Rentnerinnen und Rentner können sich im kommenden Jahr über eine Rentenerhöhung freuen: Ab Juli 2026 steigen die Renten laut Prognose der Rentenversicherung um rund 3,7 Prozent, was bei 1500 Euro Monatsrente ein Plus von 56 Euro bedeutet. Auch für die Folgejahre erwartet die Bundesregierung weitere Steigerungen, erklärte Alexander Gunkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung, bei der Herbsttagung in Würzburg. Die Bundesregierung will das Rentenniveau bis 2031 garantieren. Es soll nicht unter die derzeit festgeschriebenen 48 Prozent fallen. Kritisch sehen das junge Abgeordnete von CDU und CSU. Sie befürchten, dass die Zusatzkosten des Rentenpakets die junge Generation stark belasten könnten.
Warum steigen die Renten?
Die Renten steigen, weil die Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland gestiegen sind. Wenn, wie aktuell, die Löhne um etwa 3,6 Prozent steigen, erhöhen sich die Renten im Folgejahr in ähnlicher Höhe.
Wie gut ist die Rentenversicherung finanziell aufgestellt?
Die Rentenversicherung steht laut Gunkel derzeit finanziell solide da, auch wenn die Ausgaben die Einnahmen bereits in diesem Jahr um vier Milliarden Euro übersteigen. 77 Prozent der Ausgaben werden durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gedeckt, 22 Prozent sind staatliche Zuschüsse, die 2025 bei 93,2 Milliarden Euro liegen. Diese Gelder sichern Rentenansprüche und finanzieren die nicht beitragsgedeckten Sonderleistungen wie Kindererziehungszeiten. Bis 2030 wird, bedingt durch den demografischen Wandel, ein Ausgabenanstieg um 26 Prozent erwartet.
Wie wirkt sich das geplante Rentenpaketaus?
Die Regierung garantiert bis mindestens 2031 ein Rentenniveau von 48 Prozent. Das bedeutet: Nach 45 Beitragsjahren bekommt ein Rentner rund 48 Prozent des durchschnittlichen Nettoarbeitslohns als Rente. Ab 2032 wird das Rentenniveau nach bisheriger Rechtslage sinken, zunächst auf 47,9 Prozent und bis 2040 auf 46,3 Prozent. Die Rente fällt dann trotz gleicher Beitragsjahre und gleichem Einkommen geringer aus.
Steigen die Rentenbeiträge?
Ja. Gunkel spricht vom „ersten Beitragsanstieg seit 2007“. Der Beitragssatz steigt laut Prognose 2028 auf 19,8 Prozent – das sind 1,2 Prozentpunkte mehr, verteilt auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer. So würden Beschäftigte mit einem Einkommen von 3.000 Euro brutto etwa 18 Euro monatlich mehr in die Rentenkasse einzahlen. Dazu kommen die langfristigen Zusatzkosten des neuen Rentenpakets, die Gunkel auf über 200 Milliarden Euro bis 2040 beziffert.
Warum ist das geplante Rentenpaket so teuer?
Das Rentenpaket führt zu Mehrausgaben, weil das Rentenniveau langfristig stabilisiert wird und Leistungen wie die Mütterrente ausgeweitet werden. Zudem kommen durch den demografischen Wandel immer mehr Rentner hinzu, was die Ausgaben weiter steigen lässt.
Wer trägt die Last der höheren Beiträge?
Vor allem Beschäftigte und ihre Arbeitgeber spüren die Folgen: Alle, die arbeiten - egal ob jung oder alt - werden künftig höhere Beiträge zur Rentenversicherung zahlen müssen, unabhängig davon, ob das neue Rentenpaket kommt oder nicht. Vorstandschef Gunkel, der auch Vertreter der Arbeitgeber ist, betont: Es wäre sinnvoll, die Renten zwar weiter zu steigern, aber nicht ganz so stark wie die Löhne.
Was bedeutet das für Jüngere ?
Jüngere Generationen müssen künftig höhere Beiträge leisten als frühere Generationen. „Es ist positiv, dass die betriebliche Altersvorsorge gestärkt wird und eine attraktive Nachfolge für die Riester-Förderung geplant ist“, sagt Gunkel. Er betont, dass junge Menschen zeitgemäße private Vorsorgemöglichkeiten benötigen, um zusätzliches Alterseinkommen anzusparen.
Ist die Rente auch in ein paar Jahren sicher?
Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert im Umlageverfahren: Erwerbstätige finanzieren mit ihren Beiträgen die laufenden Rentenzahlungen. „Dieses System garantiert, dass immer Rente ausgezahlt wird, solange genügend Menschen arbeiten und gemeinsam mit ihren Arbeitgebern Beiträge zahlen. Bisher hat sich das Umlageverfahren als flexibel und robust erwiesen“, sagte Gunkel. Die genaue Höhe der Renten lasse sich zwar nicht garantieren, aber die Renten würden weiterhin steigen und könnten auch langfristig verlässlich gezahlt werden.
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