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FDP-Parteitag: So will Christian Lindner seine Partei retten

Bundestagswahl 2025

So will Christian Lindner die FDP retten

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    Die FDP feiert Christian Lindner auf ihrem Parteitag.
    Die FDP feiert Christian Lindner auf ihrem Parteitag. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Es ist Zufall gewesen, dass die FDP ihren Parteitag am Todestag des großen Kabarettisten Karl Valentin abgehalten hat. „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist“, sagte der 1948 verstorbene Valentin einst und hat damit ziemlich treffend die Lage der Liberalen im Jahr 2025 beschrieben. Bei der Wahl in zwei Wochen geht es um Alles. Wiedereinzug in den Bundestag oder Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Um Alles geht es auch für Parteichef Christian Lindner. Wiedereinzug in den Bundestag oder Absturz in die politische Bedeutungslosigkeit.

    Auf dem Parteitag in Potsdam entscheidet sich Lindner am Sonntag für eine Art Kabinenansprache eines Kapitäns einer Fußballmannschaft, die zur Halbzeit 3:0 zurückliegt. Lindner, der rhetorisch gern ironisch spielt, wuchtet sich durch die Rede. Er ist laut, er ist ernst, er ist kämpferisch.

    Lindner: „Die entscheidende Frage ist: Lindner oder Habeck im Kabinett?“

    Und der Kampf geht leichter, wenn man einen Gegner kennt. Und dieser Gegner heißt Robert Habeck von den Grünen. „Die entscheidende Frage ist: Wachstum oder Stagnation? Die entscheidende Frage ist: Freiheit oder Staat? Die entscheidende Frage ist: Lindner oder Habeck im Kabinett?“, donnert er vom Rednerpult am Ende seiner Rede in der Kongresshalle.

    Eine Koalition mit den Grünen schließt er aus. „Mit der Wahl der FDP in den Deutschen Bundestag gibt es kein Schwarz-Grün.“ Punkt. Damit gehen die Freien Demokraten denselben Weg wie CSU und AfD. Die Grätsche gegen Habeck soll ihnen allen Stimmen bringen.

    Doch Lindner sucht nicht nur den Zweikampf mit dem Kanzlerkandidaten der Grünen, er rempelt auch gegen Friedrich Merz, den Kanzlerkandidaten der Union. „Damit entscheidet jetzt nicht mehr Friedrich Merz allein, welche Koalition im Land gebildet wird.“ Eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP schließt er damit aus. Zur Erinnerung: Merz und seine Union stehen in den Umfragen bei 30 Prozent, die Freien Demokraten bei vier. Und Merz und die Union sind der erklärte Lieblingspartner der Liberalen nach der Wahl. Lindner und Merz sind privat befreundet. Trotzdem ätzt er: Der CDU-Chef als Kanzler werde ein Fall für betreutes Regieren.

    FDP verharrt unter Fünfprozenthürde

    Doch vom eigenen Regieren ist die FDP weit entfernt. Vierzehn Tage bevor die Wähler entscheiden, muss Lindner feststellen, dass er und die Kampagne bislang nicht ziehen. Der Vorsitzende hatte in der Ampel-Koalition mit gezinkten Karten gespielt. Für die Galerie gab er den staatspolitisch Verantwortungsbewussten, hinter den Kulissen arbeitete er an der Sabotage des Regierungsbündnisses. Staatsschauspieler ist noch einer der netteren Titel, die dem 46-Jährigen seit dem Bruch der Regierung verliehen wurden.

    Seitdem liegt die FDP in den Umfragen unter der kritischen Fünfprozenthürde. Und kommt einfach nicht mehr hoch – trotz des seit dem Ende der Koalition laufenden Wahlkampfs. Erinnerungen werden wach an 2013, als die FDP aus dem Bundestag flog. Lindner hatte die Partei im Alleingang vier Jahre später zurück in den Bundestag geführt. Und dominiert die Liberalen seitdem unangefochten. Selbst der Eklat um die gezielte Demontage des Bündnisses mit SPD und Grünen („offene Feldschlacht“, „D-Day“) hat seine Position nicht erschüttert.

    Die FDP-Basis feiert Christian Linder

    Auf der Zielgeraden des Wahlkampfes sollen neben den Attacken auf Habeck liberale Klassiker den entscheidenden Prozentpunkt bringen. Wirtschaftswende, eine harte Asylpolitik, Lust auf Ehrgeiz und Leistung. „Die AfD wird man nicht kleinmachen mit Protestmärschen und Lichterketten“, ruft Lindner den 600 Delegierten zu. „Die AfD macht man klein, wenn man sagt, eine Wirtschaftswende ist möglich.“ Diese Wende heißt, Steuern zu senken für Unternehmen und Gutverdiener, einen dreijährigen Bürokratiestopp, Einschnitte bei Sozialleistungen.

    Der FDP-Vorsitzende will dem Land eine andere Geisteshaltung verordnen, das er in einer links-grünen Traumwelt wähnt. „Wir haben uns gewöhnt an spitzenmäßige soziale Absicherung und wollen sie weiter ausbauen. Wir haben uns gewöhnt an spitzenmäßigen Umweltschutz. Aber wir sind eben nicht mehr spitzenmäßig bei unserer Wirtschaftsleistung“, analysiert Lindner.

    Mit seiner Rede begeistert der Spitzenkandidat die Delegierten. Mehrfach erheben sie sich von ihren Sitzen und applaudieren stehend. Auch nach seiner Rede bricht Jubel aus, minutenlang wird geklatscht. Direkt neben der Halle steht im Filmpark Babelsberg ein künstlicher Vulkan. Nichts mehr als einen Ausbruch wünschen sich Freien Demokraten am 23. Februar. Karl Valentin würde vielleicht schließen mit seinem Bonmot: „Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.“

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