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Coronavirus

28.10.2020

Was bedeuten Lockdown, R-Wert und Sieben-Tage-Inzidenz?

Das Robert-Koch-Institut informiert mit Chef Lothar Wieler (Mitte) in täglichen Berichten über die Corona-Lage.
Bild: Markus Schreiber, dpa

Die Fachausdrücke von Experten und Politik sind entscheidend, es wenn um schärfere Corona-Maßnahmen geht. Was hinter den wichtigsten Begriffen steckt und ab wann es brisant wird.

Die Corona Infektionszahlen steigen so stark, dass Bund und Länder wieder über strengere Schutzmaßnahmen beraten. Selbst ein erneuter „Lockdown“ ist nicht ausgeschlossen. Doch was bedeutet Lockdown eigentlich? Je weiter das Virus sich wieder ausbreitet, desto mehr Fachbegriffe tauchen in der öffentlichen Debatte auf.

  • Hospitalisierungsquote Diese Zahl gibt an, wie viel Prozent der bekannten Corona-Infizierten im Krankenhaus landen. Im Schnitt wurden bislang 14 Prozent aller Infizierten stationär behandelt. Am höchsten war die Quote Mitte April mit 22 Prozent, derzeit schwankt sie zwischen fünf und sieben Prozent. Ein kleiner Teil davon kam wegen anderer Symptome in die Klinik, wurde routinemäßig getestet und als positiv erfasst. Derzeit befinden sich knapp 1500 Corona-Patienten auf den Intensivstationen.
  • Infektiosität Nicht jeder Corona-Infizierte ist auch ansteckend, das heißt infektiös. Das Tückische der Pandemie ist jedoch, dass Infizierte auch ohne Symptome wie Fieber und trockenem Husten bereits hochansteckend sein können, weil das Virus auch durch Ausatmen und Sprechen übertragen wird und sich in winzigen Luftpartikeln in geschlossenen Räumen lange hält.

Der Inzidenzwert entscheidet über die Corona-Maßnahmen in den Kommunen

  • Inzidenzwert Das Wort Inzidenz kommt von Vorfall und bedeutet in der Medizin, wie viele Menschen neu an einer Krankheit in einem bestimmten Zeitraum erkranken. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert ist deshalb derzeit die wichtigste Entscheidungsgröße zur Bekämpfung der Pandemie. Der Wert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gilt als die Schwelle, bis zu der Gesundheitsbehörden noch herausfinden können, welche anderen Menschen ein Infizierter angesteckt haben könnte und damit einen Ausbruch unter Kontrolle halten können. Seit 21. Oktober wurde der Wert im Bundesdurchschnitt überschritten, inzwischen liegt er bundesweit bei über 80. Auch zwei Drittel aller Städte und Landkreise haben den Schwellwert für behördliches Eingreifen überschritten.
  • Johns Hopkins University Der Name fällt oft, wenn es um aktuelle Zahlen geht. Die nach dem 1873 gestorbenen Stifter benannte Spitzenuniversität hat 39 Nobelpreisträger hervorgebracht und zählt zu den bekanntesten Medizinforschungseinrichtungen der USA. Das Coronavirus Forschungszentrum der Uni erhebt bereits seit Ende 2019 weltweit Daten zum Infektionsgeschehen. Da sie zum größten Teil vollautomatisch aktualisiert werden, sind die im Internet abrufbaren Statistiken selbst für Deutschland oft aktueller, als die einmal am Tag erhobenen Daten des Robert-Koch-Instituts.
  • Kontaktnachverfolgung Die Gesundheitsämter versuchen mit Fragebögen und Telefongesprächen herauszufinden, zu welchen Menschen ein positiv getesteter Infizierter in den vergangenen 14 Tagen Kontakt hatte. Im August hatte ein Infizierter im Schnitt mit fünf Menschen Kontakt. Damals konnte in 85 Prozent der Fälle der wahrscheinliche Ansteckungsort ermittelt werden. Derzeit gelingt das nur noch bei weniger als einer von fünf Infektionen.

