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Donald Trumps Irankrieg: Warum der USA-Experte Thomas Jäger die Maga-Bewegung am Ende sieht

Interview

Warum gibt es in unserem Jahrzehnt so viele Kriege, Professor Jäger?

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    US-Präsident Donald Trump hat spätestens nach dem Angriff auf den Iran mit seiner angeblichen Rolle als „Friedenspräsident“ gebrochen.
    US-Präsident Donald Trump hat spätestens nach dem Angriff auf den Iran mit seiner angeblichen Rolle als „Friedenspräsident“ gebrochen. Foto: Alex Brandon, dpa

    Herr Professor Jäger, schon vor dem Angriff auf den Iran zählten die Vereinten Nationen so viele bewaffnete Konflikte wie nie. Warum gibt es in unserem Jahrzehnt so viele Kriege?

    THOMAS JÄGER: Wir erleben derzeit eine Phase, in der darum gerungen wird, wie die Weltordnung von morgen aussieht. Nach dem Ende des Kalten Krieges blieben die USA alleinige Weltmacht. Nun erleben wir das Ende dieser „unipolaren Ordnung“, begleitet vom Ende der liberalen Globalisierung. Mit China bildet sich erkennbar ein zweiter Pol in der neuen Weltordnung. Russland möchte der dritte sein, vermag es aber nicht. Daneben versucht eine Reihe größerer Mächte, ihre regionale Stellung zu behaupten. Und die USA setzen für ihre Zwecke militärische Gewalt ein, entgegen des von Donald Trump gepflegten Images, er wolle ein Friedenspräsident sein.

    In seiner ersten Amtszeit blieb Trump seinem Anspruch treu und zettelte keine neuen Kriege an. Was hat sich nun verändert?

    JÄGER: Es ist nicht Donald Trump, der sich verändert hat. Der entscheidende Unterschied ist, dass Trump in seiner ersten Amtszeit von einem Netz an erfahrenen Außenpolitikern und Generälen als Beratern umgeben war. Heute hat er eine Gruppe von Ja-Sagern um sich versammelt. Militärs sind immer skeptisch, wenn es um militärische Einsätze geht. Das war auch jetzt im Fall Iran so. Dass sich Trump dennoch für den Angriff entschieden hat, liegt daran, dass insbesondere aus Israel und Saudi-Arabien Einfluss auf ihn genommen wurde. Seine Minister um ihn herum haben das abgenickt. Außenminister Marco Rubio sagt ganz offen, seine Aufgabe sei nicht, dem Präsidenten einen Rat zu geben, sondern umzusetzen, was er verlangt.

    Wie groß ist der Einfluss von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu?

    JÄGER: Die USA sind tatsächlich völlig strategielos in den Konflikt mit dem Iran gegangen. Trump hat erst eine militärische Drohkulisse aufgebaut, nun redet er mal von einem Regimewechsel und dann lässt er wieder alles offen. Anders die Israelis. Sie verfolgen das Interesse, den Iran zu schwächen und ihm die Fähigkeit zu nehmen, Israel zu bedrohen. Es ist ihnen gelungen, für dieses Ziel die Amerikaner zu gewinnen. Anders als Trump wissen sie genau, warum sie ihre Mittel einsetzen. Denn der Iran ist eine direkte Bedrohung für Israel gewesen, aber nicht für die USA.

    War der jetzige Angriff also eher von Israel getrieben?

    JÄGER: Auslöser war wohl, dass sowohl die USA als auch Israel Kenntnis über Ort und Zeitpunkt verfügten, als sich große Teile der Staatsspitze versammelten und damit ein Enthauptungsschlag möglich wurde. Das passte in Israels Strategie. Auf der amerikanischen Seite hatte sich Trump mit seinen Aussagen selbst in eine Situation manövriert, dass er den Verhandlungen mit dem Iran über das Atomprogramm nicht die Zeit lassen konnte, die sie möglicherweise noch gebraucht hätten. Doch der Gedanke, dass allein mit einem Enthauptungsschlag gegen die iranische Führung das System auseinanderbricht, ist mehr als naiv.

    Militärjets auf dem Deck des Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“, die im Krieges gegen den Iran eingesetzt werden.
    Militärjets auf dem Deck des Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“, die im Krieges gegen den Iran eingesetzt werden. Foto: U.S. Central Command/AP, dpa

    Wie stabil ist die Lage im Iran?

