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Corona-Pandemie
26.01.2022

Schnelltests statt PCR in den Schulen: Folgt Bayern NRW?

Schüler sitzen mit Mund-Nasen-Schutz im Unterricht in der Grundschule Havlíèkova und führen einen Corona-Test durch.
Foto: Pavlíèek Lubo, dpa (Symbolbild)

Deutschland kann seine PCR-Testkapazität nur begrenzt steigern. Bund und Länder setzen nun auf die unsicheren Schnelltests. Vor allem Familien schauen in die Röhre.

Bei den PCR-Tests wird es eng in Deutschland. Damit steht die zuverlässigste Testmethode nicht mehr allen zur Verfügung, was in der Omikron-Welle die Verunsicherung erhöht. Spielen zum Beispiel Kinder miteinander und tags darauf bekommt eines von ihnen Corona-Symptome, dann brachte der PCR-Test bisher recht zügig Gewissheit.

Jetzt kann es zwei, manchmal drei Tage dauern, bis das Ergebnis da ist. Den Alltag von Familien kann das ziemlich durcheinander bringen: Sollen die Kinder wegen des engen Kontakts vorsorglich aus der Schule oder dem Kindergarten genommen werden? Wer bleibt dann mit ihnen zu Hause und geht nicht zur Arbeit? Sollte die Oma wie gewohnt am Nachmittag vorbeikommen?

Auch in den Schulen wird nicht mehr flächendeckend per Einzelprobe nachgeprüft, wenn in einer Klasse bei den PCR-Sammeltests ("Pool-Tests") Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt werden. Nordrhein-Westfalen ist dazu übergegangen, im Falle einer Ansteckung nur noch per Schnelltest zu prüfen, wer sich angesteckt hat.

Auch in den Schulen wird nicht mehr flächendeckend mit PCR getestet

Die bayerische Bildungspolitikerin Gabriele Triebel von den Grünen rechnet damit, dass in Bayern ebenfalls bald die PCR-Tests an den Schulen knapp werden. Sie weiß von ersten Rückmeldungen der Labore, dass sie die Testflut nicht mehr bewältigen. "Wir sagen der Staatsregierung seit Monaten mantrahaft: Erhöht die Kapazitäten der Labore. Das ist offenbar nicht geschehen und das fällt uns jetzt auf die Füße", sagte Triebel unserer Redaktion.

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Bundeskanzler Olaf Scholz (l.) und sein Gesundheitsminister Karl Lauterbach (r.) rationieren die PCR-Tests.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Montag bei ihrer Schaltkonferenz darauf verständigt, die PCR-Tests zu priorisieren. Sie sollen vorrangig Corona-Risikogruppen und medizinischem Personal in Kliniken, Praxen und der Pflege zur Verfügung stehen. „Die derzeit hohe und voraussichtlich weiter steigende Zahl der Neuinfektionen führt zu Engpässen bei den verfügbaren PCR-Tests", hatte Kanzler Olaf Scholz erklärt (SPD).

Nach den Daten des Robert-Koch-Institutes (RKI) werten in ganz Deutschland knapp über 200 Labore die Corona-Proben aus. Sie arbeiten am Limit, konnten ihre Kapazität um 400.000 PCR-Tests auf 2,8 Millionen pro Woche ausweiten. Doch auf die Schnelle ist wohl keine weitere Steigerung möglich, weil Personal nicht von heute auf morgen aufgetrieben werden kann.

