Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Studie: Und täglich rollt der Atommüll

Studie

Und täglich rollt der Atommüll

  • |
  • |
  • |
    In diesen Fässern befindet sich kein Atommüll. Es handelt sich um Attrappen, die Kernkraftgegner vergangene Woche durch Karlsruhe rollten. Nichtsdestotrotz sind Jahr für Jahr große Mengen echten Atommülls in Deutschland unterwegs.
    In diesen Fässern befindet sich kein Atommüll. Es handelt sich um Attrappen, die Kernkraftgegner vergangene Woche durch Karlsruhe rollten. Nichtsdestotrotz sind Jahr für Jahr große Mengen echten Atommülls in Deutschland unterwegs. Foto: dpa

    Von wegen ruhige, besinnliche Vorweihnachtszeit. Ausgerechnet am ersten Adventswochenende, wenn überall in Deutschland die Weihnachts- und Christkindlmärkte ihre Tore öffnen, erwarten die Sicherheitsbehörden „heiße Tage“ mit massiven Protesten, Demonstrationen und Blockaden. Denn es rollt, wie jedes Jahr im Herbst, ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll quer durch die Republik bis ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben.

    Die Castor-Behälter machen nur einen Bruchteil aus

    Doch die Castor-Transporte, so öffentlichkeitswirksam sie auch sein mögen, machen nur einen Bruchteil der Gesamtmenge aus. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gibt es jedes Jahr in der Bundesrepublik rund 500.000 Transporte radioaktiver Stoffe, wie eine von der Grünen-Fraktion im Bundestag in Auftrag gegebene Studie erbrachte, die unserer Redaktion vorliegt.

    Etwa 490.000 Transporte werden verursacht durch Anwendung der Radioaktivität und ionisierender Strahlung in Medizin, Industrie und Forschung, sie sind wegen der geringen Mengen ungefährlich. Rund 10.000 Transporte aber stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Atomenergie, auf deutschen Straßen und Schienen wird dabei nicht nur hoch-, mittel- und schwachradioaktiver Abfall transportiert, sondern auch Uran in allen relevanten chemischen Verbindungen und Anteilen des spaltbaren Uranisotops 235, unbestrahlte und bestrahlte Uran- und Mischoxidbrennelemente sowie kontaminierte Materialien wie zum Beispiel verstrahlter Bauschutt, die beim Rückbau von Atomkraftwerken in großen Mengen anfallen.

    Der Großteil dieser Transporte geht nach den Erkenntnissen der Autoren durch dicht besiedelte Gebiete, wobei Niedersachsen die Hauptlast trägt – wegen der Brennelementefabrik Lingen im Emsland, dem Endlager Schacht Konrad, sowie seiner Nähe zu den großen Seehäfen – es folgen Nordrhein-Westfalen (Urananreicherungsanlage Gronau) und Mecklenburg-Vorpommern (Zwischenlager Lubmin).

    Überaus gefährlich sind nach der Studie zufolge die Transporte von Uranhexafluorid, das für die Herstellung der Brennstäbe benötigt wird. Dieser Stoff ist zwar nur schwach radioaktiv, aber überaus aggressiv und äußerst giftig, da er jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. „Die Transportbehälter können bei schweren Unfällen versagen, der Stoff liegt in relativ leicht freisetzbarer Form vor und die Toxizität der bei der Freisetzung entstehenden Stoffe ist sehr hoch“, heißt es in der Studie, „in der Nähe der Unfallstelle befindliche Personen können gesundheitsschädigenden bis tödlichen Belastungen ausgesetzt sein.“

    Trotz des von Schwarz-Gelb beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie wird die Zahl der Transporte radioaktiver Stoffe in den kommenden Jahren weiter steigen, prognostizieren die Autoren der Studie. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Stoffe soll 2019 in Betrieb genommen werden, die bereits endgelagerten 200.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle aus dem Bergwerk Asse müssen zurückgeholt oder anderswo deponiert werden, Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken, der sich noch in La Hague und Sellafield befindet, kommt zurück und die Kapazitäten der Urananreicherungsanlage in Gronau werden bis 2012 weiter erhöht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden