Sagen wir mal so: Für den Literaturnobelpreis wird es eher nicht reichen. Weil rein sprachlich rangiert so ein Koalitionsvertrag doch eher in der Kategorie Bedienungsanleitung für Handstaubsauger. Und doch wagte Markus Söder neulich die kühne Prognose, das Regierungsprogramm von Union und SPD habe das Zeug zum Bestseller. Ein bisschen dick aufgetragen vielleicht, obwohl das ja sonst so gar nicht die Art des durchwegs demütigen bayerischen Ministerpräsidenten ist. Aber er könnte Recht behalten. Der Koalitionsvertrag kommt am 10. Mai tatsächlich als illustriertes Magazin in die Bahnhofskioske der Republik, quasi zwischen Brigitte und Superillu.
172 Seiten Koalitionsvertrag to go für 12 Euro
172 Seiten „für alle, die Wissen wollen“, wie es auf dem Titelblatt heißt. Kostenpunkt 12 Euro, auch online bestellbar, herausgegeben übrigens nicht als Debütroman von Friedrich Merz, sondern vom Medienunternehmer Oliver Wurm. Der hat den trockenbrotartigen Text von Abkürzungen und Paragrafen befreit und mit Designstudenten auch optisch aufgebrezelt. Eine Riesenidee, die uns noch auf ein paar andere bringt.
Eine Reclamausgabe vom Heizungsgesetz, kommentiert von Robert Habeck?
Wie wär’s zum Beispiel mit einem Bratwurst-Bildband von Brotzeit-Influencer Markus Söder? Oder einer Sammleredition der plattesten Politiker-Plattitüden im Parlament, sortiert nach Jahrgängen? Natürlich wartet die Republik auch auf eine vom bekannten Buchautor Robert Habeck kommentierte Reclamausgabe des Heizungsgesetzes. Jetzt vorbestellen! Altkanzler Olaf Scholz arbeitet Gerüchten zufolge außerdem an einer Broschüre mit dem Titel „Zehn Tipps, wie Sie Ihr Image nachhaltig verbessern“. Und, ein echter Geheimtipp: Die 50 besten Ideen der AfD, die Deutschland wirklich helfen würden – auf 50 leeren Seiten.
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