in die Sache: Der Youtuber und der Politiker loten auf Twitter aus, welche Themen sie bei einer möglichen öffentlichen Diskussion sie besprechen möchten - allerdings nicht ohne Sticheleien.

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"Weiß echt nicht, was ich aktuell noch dazu sagen soll", schreibt Rezo auf Twitter. Drei Wochen sei es her, dass er sich nach dem Gesprächsangebot der CDU nach den Themen der Diskussion erkundigt habe - das sei normal bei Debatten auf einem öffentlichen Podium. Er fragt: Soll es darum gehen, ob ein Kurswechsel angesichts des Klimawandels notwendig sei - oder aber darum, wie dieser aussehen soll. "Wenn ihr weiterhin nicht antwortet, scheitert die gewünschte öffentliche Diskussion jedenfalls nicht an mir."

Ein privates Treffen mit Ziemiak sieht Rezo skeptisch

Dann geht Rezo auf Ziemiaks Angebot ein, sich "ohne Kameras" zu treffen. "Falls du einfach nur so locker quatschen möchtest, sehe ich keinen Grund für eine solche Unterhaltung." Der CDU-Politiker solle die Zeit lieber investieren, um mit Experten zu sprechen. Sollte Ziemiak ein konkretes Thema vorschlagen, das er außerhalb der Öffentlichkeit besprechen will und es für wichtiger als ein Expertengespräch hält, könne er sich aber melden. "Auch hier liegt nun der Ball auf deiner Seite."

Rezo kritisiert CDU-Kollegen von Paul Ziemiak

Zuletzt geht der Youtuber auf Ziemiaks Parteikollegen ein. Er kritisiert, dass manche rechte Verschwörungstheorien gegen ihn verbreitet hätten. Unter anderem hatte Roderich Kiesewetter (CDU) ein Video eines unseriösen Youtube-Kanals geteilt, in dem Rezo vorgeworfen wird, für einen Werbekonzern zu arbeiten und deshalb das Video aufgenommen zu haben. Später hat der Politiker sich dafür entschuldigt.

"Die einzige Entschuldigung, die ich mitbekommen habe, kam von Kiesewetter, mit dem ich mich im Anschluss sehr nett und konstruktiv unterhalten habe", schreibt Rezo weiter. Die übrigen Politiker würden demnach weiter hinter der Verbreitung des Videos stehen. "Wieso sollte ich auf Basis einer solchen Diskreditierung Zeit und Mühe für diese respektlosen Menschen investieren?", fragt er.

Ziemiak antwortete zwei Stunden später am späten Montagabend, ebenfalls auf Twitter. Er wolle über die Themen sprechen, die auch im Video thematisiert wurden: Die Klimapolitik, Drohneneinsätze, Drogenpolitik, Bildung und die Wohlstandsverteilung in Deutschland. Bezüglich des Klimawandels schreibt Ziemiak: "Es geht hier nicht um das Ob, sondern um den richtigen Weg." Allerdings schreibt Ziemiak in diesem Zusammenhang nicht von konkreten Plänen der CDU, sondern von "globalen Anstrengungen". Er sei für ein öffentliches Treffen. Sollte das Rezo nicht wollen, könnten die beiden auch ohne Öffentlichkeit diskutieren. "Also: Bist du dabei?", fragt der CDU-Generalsekretär.

Rezo antwortete am Dienstagmorgen: "Deine Frage, ob ich bereit für eine Diskussion bin, habe ich vor drei Wochen bereits beantwortet." Er forderte Ziemiak auf, ihm eine Privatnachricht zu schreiben. Der wiederum schrieb jedoch wieder öffentlich: "Mache es doch nicht immer so kompliziert."

