Julian Assange hat das Berufungsverfahren gegen seine Auslieferung nach Schweden verloren, doch das Gezerre um den berühmten Whistleblower, also Informanten, ist damit längst noch nicht vorbei. Der Wikileaks-Aktivist will bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, um einem Prozess in Skandinavien zu entgehen.
Den europäischen Haftbefehl, mit dem er wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung nach Schweden ausgeliefert werden soll, hat der 40-Jährige scharf kritisiert. „Gegen mich ist bisher in keinem Land Anklage wegen einer Straftat erhoben worden“, sagte er gestern auf den Stufen des Londoner High Courts. Dennoch ist der Australier nicht frei: Seit elf Monaten befindet er sich in Hausarrest.
Gericht: "Assanges Festnahme ist angemessen gewesen"
Auch in zweiter Instanz hat das Gericht nun gegen Assange entschieden. Seine Festnahme sei „angemessen“ gewesen und dem Auslieferungsgesuch der schwedischen Behörden wolle man stattgeben: „Wir müssen die Arbeit von Richtern anderer EU-Mitgliedstaaten respektieren.“
Zwei Wochen hat Assange jetzt Zeit, sich die nächsten Schritte zu überlegen. Die letzte Instanz, die in Großbritannien über ihn entscheiden kann, ist das Supreme Court. Assanges Rechtsteam hat bereits angedeutet, dass man auch dort noch einmal Einspruch einlegen will – ob die obersten Richter Assange aber überhaupt anhören, hängt davon ab, ob sie ein „überwältigendes, öffentliches Interesse“ in seinem Fall sehen. Lehnen sie eine Prüfung ab, könnte Assange für eine polizeiliche Befragung innerhalb von zehn Tagen nach Schweden abgeschoben werden.
Vorwürfe der Vergewaltigung
Dem 40-Jährigen wird dort vorgeworfen, im August 2010 eine Frau vergewaltigt und eine weitere Frau zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Assange hat jede Schuld bestritten und von einer politischen Verschwörung gesprochen. Seine Enthüllungen verdeckter politischer Operationen hatten mehrere Regierungen, vor allem aber die USA, in Erklärungsnöte gebracht. Die Arbeit seiner Organisation ruht zurzeit, da Wikileaks in große Finanzierungsprobleme geraten ist.