Die politische Karriere von Jette Nietzard ist (vorerst) vorbei wie das alte Jahr, doch die ehemalige Chefin der Grünen Jugend bleibt sich treu. Zum Jahreswechsel provozierte sie wieder mit einem Böller-Spruch: „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, müssen zumindest keinen Wehrdienst leisten“, stellte sie auf die Kurznachrichtenplattform X. Und legte nach: „Heute über Kids mit Schreckschusswaffe aufregen, um sie dann ab morgen zu zwingen, eine echte zu bedienen.“
Nietzards Affront erinnert an ihre Silvesterprovokation ein Jahr zuvor. „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen“, hatte sie geschrieben und einen Wirbel der Entrüstung ausgelöst. Großen Ärger handelte sie sich später mit ihrer eigenen Partei ein, als sie die Polizei beleidigte. Ende Mai hatte sie als Vorsitzende der Grünen Jugend auf Instagram ein Bild von sich gepostet, auf dem sie einen Pullover mit den Buchstaben „ACAB“ trug. Hinter dem Akronym „ACAB“ verbirgt sich der Satz „All Cops Are Bastards“, zu Deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde.
Grünen-Ministerpräsident Kretschmann forderte ihren Austritt
Die Parteispitze distanzierte sich von der Nachwuchspolitikerin. In Baden-Württemberg sah sich der Grünen-Spitzenkandidat, Cem Özdemir, um seine Wahlchancen gebracht. Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann legte Nietzard den Parteiaustritt nahe. „Ich verstehe überhaupt nicht, was die bei uns will“, meinte er seinerzeit.
Die heute 27-Jährige wollte nach eigener Aussage darauf aufmerksam machen, dass es bei der deutschen Polizei ein strukturelles Rassismusproblem gebe. Auch CSU-Chef Söder wurde von ihr hart angegriffen, sie bezeichnete ihn in einem kurzen Video als „Hundesohn“.
Im Herbst verzichtete Nietzard darauf, sich zur Wiederwahl für eine weitere Amtszeit zu stellen. Sich selbst hält sie zugute, den zerstrittenen Jugendverband der Grünen geeint und politische Debatten angestoßen zu haben. „Beliebt gemacht hat mich das jetzt nicht, aber mein Versprechen habe ich gehalten, niemandem in den Arsch zu kriechen“, sagte sie in ihrer Abschiedsrede. Nicht immer sei es für sie leicht gewesen, die teilweise heftigen Reaktionen auf ihre Provokationen zu verarbeiten. „Sie wollen sehen, dass mir das nahe ging, was passiert ist, und dass ich verzweifelt bin. Und das wollte ich ihnen nicht zeigen“, erklärte Nietzard.
Zwischenzeitlich hatte die Rheinländerin mit ihrer Jobsuche ebenfalls Schlagzeilen produziert, weil sie nicht 40 Stunden in einem Büro sitzen wollte. Seit Anfang Dezember arbeitet sie jetzt im Bundestag für eine Abgeordnete ihrer Partei.
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