    JÄGER: Das Regime scheint relativ stabil, es regelt die Nachfolge, kann Gegenschläge ausführen und unterdrückt Widerstände im Innern. Alles hängt davon ab, ob die Sicherheitskräfte beisammenbleiben. Dann entsteht in irgendeiner Weise ein neues Regime. Es wird nicht mehr das alte sein, das ohnehin an Grenzen gekommen war: Die Massenproteste im Januar zeigten, dass die Führung keine Perspektive hatte, denn sie hatte keine Antwort auf die Verarmung der Bevölkerung außer Gewalt. Angesichts des hohen Alters der Regimeführer wäre es bald wohl auch ohne Krieg zu Veränderungen gekommen. Man muss nun abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Nach außen kann das Regime den Krieg trotz Versuchen, einen Flächenbrand anzuzetteln, nicht gewinnen. Aber dass sich im Iran rasch eine Demokratie entwickeln könnte, scheint eine abenteuerliche Annahme.

    Könnte Trump bei Zugeständnissen eines neuen Regimes den Krieg als Erfolg verkaufen?

    JÄGER: Für Israel ist ein Erfolg in greifbarer Nähe, wenn es gelingt, dem Iran die nuklearen Fähigkeiten zu nehmen und dessen Raketenprogramm zu zerstören. Trump hat als Ziel zusätzlich den Regimewechsel draufgesetzt. Das ist jetzt der Maßstab, an dem er gemessen wird. Er kann einen halben Sieg nicht einfach als Sieg verkaufen. Auch die Lügen, die Trump sich selbst erzählt, erreichen ihre Grenzen. Er kann nicht mehr erzählen: Er sei der Friedenspräsident, alle stünden hinter ihm, die Umfragen seien falsch.

    Kann dies für Donald Trump bei den US-Zwischenwahlen im Herbst gefährlich werden?

    JÄGER: Donald Trump ist für Wahlen in den USA inzwischen toxisch. Er hat nur noch ein Drittel der Amerikaner als sichere Anhänger, die wie eine Sekte zu ihm stehen. Bei den Wechselwählern sagen inzwischen drei Viertel: Nie wieder! Er hat fast alle jungen Wähler, die er zum großen Teil gewonnen hatte, wieder verloren, ebenso viele Lateinamerikaner. Trumps Maga-Bewegung hat, Stand heute, null Chancen, jemals wieder eine Wahl zu gewinnen, wenn es mit rechten Dingen zugeht.

    Thomas Jäger ist Professor für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln.
    Thomas Jäger ist Professor für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Foto: Universität zu Köln

    Zweifeln Sie daran?

    JÄGER: Es ist tatsächlich eine große Frage, unter welchen Bedingungen die Wahlen stattfinden. Trump hat mehrfach erklärt, dass seine Zentralregierung die Durchführung der Wahlen bundesweit übernehmen könnte, wenn sich die zuständigen Bundesstaaten in seinen Augen nicht korrekt verhielten: Trump könnte die Briefwahl abschaffen und Militär vor den Wahllokalen stationieren, um zu kontrollieren, wer reinkommt und wer nicht. Deshalb mache ich mir ernsthaft Sorgen um die amerikanische Demokratie.

    Wird Trump eine Episode bleiben, wenn alles demokratisch verläuft?

    JÄGER: Entgegen seiner Parole „Make America great again“ hat Donald Trump die USA nachhaltig geschwächt. In der Frage der neuen Weltordnung hatten die USA gegenüber China den großen Vorteil, dass sie über ein weltweites Netz enger Verbündeter verfügten. Dieses Netz zerschlägt Trump. Selbst einst engste Freunde in Europa halten die USA nicht mehr für einen verlässlichen Partner. Mit seiner willkürlichen Zollpolitik schadet Trump der Wirtschaft in den USA und weltweit, indem er wichtige Lieferketten zerstört und Handelspartner vergrätzt. Die USA bringen selbst ihren freundlichsten Nachbarn Kanada dazu, Beziehungen nach China zu intensivieren. All dies stärkt Amerikas Rivalen. Vertrauen ist schnell zerstört, aber es braucht lange, um es aufzubauen. Das wird eines Tages auch für Trumps Nachfolger gelten.

    Zur Person

    Thomas Jäger ist Professor für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Der 65-Jährige gilt als gefragter USA-Experte. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte er im Sommer 2016 im Gegensatz zu vielen anderen Fachleuten einen Sieg Donald Trumps bei den Präsidentschaftswahlen voraus.

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