Die Aufzeichnungen unterscheiden zwischen Tod an und mit Corona

  • Letalität Unter diesem Begriff versteht man die Sterblichkeitsrate bei einer Krankheit. Insgesamt sind 2,3 Prozent der in Deutschland positiv Getesteten während einer Corona-Infektion gestorben. Die Sterberate war mit sieben Prozent Mitte April in Deutschland am höchsten, derzeit liegt sie bei unter einem Prozent. Allerdings folgen die Sterbezahlen der Kurve der Neuinfektionen mit mehrwöchigem Abstand. Als Todesfälle in der Statistik werden Personen gezählt, die „mit“ und „an“ dem Corona-Virus verstorben sind. „Mit“ Covid heißt, das ein Patient aufgrund anderer Ursachen verstorben ist, aber zugleich ein positiver Corona-Test vorlag.

  • Lockdown Wird fälschlicherweise oft mit „Ausgangssperre“ übersetzt. Der amerikanische Begriff kommt aber ursprünglich aus der Polizeisprache und bedeutet das hermetische Abriegeln eines Gefahrenherds. In der Pandemie kann man unter einem Lockdown unterschiedliche Maßnahmen verstehen: Das großflächige Herunterfahren (Englisch: Shutdown) des öffentlichen Lebens oder die Isolierung einzelner Hotspots. In Deutschland bestehen die Maßnahmen vor allem aus Kontaktbeschränkungen und damit verbundenen „Betriebsuntersagungen“, die auf zahlreiche Wirtschaftsbereiche Einfluss haben. Derzeit sind die Städte und Kreise für die Umsetzung zuständig. Beim Lockdown im Landkreis Berchtesgaden ist es beispielsweise untersagt, die Wohnung ohne triftigen Grund zu verlassen. Schulen, Kindergärten, Restaurants, Freizeitbetriebe wie Kinos, Theater, Museen und Bäder sind geschlossen. Derzeit gibt es auch eine Diskussion über einen etwas weniger strengen flächendeckenden „Lockdown light“ oder einem stufenweisen Lockdown, um das Infektionsgeschehen in Deutschland noch vor Weihnachten wieder unter Kontrolle zu bringen.
  • Mortalität Hier wird die Gesamt-Sterberate der Bevölkerung ausgerechnet. Die Zahl aller Todesfälle war im Vergleich zu den Vorjahren bis Anfang März leicht unterdurchschnittlich, im April bis Mitte Mai dagegen überdurchschnittlich hoch.

Das Wort Quarantäne stammt aus dem Französischen

  • Quarantäne Das Wort „Quarantäne“ stammt aus der französischen Vierzig-Tage-Frist („quarantaine de jours“), mit der man bereits zu Zeiten der Pest Einreisende isoliert hat, bis sie Land und Häfen betreten durften. Heute richtet sich die behördlich angeordnete häusliche Isolation nach der Inkubationszeit, dem Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Symptomen: Die Inkubationszeit wird bei Corona auf zwischen zwei und 14 Tage geschätzt. Die Quarantäne wird angeordnet, damit Betroffene das Virus nicht weiterverbreiten können, wenn Verdacht besteht, dass sie selbst infiziert sein könnten.
  • R-Wert Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Schnitt pro Woche ansteckt und wird aus der Infektionsentwicklung statistisch berechnet. So lange diese Ansteckungsrate um 1,0 liegt, verläuft die Infektionskurve flach. Seit Oktober ist der Wert jedoch auf gut 1,4 gestiegen. Bei einem R-Wert von 1,1 verdoppelt sich die Zahl der Neuinfizierten laut Modellrechnungen binnen etwa sieben Wochen, bei einem R-Wert von 1,4 verdoppelt sie schon gut alle zwei Wochen. Das heißt, aus zuletzt 11.500 Neuinfektionen könnten bei gleich bleibendem R-Wert noch vor Weihnachten 100.000 Neuinfektionen pro Tag in Deutschland Wirklichkeit werden.

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