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Bundeswehr: Mit 70 Jahren noch in der Truppe?

Bundeswehr

Neue Militärstrategie für Deutschland: Mit 70 noch strammstehen?

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    Der Reservistenverband hat gefordert, die Altersgrenze auf 70 anzuheben.
    Der Reservistenverband hat gefordert, die Altersgrenze auf 70 anzuheben. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

    Bevor an diesem Mittwoch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die deutsche Militärstrategie vorstellt, sorgt ein Vorschlag des Reservistenverbandes für Schlagzeilen. Dessen neuer Präsident, Bastian Ernst, hat eine deutliche Anhebung der Altersgrenze für Reservisten gefordert, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er: „Wir sollten die Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 Jahre erhöhen“ – und verwies darauf, auch das Renteneintrittsalter steige ja. „Die Leute bleiben länger fit. Wir sollten diese Ressourcen von Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung nicht verschwenden.“

    Ernst fuhr fort: „Und wenn wir auf Seite der Jungen ein Nachwuchsproblem beklagen, dann sollten wir an der anderen Seite der Alterspyramide ebenfalls nachbessern.“ Wie viele sogenannte „unbeorderte Reservisten“, also alle Personen, die Dienst bei der Bundeswehr geleistet haben, es gibt, ist laut Ernst unklar.

    Fabian Forster, Landesvorsitzender Bayern im Reservistenverband, erklärt die Forderung auf Anfrage unserer Redaktion so: „Bei der Anhebung der Altersgrenze auf 70 Jahre geht es im Kern darum, dass die Reservistinnen und Reservisten, die noch dienen wollen und können, es auch dürfen.“ Reservisten müssten sich ohnehin regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen, bei denen überprüft werde, ob sie für ihre konkrete Verwendung noch tauglich seien, so der Major der Reserve.

    „Es gibt keinen Grund, Reservisten, die noch topfit sind, auszumustern, nur weil sie ein bestimmtes Alter erreicht haben.“ Entscheidend, meint er, sollte die tatsächliche Leistungsfähigkeit für die jeweilige Aufgabe sein. Denn: „Wir erleben es in der Reserve leider häufig, dass uns sehr engagierte Kameraden wegen Erreichens der Altersgrenze verlassen müssen, obwohl sie noch gut einige Jahre hätten weitermachen können.“ Nicht jede Funktion erfordere die körperliche Fitness eines 20-Jährigen. Gerade in Stäben oder als Experten mit Spezialkenntnissen könnten sich auch „lebensältere Kameraden noch sinnvoll einbringen“.

    Für Boris Pistorius ist die Militärstrategie entscheidend

    Für Verteidigungsminister Pistorius ist dieser Mittwoch ein entscheidender Tag. Dann wird er seinen Plan vorlegen, wie die Bundeswehr kriegstüchtig gemacht werden kann, um in seinen Worten zu bleiben. Der Plan enthält eine Militärstrategie und das daraus abgeleitete Fähigkeitsprofil der Truppe. Das heißt, was sollen Heer, Marine und Luftwaffe konkret leisten können, um die Zusagen an die Nato zu erfüllen und Russland im Osten abzuschrecken. Die Militärstrategie ist in Teilen geheim.

    Drittes Element des Pistorius-Plans ist das Aufwuchskonzept der Bundeswehr. Ab der Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen 260.000 Soldaten Dienst in den Kasernen tun. Derzeit sind es 185.000. Die Wehrpflicht light soll dazu führen, dass genügend freiwillige Rekruten einrücken. Anders als die SPD ist die Union davon überzeugt, dass wieder zwangsweise eingezogen werden muss. Für einen schnellen Kräftezuwachs fehlen den Streitkräften jedoch Ausbilder und freie Plätze in den Kasernen. Parallel zur aktiven Truppe will Pistorius auch die Reserve stärken. Die inaktiven Verbände sollen 200.000 Soldaten umfassen und maßgeblich durch die Wehrpflichtigen gebildet werden, wenn sie aus ihren Einheiten ausscheiden.

    Was Thomas Röwekamp zur Diskussion um den Dienst mit 70 sagt

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sieht die neue Militärstrategie als „wichtigen Meilenstein“. Sie bündele Deutschlands sicherheitspolitische Ziele klarer als bisher und richte die Bundeswehr konsequent auf die aktuellen Bedrohungen aus. Der Verteidigungsexperte betont: „Damit schaffen wir die Grundlage dafür, dass Deutschland seiner Verantwortung in Europa gerecht wird – auch mit Blick auf die Rolle als stärkste konventionelle Armee Europas. Entscheidend ist nun, dass auf strategische Festlegungen auch die notwendigen strukturellen, personellen und finanziellen Konsequenzen folgen.“

    In der Diskussion um Reservistinnen und Reservisten bis zum Alter von 70 Jahren, begrüßt er ausdrücklich, „dass wir hier neue Wege gehen“. Die Bundeswehr brauche Erfahrung, Kompetenz und Verlässlichkeit – und genau das brächten viele ältere Reservisten mit. Röwekamp meint: „Es geht dabei nicht darum, dass 69-Jährige wieder durch den Wald robben. Vielmehr können sie insbesondere in der Ausbildung, in Stäben oder in unterstützenden Funktionen einen wichtigen Beitrag leisten.“ Wenn die Reserve klug eingebunden werde, stärke das die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte insgesamt. Er betont aber: „Für mich ist aber auch klar, dass dieser Dienst ab 65 auf jeden Fall freiwillig sein muss.“

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