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Chile: Jose Antonio Kast tritt an und polarisiert die Bevölkerung

Chile

Der Präsident, der sein Volk spaltet: Chiles neuer Staatschef Kast hat Wurzeln im Allgäu

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    Jose Antonio Kast von der Republikanischen Partei tritt am Mittwoch in Chile das Amt des Präsidenten an.
    Jose Antonio Kast von der Republikanischen Partei tritt am Mittwoch in Chile das Amt des Präsidenten an. Foto: Esteban Felix, dpa

    Als Jose Antonio Kast am 14. Dezember die Stichwahlen gegen die kommunistische Rivalin Jeanette Jara mit 17 Prozent Vorsprung gewann, rief der Sohn eines nach Chile ausgewanderten deutschen Wehrmachtssoldaten am Abend seinen jubelnden Anhängern zu: „Nichts wäre möglich, wenn wir Gott nicht hätten. Das dürfen wir nie vergessen.“ An diesem Mittwoch wird er als Präsident in dem südamerikanischen Land vereidigt.

    Schon jetzt polarisiert der Mann mit den Wurzeln im Allgäu über die Landesgrenzen hinaus. Für die politische Linke ist er ein Ultrarechter, der die brutale Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet (1973–1990) verharmlose. Damals wurden 2000 Menschen ermordet, Tausende wurden gefoltert oder verschwanden. Kast leugnet zwar die schweren Menschenrechtsverletzungen nicht, sagt aber, Pinochet habe verhindert, dass Chile zu einer Art kubanischer Diktatur geworden wäre. Für Pinochet-Opfer ist das nur schwer zu ertragen. Betagte Diktatur-Militärs will Kast aus der Haft in den Hausarrest schicken. Niemand solle im Gefängnis sterben, sagt er. Ob das christliche Barmherzigkeit oder politische Gefälligkeit ist, wird in Chile heiß diskutiert.

    Hauptgegner ist die politische Linke

    Kast vertritt aber noch mehr Ansichten, die Kontroversen auslösen. So verteidigt er die Christianisierung Südamerikas während der Kolonialzeit. „Sie hat den Menschen Bildung gebracht, sie hat wichtige Universitäten in ganz Südamerika gegründet“, sagt Kast. Auch das Gesundheitswesen sei eine Folge dieser Zeit. Kritiker halten dagegen, die Kolonialisierung habe die Grundlage für die strukturelle Armut und Ungleichheit in Lateinamerika gelegt.

    Kasts Hauptgegner ist die politische Linke. „Der Staat hat uns die Erziehung unserer Kinder genommen. Der Säkularismus hat sich durchgesetzt. Sie wollen Gott aus unserem Leben, aus unseren Gesetzen, aus unserem gesamten täglichen Tun entfernen“, sagte Kast auf einem katholischen Kongress vor wenigen Jahren. Für den neunfachen Vater spielt das traditionelle Familienbild von Vater, Mutter, Kind eine entscheidende Rolle. Vertreter der LGBQT-Szene werfen ihm vor, damit andere Lebensentwürfe zu diskriminieren.

    Chilenen hoffen auf Aufschwung

    Kast folgt auf Gabriel Boric. Den linken ehemaligen Studentenführer hatten einst die Sozialproteste ins Amt gespült. Eine Vielzahl der Chilenen ist allerdings enttäuscht von ihm: Laut Umfrage halten 53 Prozent die Boric-Präsidentschaft für die schlechteste seit Wiedereinführung der Demokratie 1990. Die Menschen wünschen sich vor allem eine wirtschaftliche Stabilisierung und einen Staat, der gegen die Alltagskriminalität härter vorgeht.

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