Kretschmann fürchtet Stochern im Nebel

Fehlende PCR-Tests führen auch dazu, dass die Zahlen des RKI über die Neuinfektionen mit größerer Unsicherheit behaftet sind. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) befürchtet, dass die Behörden deshalb den Überblick über die Pandemielage verlieren könnten. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Überholung der Testverordnung, die künftig auch das Einfließen der Ergebnisse von Schnelltests in die Statistik regeln soll.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die Parole ausgegeben, dass zwei Schnelltests so gut sind wie ein PCR-Test. Die Einführung des Wiener Erfolgsmodells mit Gurgel-PCR-Tests lehnt die Bundesregierung ab. Der Aufbau des Systems sei relativ zeitaufwendig und der Datenschutz womöglich beeinträchtigt, erklärte ein Sprecher von Lauterbachs Ministerium. In der österreichischen Hauptstadt schaffen es die Labore, auch die enorme Belastung durch die Omikron-Woge zu bestehen.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger hält den Engpass bei den Tests für ein Versäumnis von Lauterbach. „Jetzt ist im Bundesgesundheitsministerium Panik ausgebrochen und man will weite Teile der Bevölkerung von PCR-Tests ausschließen“, sagte der Bundestagsabgeordnete unserer Redaktion. „Das halte ich nicht nur für diskriminierend, sondern auch für fahrlässig und gefährlich“, legte Pilsinger nach. Wie Lauterbach ist er Mediziner.

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Die Diskussion ist geschlossen.

27.01.2022

Wiedereinmal Coronapolitik zu Lasten von Kindern und Familien. Vom deutschen Staat ist man es inzwischen gewohnt.

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26.01.2022

Die Mär von den unsicheren Schnelltests hält sich doch recht zäh...

Aktuelles Beispiel meiner Arbeitskollegin: Schulkind macht diesen Montag zunächst den Schnelltest, unmittelbar danach denn Pooltest. Schnelltest wird positiv, Lehrerin lässt nochmal einen Schnelltest machen, der ebenfalls positiv anzeigt. Mutter holt ihr Kind ab und lässt nochmals einen PCR-Test an der heimischen Teststation machen. Später am Abend kam dann das Pooltestergebnis: Negativ. Verwunderung. Am anderen Tag war dann auch das PCR-Testergebnis der Teststation da: Positiv. Kind recht munter und langweilt sich nun in Quarantäne...

Und wieder stellt sich die Frage, was ist sinnvoller? Ein Schnelltestergebnis, dass unmittelbar vorliegt und infektiöse Personen relativ gut herausfiltert oder ein Pooltest, dessen Ergebnis 12 bis 24 Stunden später vorliegt und während einem Teil dieser Zeit ein potentiell positives Kind mit anderen die Klasse oder den Schulweg teilt?

Wer immer von "sicheren Pooltests" redet, hat das Epidemiologisches Bulletin Nr. 32/2021 des RKI nicht genau gelesen:
Die Sensitivität der Lollitests ist nur dann sehr gut und bei 100 %, wenn dieser unmittelbar nach dem Aufstehen durchgeführt wird. Wird er im Tagesverlauf wie in Bayern nach Frühstück, Zähneputzen, Schulweg/Busfahrt usw. durchgeführt, nimmt die Sensitivität ab und erreicht das Niveau vieler Schnelltests. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/32_21.pdf

Was dazukommt: Im letzten Schuljahr wurden für bayerische Schulen über 88 Mio Schnelltests beschafft, wovon bis Ende letzten Schuljahres vielleicht 20 Mio gebraucht wurden. Es dürften da sicherlich noch etliche vorhanden sein und vielleicht sogar weiter beschafft worden sein. Soll man diese verfallen lassen und in den Müll geben? https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Pandemie-Schnelltests-an-Schulen-Bayern-hat-schon-416-Millionen-Euro-gezahlt-id60346416.html

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26.01.2022

"Der Aufbau des Systems sei relativ zeitaufwendig und der Datenschutz womöglich beeinträchtigt, erklärte ein Sprecher von Lauterbachs Ministerium."

Klartext: Wir haben wie so oft verpennt Dinge zu antizipieren und sind auf der Suche nach einer Ausrede. Überraschung: Es ist WOMÖGLICH der Datenschutz, der beeinträchtigt sein könnte. Die DSGVO gilt aber in AUT ebenso wie in DE. Entweder sind unsere Nachbarn schlauer oder pragmatischer oder beides.

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