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Terroranschlag
30.06.2016

Der islamistische Terror nimmt kein Ende

Europa muss seine Sicherheit verbessern, sonst drohen mehr Anschläge wie in Istanbul oder Paris.
Foto: Sedat Suna/dpa

Paris, Brüssel, nun wieder Istanbul: Die „Gotteskrieger“ des Islamischen Staats schlagen immer öfter zu. Europa muss seine Sicherheit verbessern, sonst drohen mehr Anschläge.

Wieder Istanbul. Zum vierten Mal in diesem Jahr erschüttert ein furchtbarer Terroranschlag die türkische Millionen-Metropole. Das von drei Selbstmord-Attentätern verübte Verbrechen, dem im Atatürk-Flughafen mehr als 40 Menschen zum Opfer gefallen sind, trägt die Handschrift des „Islamischen Staates“ (IS) und erinnert fatal an den Überfall auf den Brüsseler Flughafen. Wie zuvor schon in Paris, wählen die islamistischen Terroristen „weiche“, schwer zu schützende Ziele. Sie ermorden wahllos Zivilisten mit dem Ziel, Angst und Schrecken zu verbreiten. Und sie nehmen gerade in der Türkei zunehmend Touristen ins Visier – so wie im Januar, als eine zwölfköpfige deutsche Reisegruppe vor der Blauen Moschee in die Luft gesprengt wurde. Die schreckliche Botschaft lautet: Niemand soll sich mehr sicher fühlen können. Mit jedem neuen Anschlag verliert das begehrte Reiseziel Türkei an Attraktivität. Der Anschlag auf den Flughafen Atatürk, der als Tor zur Türkei gilt, fügt dem Tourismus und damit der Wirtschaft des Landes weiteren schweren Schaden zu.

Die Türkei ist ein vom Terror besonders schwer heimgesuchtes Land. Sie hat es nicht nur mit den Mordbrennern des „IS“, sondern auch mit kurdischen Extremisten zu tun, die ihren Kampf um die Unabhängigkeit „Kurdistans“ mit Bomben führen und vor allem Soldaten und Polizisten angreifen. Im Südosten der Türkei tobt seit Jahren ein erbitterter Bürgerkrieg. Der militärische Arm der Kurden reagiert auf das brutale Vorgehen der türkischen Armee mit Terror. Erdogans unnachgiebige Haltung im Umgang mit der kurdischen Minderheit (und deren Parlamentariern) hat maßgeblich zur Eskalation der Gewalt beigetragen. Zu erklärten Todfeinden des „IS“ hingegen sind Erdogan und der türkische Staat erst in jenem Augenblick geworden, als sich die Türkei der von den USA geführten Militär-Allianz gegen den „Islamischen Staat“ anschloss. Die Türkei hat – was für ein übles Machtspiel! – den IS lange unterstützt, um den Sturz des syrischen Diktators Assad herbeizuführen. Seit Erdogan die Seiten gewechselt hat, übt der IS Vergeltung.

Vergeltung für Erdogans Seitenwechsel

Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt diesen Terror. Aber Erdogan trägt mit seiner früheren logistischen Unterstützung des IS und der reisenden „Gotteskrieger“ eine Mitschuld daran, dass der Islamische Staat des „Kalifen“ al-Bagdadi so groß werden konnte. Inzwischen ist es gelungen, den IS in Syrien und im Irak zurückzudrängen. Aber er ist, wie die Anschlagserie der vergangenen Monate zeigt, noch immer imstande, den verhassten Westen (und neuerdings die benachbarte Türkei) mit Attentaten zu überziehen. Und je mehr er im Nahen Osten an Gelände verliert, desto brutaler und häufiger wird er zuschlagen – ob in Istanbul oder London, in Brüssel oder Paris.

Der islamistische Terror gegen die „Ungläubigen“, der vor allem auf die Destabilisierung liberaler westlicher Gesellschaften zielt und von der Herrschaft eines radikalen Islam träumt, bleibt eine furchtbare, offenbar noch zunehmende Bedrohung. Der Kampf gegen den Terrorismus ist eine jener Herausforderungen, die Europa nur mit vereinten Kräften – und an der Seite der Türkei – bewältigen kann. Umso alarmierender ist, dass die EU nicht genug unternimmt, um die längst identifizierten Sicherheitslücken besser zu schließen und die Risiken zu minimieren. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden ist unzureichend, der Austausch von Daten mangelhaft. Die EU-Außengrenze ist ungesichert, islamistische Milieus sind nicht unter Kontrolle. Auch Istanbul zeigt: Es wird höchste Zeit, dass die Staaten der EU ihre gemeinsame Terrorabwehr verbessern.

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