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18.06.2019

Rezo führt mit seinem intelligenten, leidenschaftlichen, faktenorietierten und kritischen YouTube-Special „Die Zerstörung der CDU“ nicht nur die CDU vor, die sich hilflos, unfähig, altbacken - also herablassend und mit pauschalen Parolen - wehrt, er entzaubert auch die Medien, insbesondere auch die, die sich gerne als überregionale, überparteiliche Leitmedien gerieren.
Man mag nicht alle Schlussfolgerungen von Rezo teilen, aber dem auf seine Weise transparent gemachten Gesamttrend tut das keinen Abbruch. Rezo’s Beitrag macht klar, was wir bei diesen Medien zunehmend so schmerzlich vermissen: nicht Lautsprecher der Regierungen, Parteizentralen und deren Presseabteilungen zu sein und zunehmend unkritisch deren Stellungnahmen zu verstärken, anstatt diese mit Fakten zu konfrontieren, an ihren selbst gesteckten Zielen zu messen, Bullshit als Bullshit und Lügen als Lügen bzw. Halbwahrheiten zu entlarven. Ihren Höhepunkt hat diese Art der - alternativlosen? - Berichterstattung in der hymnischen Kanzlerinnen-Schönwetter-Berichterstattung erreicht.
Dies haben wohl auch die Medien erkannt, weshalb sie sich jetzt - wie z.B. besonders einseitig die ZEIT - ebenfalls hilflos und in „altbewährter“ Manier wehren: zunächst einmal mit einem Rundumschlag und pauschalen Parolen wie „Wutbeitrag“, „Apokalyptik“ etc. den ganzen YouTube-Beitrag zu entwerten. Dann sich auf einzelne Detailargumente zu stürzen wie z.B. beim Thema Wirtschaft und sich dabei nicht zu entblöden, die Mär von „uns ging es noch nie so gut“ auf Basis von „Durchschnittsbetrachtungen“ wieder und wieder zu präsentieren, die z.B. ausblendet, dass 42% der Haushalte in den letzten 20 Jahren keinen Anteil an den Einkommenssteigerungen verzeichnen durften. Die restlichen Kritikpunkte sind so hanebüchen, dass ich mir eine Entgegnung erspare. Der FAZ fiel nicht mehr ein, als Rezo‘s Beitrag als „skrupellose Hetzkampagne“ zu diskreditieren! Diskreditiert haben sich stattdessen wieder einmal die Breit-FAZ-News! SPRINGER’s WELT unterstellt Rezo, nur andere „blamieren“, „fertigmachen“, „zerstören“, „indoktrinieren“ zu wollen. FOCUS-Bart-News spricht gar von Rezo‘s „in ungebührlichem Ton vorgetragenes Machwerk“ und schwadroniert über „Radikalinskis“ und „Pöbelrabatt“.
So werden die Medien ihr verlorenes Terrain nicht zurückgewinnen! Deren Auflagen werden zurecht weiter zurückgehen, wenn sie weiterhin bei der Suche um die richtigen Antworten auf Rezo so umher irrlichtern. Immerhin zeigt der Artikel, dass die Medien offensichtlich die Brisanz dieses neuen Formats erkannt haben.
Noch ein kurzer Seitenhieb auf die in den Fernsehanstalten beliebten Talkshow-Formate à la „Hart, aber fair“, die gerne mit manipulativen Einspielern, schein-objektiver, nicht selten auch hämischer Moderation und Diskussions-Teilnehmern unterschiedlicher Interessengruppen Faktenwissen vortäuschen, tatsächlich aber meist nur interessenorientierte Meinungen zum Besten geben, mehr oder weniger unterstützt durch ein fragwürdiges Klatsch-Publikum. Im Vergleich zu Rezos YouTube-Aufschlag kann man diese erstarrten Fernsehformate ruhig in die Tonne treten.

Und noch etwas: Solange man Inszenierungen mit Inhalten verwechselt und diese auch noch munter vermischt, indem man die Unzufriedenheit auf mangelhafte Kommunikation und unzureichenden Erklärungen schiebt sowie jetzt auch - wie CDU und „C“SU - auf soziale Medien und lockeren Ton umschalten will, hat man den „Schuss“ offensichtlich nicht vernommen! Gefordert werden nämlich andere Politik-Inhalte!

Der erwähnte ZEIT-Artikel von Lisa Nienhaus ist auch mit „5 vor 8“ überschrieben. Tatsächlich ist es - auch für die Medien - längst „5 vor 12“!
https://youtu.be/JNjh46zpQFA

Übrigens lädt die CDU Rezo nach einigem bezeichnenden Irrlichtern zu einem Gespräch an einem Tisch ein - womöglich in einem Hinterzimmer? Willkommen im 20. Jahrhundert! Und die Ziemiaks der CDU lassen sich weiter vorführen!

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