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Tod des Ex-Machthabers: Übergangsrat: "Gaddafi durch die Hände der Revolution getötet"

Tod des Ex-Machthabers

Übergangsrat: "Gaddafi durch die Hände der Revolution getötet"

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    Ex-Diktator Gaddafi soll tot sein. dpa/Archiv
    Ex-Diktator Gaddafi soll tot sein. dpa/Archiv

    Der gestürzte libysche Machthaber  Muammar el Gaddafi ist tot. Ein Sprecher des Nationalen Übergangsrates erklärte am Donnerstag in Bengasi, Gaddafi sei beim Kampf um seine Heimatstadt Sirte "durch die Hände der Revolution  getötet" worden. Die Truppen des Übergangsrates meldeten  gleichzeitig die Einnahme der letzten Bastion der Gaddafi-Unterstützer.

    "Wir verkünden der Welt, dass Gaddafi durch die Hände der  Revolution getötet wurde", erklärte der Sprecher der neuen  libyschen Führung, Abdel Hafes Ghoga, in Bengasi. Gaddafis Tod sei von den Kommandeuren bestätigt worden, die den verletzten Gaddafi  am Morgen in Sirte gefangen genommen hätten. "Das ist ein  historischer Moment, es ist das Ende der Tyrannei und der Diktatur", fügte der Sprecher hinzu. "Gaddafi ist von seinem  Schicksal heimgesucht worden."

    Zuvor hatte ein Kommandeur der neuen libyschen Führung erklärt,  dass Gaddafi in Sirte gefangen genommen und schwer verletzt worden  sei. "Er ist schwer verletzt, aber er atmet noch", sagte Mohammed  Leith. Ein mit einer Handykamera aufgenommenes Bild zeigte den  blutüberströmten Machthaber nach seiner Festnahme.

    Chronologie: Aufstieg und Fall von Gaddafi

    Libyens Muammar al-Gaddafi wurde als Terrorhelfer international geächtet und als Handelspartner hofiert. Im Westen galt der selbst ernannte Revolutionsführer mit bizarr anmutenden Gewohnheiten vielen als unberechenbar.

    1942: Im September nahe der Stadt Sirte in Libyen geboren.

    1963: Jura- und Geschichtsstudium für Offizierslaufbahn abgebrochen.

    1969: Ein «Bund der freien Offiziere» putscht Gaddafi an die Macht.

    1970: Ausländische Öl-Firmen in Libyen werden verstaatlicht.

    1973: Gaddafi veröffentlicht seine «Dritte Universaltheorie» als Mittelweg zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

    1977: Der «Revolutionsführer» ruft die «Sozialistische Libysch- Arabische Volks-Dschamahirija (Herrschaft der Massen)» aus.

    1985: Wegen Libyens Verstrickung in den internationalen Terrorismus verhängen die USA einen Wirtschaftsboykott.

    1986: Die USA machen Gaddafi für einen Anschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle» verantwortlich und bombardieren Tripolis.

    1988: 270 Tote bei Explosion eines US-Jumbos über Lockerbie.

    1991: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Libyen.

    2003: Libyen sagt für den Anschlag von Lockerbie die Zahlung von Entschädigungen zu; die UN heben die Sanktionen auf.

    2003: Gaddafi kündigt Einstellung des libyschen Atomprogramms und die Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen an.

    2004: Die USA heben ihre Handelsbeschränkungen auf. 2007: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vereinbart mit Gaddafi eine militärische und atomtechnische Kooperation. Anvisiert wird die Lieferung von Kampfjets und eines Atomkraftwerks.

    2008: Die USA schließen mit Libyen ein Öl-Handelsabkommen. 2009: Gaddafi wird für ein Jahr Ratsvorsitzender der Afrikanischen Union und fordert die «Vereinigten Staaten von Afrika».

    2009: Freundschaftsabkommen und erster Staatsbesuch Gaddafis in Rom.

    2010: Nach Festnahme seines Sohns Hannibal in Genf wegen Misshandlung von Angestellten ruft Gaddafi zum Dschihad gegen die Schweiz.

    2010: Um den Zustrom afrikanischer Flüchtlinge über Libyen einzudämmen, zahlt die EU Gaddafi 50 Millionen Euro.

    2011: Am 15. Februar demonstrieren Tausende gegen Gaddafi. Seine Gefolgsleute richten später ein Blutbad unter Zivilisten an. Der folgende Bürgerkrieg läutet den Sturz des «Führers» ein. (dpa)

    Die NATO erklärte, sie habe am Donnerstagmorgen einen Autokonvoi  in Sirte bombardiert. Nach Angaben eines NATO-Sprechers wurden  "zwei Militärfahrzeuge der Pro-Gaddafi-Truppen", die als Teil eines  größeren Konvois nahe Sirte unterwegs waren, angegriffen. Laut  NATO-Diplomaten wurden Angaben der neuen Führung in Libyen geprüft,  wonach sich Gaddafi in dem Konvoi befand und gefasst wurde, nachdem  die Fahrzeuge durch den NATO-Angriff gestoppt wurden. Dies habe die  Gefangennahme des zunächst noch lebenden, aber schwer verletzten  Gaddafi möglich gemacht.

    Nach Angaben von Übergangsratssprecher Ghoga war möglicherweise  auch er Gaddafi-Sohn Mutassim in dem Konvoi. Der Kommandeur Leith  sagte, Muatassim Gaddafi sei in Sirte "tot aufgefunden" worden.  Seine Leiche und die von Gaddafis früherem Verteidigungsminister  Abu Baker Junis Dschabir seien mit einem Krankenwagen nach Misrata  gebracht worden.

    Die Truppen der neuen libyschen Führung erklärten, Sirte sei  "vollständig befreit". Durch die Befreiung von Gaddafis Heimatstadt  und die "Bestätigung für den Tod Gaddafis" sei nun auch ganz Libyen  "vollständig befreit", sagte ein hochrangiger Militärvertreter des  Übergangsrates, Chalifa Haftar.

    Sirte galt als letzte Hochburg Gaddafis und wurde bis zuletzt  von seinen Unterstützern gehalten. Gaddafi hatte das Land rund 42  Jahre lang regiert. Ende August hatten die Rebellen Tripolis  eingenommen, seitdem war der Verbleib Gaddafis und seines engsten  Umfeldes unklar.

    Eine offizielle Bestätigung der NATO des Schicksals Gaddafis war  zunächst nicht zu erhalten. Der niederländische Regierungschef Mark  Rutte sagte bei einem Besuch in Moskau, er sei über die  Gefangennahme Gaddafis informiert worden. Italiens  Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte laut einem Bericht der  italienischen Nachrichtenagentur Ansa: "Sic transit gloria mundi"  (lateinisch: "So vergeht der Ruhm der Welt"). "Jetzt ist der Krieg  zu Ende", fügte er hinzu.

    EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident  Herman Van Rompuy nannten den Tod Gaddafis "das Ende einer Ära des  Despotismus und der Unterdrückung". "Heute kann Libyen eine neue  Seite seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische  Zukunft begrüßen", erklärten sie. afp

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