Fünf Landtagswahlen, fünf mögliche Regierungswechsel, Schock-Ergebnisse und politische Erdbeben eher wahrscheinlich als ausgeschlossen: 2026 stehen wichtige demokratische Standortbestimmungen an, zwei im Frühjahr und drei im Herbst. Das ist die Ausgangslage in den fünf Ländern:
In Baden-Württemberg kündigt sich ein Regierungswechsel an
Baden-Württemberg macht am 8. März den Anfang, wo Winfried Kretschmann nach drei Amtsperioden nicht mehr antritt. Die Grünen schicken als Wunsch-Nachfolger für ihren bislang einzigen Ministerpräsidenten mit ins Rennen, doch im Augenblick sieht es nicht so aus, als ob es für den Ex-Bundeslandwirtschaftsminister reichen wird.
In den Umfragen vorne liegt der erst 37-jährige Manuel Hagel von der CDU – und das recht deutlich. Vor Özdemir rangiert zudem noch AfD-Frontmann Markus Frohnmaier, mit dem allerdings in Stuttgart niemand koalieren möchte. Deutlich abgeschlagen in den Umfragen folgt die SPD, an der Fünf-Prozent-Hürde tummeln sich die FDP, die im Landtag bleiben will, und die Linke, die erstmals hineinmöchte. Auch Favorit Hagel wird den Wahlausgang auf den hinteren Rängen genau verfolgen. Denn allein wird seine CDU kaum regieren können.
In Rheinland-Pfalz droht der SPD der Machtverlust – nach 34 Jahren
In Rheinland-Pfalz, wo zwei Wochen später gewählt wird, steht seit 34 Jahren die SPD an der Spitze, die vergangenen neun Jahre mit Grünen und FDP als Juniorpartner. Erstmals muss sich bei den Sozialdemokraten nun , der das Amt im Sommer 2024 nach dem Rücktritt der populären Malu Dreyer übernommen hatte, als Spitzenkandidat beweisen. Und es sieht nicht allzu gut für ihn aus: In den Umfragen steht die SPD deutlich hinter der CDU, in manchen Erhebungen ist sie sogar noch hinter die AfD gerutscht.
Die Grünen wären nach der aktuellen Stimmungslage immerhin wieder drin im Landtag, die Linke knapp auch, die FDP dagegen muss mächtig bangen. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder verspricht im Wahlkampf eine deutliche Entbürokratisierung und mehr Befugnisse für die Kommunen. Sollte er damit erfolgreich sein, wäre der Jammer in der Bundes-SPD groß – eine der letzten großen sozialdemokratischen Bastionen in der Republik wäre geschleift.
Ein AfD-Beben droht in Sachsen-Anhalt: Hier liegt die Partei in Umfragen bei fast 40 Prozent
Nicht weniger als ein politisches Erdbeben droht in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September eine neue Landesregierung gewählt wird. In den Umfragen liegt die AfD mit knapp 40 Prozent der Wählergunst deutlich vor der CDU, die auf Werte von deutlich unter 30 Prozent kommt. Aktuell regiert im Magdeburger Landtag eine „Deutschland-Koalition“ aus CDU, SPD und FDP. Doch der populäre Ministerpräsident Reiner Haseloff tritt nicht mehr an, CDU-Spitzenkandidat ist Wirtschaftsminister Sven Schulze.
Und sollte er wie prognostiziert hinter einer starken AfD landen, dürfte er sich mit der Bildung einer Koalition schwertun. Denn drittstärkste Kraft im Land ist die von der CDU verschmähte Linkspartei, die in Umfragen mit 13 Prozent deutlich vor der SPD liegt. Bei ganzen sieben Prozent rangieren die Sozialdemokraten, nur knapp vor der Wagenknecht-Truppe BSW. Grüne und FDP wären demnach gar nicht im Landtag vertreten. Je mehr kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, desto weniger Stimmen würde die AfD für eine absolute Mehrheit der Mandate benötigen. Unter anderem mit einer aggressiven Migrationspolitik will AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund seine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei an die Regierung bringen – zum ersten Mal in einem deutschen Bundesland.
In Berlin steht Kai Wegner für die CDU zur Wiederwahl
Am 20. September wählt Berlin und für Kai Wegner, den Regierenden Bürgermeister von der CDU, wird die Titelverteidigung alles andere als ein Selbstläufer. Zittern muss er wohl nicht so sehr vor dem aktuellen Koalitionspartner SPD, die den an der Spree noch kaum bekannten Steffen Krach ins Rennen schickt. Ob der Hannover-Import an frühere Beliebtheitswerte eines Klaus Wowereit oder einer Franziska Giffey anknüpfen kann, ist noch unklar. Sicher ist dagegen, dass er mit der zerstrittenen Berlin-SPD einen Scherbenhaufen übernimmt. Auch bei den Grünen, die auf Fraktionschef Werner Graf setzen, wachsen die Bäume aktuell nicht in den Himmel.
Unter den Oppositionsparteien hat sich vielmehr die Linkspartei als derzeit stärkste Kraft herausgeschält. Bei der jüngsten Bundestagswahl lag die Linke in der Hauptstadt sogar ganz vorne, vor CDU, Grünen und SPD. Mit Elif Eralp, einer in München geborenen Juristin, will die Linke nun das Rote Rathaus erobern. Der Wahlkampf dürfte sich am Vorbild New York orientieren, wo der demokratische Sozialist Zohran Mamdani mit Themen wie bezahlbarem Wohnen und Nahverkehr erfolgreich war. Die AfD tritt mit Spitzenkandidatin Kristin Brinker deutlich bürgerlicher auf, was auf enttäuschte CDU-Wähler zielen dürfte, denen Wegner der SPD zu weit entgegengekommen ist.
Manuela Schwesig steht in Mecklenburg-Vorpommern mit der SPD vor dem Aus
Zeitgleich mit Berlin wählt Mecklenburg-Vorpommern, wo die Ausgangslage eine gänzlich andere ist. Manuela Schwesig, der Ministerpräsidentin von der SPD, die mit der Linkspartei koaliert, steht an der Küste ein heftiger Sturm bevor. Denn die AfD führt haushoch in den jüngsten Umfragen, hat doppelt so viel Zustimmung wie die SPD. Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der Rechtspopulisten, hat als Ziel die absolute Mehrheit mit anschließender „Alleinregierung“ ausgegeben.
Auch wenn es dafür nicht reichen sollte, wird eine Regierungsbildung gegen die Rechtspopulisten nach Lage der Dinge äußerst schwierig. Schwesig ist zwar persönlich durchaus noch beliebt, von ihrer SPD lässt sich das an der Ostsee aber längst nicht mehr behaupten. Die CDU ist schwach und will auch hier nicht mit der Linkspartei ins Boot, die Grünen kämpfen mit der Fünf-Prozent-Hürde, die das BSW wohl nehmen dürfte. Das Ziel, eine AfD-Regierung zu verhindern, könnte am Ende aber auch ungewöhnliche Formen der Regierungsbildung denkbar erscheinen lassen - einschließlich Tolerierung oder Minderheitsregierung.
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