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Drohnenkriege: Braucht es noch bemannte Kampfflugzeuge?

Wirtschaft

Drohnenkriege: Braucht es noch bemannte Kampfflugzeuge?

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    Das neue Kampfflugzeug von Quantum Systems, das Pulse P19, soll auch unbemannt Einsätze fliegen.
    Das neue Kampfflugzeug von Quantum Systems, das Pulse P19, soll auch unbemannt Einsätze fliegen. Foto: Quantum Systems

    FCAS, Europas Kampfflugzeug der nächsten Generation, wurde auf Eis gelegt. Bei dem deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt wollten die Konzerne der beiden Mutterstaaten einfach nicht zusammenfinden. „Diese Realität erkennen wir an“, erklärte Bundeskanzler Merz mit Blick auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. In derselben Rede beschwor Merz, Deutschland wolle seine Potenziale in der Drohnentechnologie nutzen. Die neue Luftfahrtstrategie der Regierung schafft die Rahmenbedingungen. Dennoch haben sich acht deutsche Rüstungsunternehmen zusammengetan, um den Nachfolger für das Kampfflugzeug Eurofighter zu entwickeln. Aber ist es in Zeiten des Drohnenkrieges eigentlich noch sinnvoll, auf bemannte Kampfflugzeuge zu setzen?

    Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem Iran-Konflikt boomt die Rüstungsbranche. Gerade unbemannte Luftfahrzeuge, sogenannte UAV, zu denen auch Drohnen zählen, sind aus modernen Kampfszenarien nicht mehr wegzudenken. Bewährte Rüstungsgiganten wie Lockheed Martin, Airbus oder Saab setzen vermehrt auf diese Technologie – nicht nur mit kleinen Quadrokoptern, die in der Ukraine häufig als „Kamikazedrohnen“ an ihrem Ziel zur Detonation gebracht werden, sondern auch mit unbemannten Hubschraubern, Bombern und Kampfflugzeugen. Die Entwicklung solcher Systeme sei „zwingend für unsere Sicherheit“, sagte Merz in seiner Eröffnungsrede der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Berlin. Viele Unternehmen profitieren von den Geldern, die die Regierung hier freimacht. Darunter auch Quantum Systems aus dem Landkreis Starnberg.

    Zehntausend Drohnen für Kiew

    Quantum ist eigentlich noch ein junger Player in der Rüstungsindustrie – das Unternehmen ist auf die Entwicklung von militärischen Drohnen spezialisiert. Doch seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat der Konzern einen bemerkenswerten Aufschwung hingelegt: Innerhalb von nur drei Jahren wuchs die Mitarbeiterzahl um das Siebenfache. Mittlerweile beschäftigt Quantum Systems nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1500 Angestellte. Auch der Umsatz von Quantum Systems stieg massiv an. Der Konzern stieg zu einem engen Partner der Bundeswehr auf, wie Pressesprecherin Desiree Oster sagt. Das Unternehmen profitiert von der modernen Kriegsführung.

    „Wenn wir in die Ukraine schauen, sehen wir, dass der Konflikt überwiegend mit Drohnen ausgetragen wird. Die sind klein, schnell und können günstig in Masse produziert werden.“ Quantum stellte bis vor kurzem fast ausschließlich Aufklärungs- und Überwachungsdrohnen her. Aber die Nachfrage ist groß, besonders in der Ukraine: 12.000 Einzelsysteme habe Kiew allein im Jahr 2024 benötigt. Wenn es nach Oster geht, ist die Zukunft der militärischen Luftfahrt unbemannt: „Wir wollen komplett autonome Systeme schaffen und die Technologie ist da. Unsere Drohnen können ohne menschliches Zutun starten, fliegen und landen.“ Theoretisch müsse der Mensch nur noch für Reparaturen oder unerwartete Zwischenfälle eingreifen.

    Bundeskanzler Merz besuchte Quantum Systems auf der ILA Berlin. Daneben die Co-CEOs Florian Seibel (links) und Sven Kruck.
    Bundeskanzler Merz besuchte Quantum Systems auf der ILA Berlin. Daneben die Co-CEOs Florian Seibel (links) und Sven Kruck. Foto: Quantum Systems

    Autonome Luftstreitkräfte – geht das wirklich?

    Viele Soldaten der Bundeswehr sind da skeptischer: Die Technik sei noch zu anfällig, zu ungenau, um ohne menschliche Betreuung auszukommen. Es fehle die menschliche Entscheidungsfähigkeit. Einige halten den Einsatz vollständig autonom operierender Systeme auch in näherer Zukunft für unwahrscheinlich. „Die Debatte ist wie beim Panzer“, sagt Oster. „Da wird gefragt: Brauchen wir noch den Kampfpanzer? Und die Antwort ist: Ja, den braucht es noch. Aber wir sehen ihn eben im Verbund mit unbemannten Systemen für Begleitaufgaben. Nicht, um das Hauptgefecht zu führen. Ähnlich ist es auch in der Luft. Das ist ein evolutionärer Zwischenschritt hin zu der vollständigen Autonomie.“

    Heute brauche es noch einen Operateur, der die Situationen bewertet und Ziele freigibt, erklärt Oster. „Wenn diese aber etwa aus sicherer Entfernung operiert werden können, sind die Einsatzkräfte besser vor dem Feind geschützt, als wenn sie selbst an der Front sitzen.“ Das Ziel von Drohnen sei nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern die Sicherheit der Streitkräfte zu erhöhen. Mit der Produktion eines propellergetriebenen Kampfflugzeuges, das entweder bemannt, oder unbemannt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz geflogen werden kann, wagt sich der Konzern nun in neue Gefilde.

    Die Schwächen von Drohnen

    Ob solche Systeme aber schon den klassischen Kampfjet ersetzen können? Da zögert selbst die Pressesprecherin: „Wenn wir uns etwa einen Eurofighter anschauen, sprechen wir über Flugmanöver, Geschwindigkeiten und Größenordnungen, an die klassische Drohnensysteme heute noch nicht herankommen.“ Für die Bundeswehr dürfte es daher auf absehbare Zeit auf eine Mischung hinauslaufen – auf Investitionen in bemannte wie unbemannte Systeme.

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