Auf Social Media ist die Welt des Johann Wadephul noch in Ordnung. Wie sonst niemand im Bundeskabinett versteht er es, sich auf Instagram und TikTok in Szene zu setzen. Wenn der CDU-Politiker sich da über russische Desinformation lustig macht, gibt es auch mal ein „Gefällt mir“ von der Opposition. Gerade postet Johann Wadephul vor allem Fotos von Flughäfen, in Großbuchstaben überschrieben mit „Wir helfen“. Wieder habe man mehr als 220 Menschen aus dem Nahen Osten ausgeflogen, schrieb der Minister am Freitag. Alles im Griff, das ist die Botschaft.
Nun ist es als Außenminister verhältnismäßig leicht, sich als Macher zu inszenieren. Man muss schon Heiko Maas sein, um in diesem Amt nicht zu den beliebtesten Politikern in Deutschland zu zählen. Der Minister fliegt um die Welt, schüttelt Hände, schwebt wortwörtlich über den Dingen. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen die Folgen seiner Politik meist nur mittelbar zu spüren. Damit taugt er kaum als Reizfigur. Außer eben, es gibt eine Krise, von der deutsche Bürger im Ausland betroffen sind – wie in dieser Woche. Und da hat das Macher-Image von Johann Wadephul – abseits von Instagram und TikTok – einigen Schaden genommen.
Nicht nur die Opposition kritisierte das Krisenmanagement
Was ist passiert? Zunächst wurde Kritik laut, der Außenminister hätte zu spät auf die Lage im Nahen Osten reagiert. Aktuell befinden sich zehntausende deutsche Touristen in der Region. Mit Sonderflügen evakuiert wurden bis Freitag nur etwa 500. Vor allem aber irritierte die Kommunikation des Ministers. In einem Interview mit dem Heute-Journal wirkte er schlecht vorbereitet. Dort behauptete Wadephul fälschlicherweise, das Auswärtige Amt hätte schon seit Januar eine förmliche Reisewarnung für die Golfstaaten ausgesprochen: „Doch, doch, das gab’s schon. Wir haben natürlich schon seit Januar darauf hingewiesen“, sagte er. Auch nach mehrmaligen Nachfragen hielt der Minister daran fest: „Doch, Frau Slomka, für die Region auch.“
Einen Tag später musste er sich auf der Plattform X korrigieren. „Ich bedaure den Irrtum im Heute Journal gestern“, schrieb er dort. „Die formelle Reisewarnung für die Golfstaaten besteht in der Tat seit dem 28. Februar.“ Seit Mitte Januar warnt das Auswärtige Amt aber „vor einer möglichen Eskalation & Einschränkungen im Flugverkehr“.
Nicht nur in der Opposition und bei Touristikunternehmen entstand das Bild eines überforderten Ministers. Auch aus den eigenen Reihen kam Kritik am Krisenmanagement Wadephuls. Besonders laut war die in der CSU. Markus Söder sagte im Sender Welt, die Aktion sei „ein bisschen zäh“ gestartet. „Das könnte noch verstärkt werden. Es sind zu wenig Maschinen im Einsatz.“ Und forderte die Bundesregierung auf, zu prüfen, ob man auch mit Bundeswehrmaschinen helfen könne. Söder verwies auf Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich, die sich in dieser Hinsicht stärker engagierten. Eine kaum verhohlene Kritik an Wadephul. Der wies am Freitag die Forderung nach Bundeswehrflügen zur Evakuierung zurück. „Der Beitrag der Bundeswehr ist an der Stelle nicht notwendig, denn wir sehen ja ein Ansteigen der kommerziellen Flüge jetzt“, erklärte er in Berlin. CSU-Außenpolitiker Stephan Mayer dagegen verteidigte Wadephul. „Überstürzte Evakuierungsflüge hätten die zu Evakuierenden im äußersten Fall konkret gefährden können und könnten in einer unübersichtlichen Lage von Konfliktparteien fehlinterpretiert werden“, sagte er unserer Redaktion. „Die Bundesregierung handelt mit der gebotenen Verantwortung und Umsicht.“
Die CSU kritisierte den Außenminister nicht zum ersten Mal
Es ist aber nicht das erste Mal, dass sich manche in der Schwesterpartei irritiert zeigen über das Vorgehen des Ministers. Als Wadephul nach einem Syrien-Besuch Ende des Jahres erklärte, Geflüchtete könnten kurzfristig nicht dorthin zurückkehren, „hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben“, und die Lage dann auch noch mit Deutschland 1945 verglich, fasste das mancher in der CSU als Affront auf. War es doch vor allem CSU-Innenminister Alexander Dobrindt, der die von Schwarz-Rot ausgerufene Asylwende vorantrieb und damit verbunden auch Abschiebungen nach Syrien. Die „Außenpolitik aus einem Guss“, die der Kanzler versprach mit Blick auf das erste unionsgeführte Außenministerium seit etwa 60 Jahren, vermisst mancher bei den Christsozialen – und sieht die Schuld dafür vor allem beim Außenminister.
Die gute Nachricht für Wadephul: Ein wenig dürfte sich die Lage beruhigen. Zuletzt nahmen einige Airlines wieder Linienflüge in den Nahen Osten auf. Wenn auch mit wenig Verlass: Die Lufthansa brach einen geplanten Flug nach Riad aus Sicherheitsgründen ab.
„Die Zahl der kommerziellen Flugangebote steigt aktuell weiter und auch die Airlines nutzen inzwischen verstärkt Transportwege über Land“, kommentierte Johann Wadephul das Geschehen auf Instagram trotz allem optimistisch. „Die Vorbereitungen für die nächsten Sonderflüge, mit denen wir weiter verletzliche Personengruppen unterstützen, die unsere Hilfe besonders benötigen, sind in vollem Gange. Wir unterstützen politisch und vermitteln, wo wir können.“ Alles im Griff also.
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