Schon wieder ist Donald Trump ausfällig gegenüber einer Journalistin geworden. Diesmal traf es die CNN-Chefkorrespondentin für das Weiße Haus, Kaitlan Collins. Sie hatte den US-Präsidenten jüngst im Oval Office zum Fall Jeffrey Epstein befragt, als Trump sie vor anderen Medienvertretern anflegelte.
Die Reporterin brachte die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten auf. Demnach tauchen auch dort die Namen von Männern auf, die Trumps engstem Umfeld zugerechnet werden: Milliardär und Trumps ehemaliger Berater Elon Musk und Handelsminister Howard Lutnick. Trump ging nicht weiter darauf ein; er betonte, dass diese beiden Namen „sicher in Ordnung wären“ – andernfalls hätte es große Schlagzeilen gegeben.
Donald Trump und die Reporterinnen: Bereits viele Vorfälle
Viele Frauen, die Epsteins Übergriffe überlebt hätten, seien unglücklich über den Umgang des Justizministeriums mit den Akten, erwiderte Collins daraufhin. „Manche Zeugenaussagen von Überlebenden sind vollständig geschwärzt worden.“ Trump wiegelte ab, es sei an der Zeit, sich anderen Themen zuzuwenden, jetzt, wo in den Akten nichts über ihn herausgekommen sei.
Die CNN-Reporterin beharrte auf einer Antwort und fragte, was er zu Menschen sagen würde, die das Gefühl hätten, keine Gerechtigkeit erfahren zu haben. Daraufhin wurde der US-Präsident persönlich. Sie sei die schlechteste Reporterin, sie sei eine junge Frau, die er noch nie lächeln gesehen habe, wetterte er. Und: „Wissen Sie, warum Sie nie lächeln? Weil Sie wissen, dass Sie nicht die Wahrheit sagen.“ Sie arbeite für eine unehrliche Organisation, die sich für Collins schämen solle.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Entgleisungen ein, die sich Donald Trump gegen Journalisten erlaubt – allen voran gegenüber Frauen. Trump hatte Collins erst im Dezember als „dumm“ und „bösartig“ bezeichnet. Kurz zuvor nannte er die CBS-Reporterin Nancy Cordes in einer Pressekonferenz eine „dumme Person“. Sie hatte ihn zu einem Schusswaffenangriff auf zwei Nationalgardisten befragt, den mutmaßlich ein afghanischer Geflüchteter verübt hatte. Cordes hatte Trump darauf hingewiesen, dass entgegen seinen Behauptungen afghanische Geflüchtete sehr wohl überprüft würden, bevor sie in die USA kämen.
Katie Rogers, Korrespondentin der New York Times, musste sich von Trump als „innerlich und äußerlich hässlich“ beschimpfen lassen. Gemeinsam mit einem männlichen Kollegen, Dylan Freedman hatte sie eine Recherche über Trumps Alterungserscheinungen veröffentlicht und dies mit Fotomaterial und einem dünner werdenden Terminkalender belegt. Die Bloomberg-Reporterin Catherine Lucy unterbrach Donald Trump im Dezember mit den Worten „Ruhe, Schweinchen!“ („Quiet, Piggy!“) und streckte ihr einen Finger ins Gesicht. Lucy hatte ihn zu seinen Kontakten zu Jeffrey Epstein befragt.
US-Präsident bepöbelt Journalistinnen: Zuspruch aus dem Weißen Haus
Für den Affront gegen Collins gab es von Trump-Anhängern Applaus. Ein Account des Weißen Hauses teilte den Clip mit dem Titel: „Präsident vernichtet Kaitlin Collins“.
Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ warnt vor Entwicklungen, dass in Trumps zweiter Amtszeit die freie Presse in den Vereinigten Staaten geschwächt werde. Angriffe auf persönlicher Ebene sind nur ein Aspekt von Trumps Feldzug gegen die Presse. Auch finanzielle Förderungen ließ der US-Präsident zuletzt beschneiden. So kürzte der US-Kongress Zuschüsse für das gemeinnützige Medienunternehmen wie den Fernsehsender PBS und das nationale Radio NPR um Milliarden. Die Trump-Regierung nutze ähnlich wie autoritäre Regime staatliche Machtinstrumente, um unliebsame Medien zu schädigen, kritisierte „Reporter ohne Grenzen“.
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