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Verteidigungsminister
12.04.2021

Lloyd Austin besucht Deutschland: Der stille Amerikaner kommt

Verteidigungsminister Lloyd Austin wird als erster Vertreter der neuen US-Regierung von Präsident Joe Biden in Deutschland erwartet.
Foto: Alex Brandon, dpa

Mit Verteidigungsminister Lloyd Austin kommt der erste Vertreter der Biden-Regierung nach Deutschland. Wer ist der 67-Jährige, der nie das Rampenlicht gesucht hat?

Übersehen kann man ihn eigentlich nicht. Mit seinen 1,93 Meter Körpergröße überragt Lloyd Austin die meisten Gesprächspartner. Auch die militärische Karriere des einstigen Vier-Sterne-General führte steil nach oben. Vor knapp drei Monaten wurde er als erster Afroamerikaner im Amt des US-Verteidigungsministers vereidigt. Doch noch immer hängt dem 67-Jährigen ein Spitzname aus seiner Army-Zeit an: "Der unsichtbare General" wurde er da genannt.

Ihre Wurzeln hat diese Zuschreibung im Wesen des Ex-Offiziers, das einstige Kollegen als eher introvertiert beschreiben. Ins Rampenlicht gedrängt hat sich der Mann aus Alabama nie. Nur ungern gibt er Interviews. Sein Twitter-Account verrät gerade mal, dass der verheiratete Vater zweier Stiefkinder ein Football-Fan ist. Die eigentlichen Tweets gleichen Pressemitteilungen. Militärkenner in Washington warnen jedoch davor, die äußere Verschwiegenheit des Oberkommandierenden mit Überzeugungslosigkeit zu verwechseln.

Lloyd Austin hat Termine in Berlin und Stuttgart

Am Dienstag nun kommt Austin als erstes Mitglied der neuen Biden-Regierung im Rahmen eines Europa-Besuchs nach Deutschland - "einem der wichtigsten Verbündeten", wie er betont. In Berlin wird der Gast seine Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer und den außenpolitischen Berater der Kanzlerin, Jan Hecker, treffen. Außerdem reist Austin nach Stuttgart, wo er das Europa- und das Afrika-Kommando der US-Truppen besucht – ein Termin mit hoher politischer Symbolkraft, nachdem Präsident Joe Biden den von seinem Vorgänger angeordneten Abzug von 12.000 US-Soldaten aus Deutschland gestoppt hat.

Der US-Verteidigungsminister wird auch Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) treffen.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

An Themen für die politischen Gespräche mangelt es nicht. Im Pentagon wird vor allem die Stärkung der bilateralen Beziehungen und der militärischen Partnerschaft genannt. Das liegt ganz auf der Linie von Biden. "Amerika ist am stärksten, wenn es mit den Verbündeten zusammenarbeitet", hatte auch sein Verteidigungsminister bei der Vereidigung verkündet. In Berlin soll es im Übrigen um die amerikanische Truppenpräsenz gehen. Im Zentrum der Gespräche aber dürfte der Umgang mit den "gemeinsamen strategischen Rivalen" stehen, wie es in Washington ausgedrückt wird.

Gerade erst hat die amerikanische Regierungssprecherin Jen Psaki die russische Truppenkonzentration an der Grenze zur Ukraine kritisiert und erklärt, dass Präsident Biden "zunehmend besorgt" sei. Beobachter schließen nicht aus, dass in diesem Zusammenhang auch das heikle Pipeline-Projekt Nord Stream 2 zur Sprache kommt. Akuter Klärungsbedarf besteht außerdem beim Afghanistan-Thema. Biden hat zwar erklärt, dass der von seinem Vorgänger Donald Trump mit den Taliban vereinbarte Abzug der US-Truppen zum 1. Mai kaum eingehalten werden kann. Doch der neue amerikanische Zeitplan wirkt recht nebulös, und die Bundesregierung ist angesichts der Bundeswehr-Kontingente am Hindukusch sehr an einer Präzisierung interessiert.

Foto: Evan Vucci

Was immer Austin hinter verschlossenen Türen äußert, dürfte mit dem Präsidenten abgesprochen sein. Das politische Establishment in Washington war einigermaßen überrascht, als Biden den Ex-General im Dezember als neuen Verteidigungsminister präsentierte, während die Wetten eher auf die Karrierebeamtin Michele Flournoy abgegeben worden waren. Es wird gemunkelt, dass Flournoys interventionistischer Kurs und ihre Verbindungen zur Rüstungsindustrie einerseits sowie das Drängen der afroamerikanischen Abgeordneten auf einen schwarzen Kandidaten andererseits den Ausschlag gaben. Diese Faktoren dürften tatsächlich eine Rolle gespielt haben, obwohl Austin wegen seines Wechsels zu einem Waffenkonzern nach dem Ausscheiden aus der Armee im Jah 2016 ebenfalls von den Parteilinken kritisiert wird.

Biden über Austin: "Er ist ein Anführer von außergewöhnlichem Mut, Charakter, Erfahrung und Verdiensten"

Nicht unterschätzen aber sollte man die persönliche Komponente der Personalentscheidung, die bei Biden stets eine große Rolle spielt. Den Ex-General hatte er 2010 als Kommandeur der US-Truppen im Irak kennen und schätzen gelernt. Dort hatte auch Bidens verstorbener Sohn Beau als Offizier der Nationalgarde gedient. Wie Austin war Beau Biden praktizierender Katholik: Beide besuchten nach Recherchen der Washington Post regelmäßig denselben Gottesdienst.

"Er ist ein Anführer von außergewöhnlichem Mut, Charakter, Erfahrung und Verdiensten", pries Joe Biden zehn Jahre später seinen neuen Minister. Intern lobte er dessen Ruhe und Besonnenheit. Dass Austin kein Zivilist ist, hält der Präsident eher für einen Vorteil: Der Ex-General habe mit eigenen Augen das Grauen des Krieges gesehen: "Diese Erfahrung garantiert, dass die Anwendung von Gewalt wirklich das letzte Mittel unserer Politik ist."
 

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