Sahra Wagenknecht treibt die politische Konkurrenz vor sich hier. Zumindest in Ostdeutschland geht ohne das BSW praktisch nichts – und die Parteigründerin genießt ihre neue Macht recht unverhohlen. Doch das Eis, auf dem sie sich bewegt, ist dünner, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. In Wahrheit könnten die Koalitionsverhandlungen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Entzauberung der Methode Wagenknecht einleiten.
Wer soll dem BSW glauben, dass es ihm darum geht, etwas für die Menschen vor Ort zu tun, wenn die allmächtige Parteichefin so offensichtlich nur darauf aus ist, Punkte für die Bundestagswahl im kommenden Jahr zu machen?
Ausgerechnet ihr schneller Erfolg könnte der 55-Jährigen zum Verhängnis werden. Missbraucht sie ihre Rolle für plumpe taktische Spielchen, für Putin-Propaganda und Polemik gegen den Westen, die Nato oder die Europäische Union, könnte sie potenzielle Sympathisanten abschrecken.
Ist das BSW bereit, Verantwortung zu tragen?
Zeigt sich das BSW hingegen pragmatisch und bereit für Kompromisse, wird es noch vor der Bundestagswahl seinen Anfangszauber verlieren, der ja vor allem darin besteht, alles fordern und behaupten zu können, aber für nichts Verantwortung übernehmen zu müssen.
Dann wird Sahra Wagenknecht ihr Rendezvous mit der Realität erleben. Ohne Kerzenschein. Denn bislang ist das Bündnis, das ihren Namen trägt, ja nur ein Versprechen, dem die Anhängerinnen und Anhänger bereitwillig glauben. Ob Wagenknecht dieses Versprechen halten kann, hinterfragen offenbar nur wenige. Doch nichts ist bitterer als enttäuschte Zuneigung.
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