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Jimmy Kimmel kehrt zurück – aber Donald Trump attackiert weiter die Meinungsfreiheit

Kommentar

Jimmy Kimmels Late-Night-Rückkehr ist nur ein halbes Happy End

Karl Doemens
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    Jimmy Kimmel kommt ins US-Fernsehen zurück.
    Jimmy Kimmel kommt ins US-Fernsehen zurück. Foto: Scott A Garfitt/Invision, dpa

    Sechs Tage war Jimmy Kimmel von den amerikanischen Fernsehschirmen verschwunden. Wenn der Comedian mit seiner Late-Night-Talkshow heute Abend zurückkehrt, sind ihm Rekordeinschaltquoten sicher: Selten hat die Absetzung einer Fernsehsendung solche Wellen geschlagen wie in diesem Fall.

    Kimmels Show war am vergangenen Mittwoch völlig überraschend vom Sender ABC, der zum Disney-Konzern gehört, auf unbestimmte Zeit aus dem Programm genommen worden. Zuvor hatte der mit Donald Trump verbündete Chef der US-Rundfunkbehörde dem Unternehmen offen mit der Untersagung einer geplanten Fusion gedroht. Der Präsident feierte das Aus als „gute Nachricht für Amerika“ und forderte die Absetzung zweier weiterer Late-Night-Talkshows beim Sender NBC.

    Im liberalen Amerika feiern viele den „Sieg der Meinungsfreiheit“

    Es klingt also wie ein hollywoodreifes doppeltes Happy End, wenn Disney nun zurückrudert und die seit 22 Jahren laufende Show weiterführt: Kimmel hat mehr öffentliche Aufmerksamkeit denn je. Und Trump wird endlich einmal in die Schranken verwiesen. Entsprechend groß ist die Freude im liberalen Amerika, wo nun viele den „Sieg der Meinungsfreiheit“ feiern.

    Doch für eine Entwarnung gibt es leider keinen Grund: Eine einzelne Late-Night-Talkshow mag fürs Erste gerettet sein, weil einem Unterhaltungskonzern angesichts des öffentlichen Protestes doch etwas mulmig wurde. Aber Trumps autoritäre Kampagne zur Niederschlagung unbequemer Meinungen nach der Ermordung des Rechtsnationalisten Charlie Kirk ist damit keineswegs gestoppt.

    Donald Trump droht Fernsehkanälen mit dem Entzug von Sendelizenzen

    Seit Tagen nutzt der Präsident das von einem Einzeltäter begangene Attentat als Anlass, um eine ominöse „radikale Linke“ zum Volksfeind Nummer eins aufzubauen. Bei seinem Feldzug gegen diesen Popanz droht er kritischen Fernsehkanälen offen mit dem Entzug der Sendelizenzen, will unabhängigen Stiftungen die Steuerbefreiung streichen und erklärt nun die dezentrale Bewegung der Antifa zur terroristischen Vereinigung. Bei der Bekämpfung möglicher Straftaten aus deren Umfeld wird das kaum helfen. Aber es erleichtert künftig beispielsweise die Einschränkung des Demonstrationsrechts.

    Die Rückkehr von Jimmy Kimmel ist also allenfalls ein Etappensieg im Kampf um die „Free Speech“. Aber der Vorgang hält eine wichtige Lehre bereit: Dem Einknicken von Disney ging nämlich eine massive Protestwelle voraus. Mehr als 400 Stars aus Film, Fernsehen und Theater warnten in einem offenen Brief vor einem Abgleiten der USA in finsterste Zeiten und erklärten: „Wenn es einem von uns passiert, passiert es allen.“ Fünf Hollywood-Gewerkschaften erklärten sich mit Kimmel solidarisch. Und in New York trat der Intendant der berühmten Metropolitan Opera vor der jüngsten Opern-Premiere auf die Bühne und hielt eine Brandrede.

    Ganz machtlos ist die Zivilgesellschaft dem Möchtegerndiktator im Weißen Haus bei der Verteidigung ihrer demokratischen Rechte also nicht ausgeliefert. Aber sie braucht mehr Courage – und einen langen Atem.

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