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Jugend ist politisch engagiert wie noch nie, lasst sie machen!

Kommentar

Die Jugend ist politisch engagiert wie nie. Lasst sie machen!

Lena Jakat
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    An diesem Freitag kommt die Grüne Jugend zu ihrem traditionellen Bundeskongress zusammen.
    An diesem Freitag kommt die Grüne Jugend zu ihrem traditionellen Bundeskongress zusammen. Foto: Lino Mirgeler, dpa (Archivbild)

    Die Politik hat ein Jugendproblem. Damit ist hier nicht gemeint, dass die mächtigsten Regierungsämter der Welt aktuell von Männern jenseits der 70 besetzt werden. Auch nicht, dass der Friedrich Merz diese Altersgrenze in ein paar Wochen ebenfalls überschritten haben wird oder dass sein Kabinett mit durchschnittlich 53,1 Jahren deutlich älter ist als das seines Vorgängers Olaf Scholz. Nein, es geht um die Frage, warum sich die Politik so schwer damit tut, einen guten Umgang mit jungen Menschen zu finden.

    Das fängt bei den Jugendorganisationen der Parteien an. Deren Mitglieder sind in ihren politischen Ansichten in aller Regel klarer, idealistischer, schärfer, ja auch radikaler als die Mutterpartei. Das kann für letztere ziemlich anstrengend und nervig sein. Und das geht beim Wahlvolk weiter. Während es sich für die Parteien lohnt, bestimmte Wählergruppen besonders im Blick zu behalten - Rentnerinnen, Landwirte oder Selbstständige – sind junge Menschen einfach keine attraktive Gruppe. Weniger als zehn Prozent der Wahlberechtigten sind unter 25, selbst die Gruppe der Bis-35-Jährigen macht weniger als ein Fünftel aus. Ihre Stimmen sind also rein zahlenmäßig nicht entscheidend für den Erfolg.

    Eigentlich lohnt es sich nicht, in junge Zielgruppen zu investieren

    Außerdem sind junge Menschen alles andere als zuverlässig, was ihr Wahlverhalten angeht. Enttäuschende Erfahrungen mit Regierungsparteien lassen sich in dieser Gruppe besonders klar am Wahlergebnis ablesen, die Jungen wählen volatil, sie wählen immer mehr – und zum Teil auch weit - abseits der Volksparteien, die 1972 noch 90 Prozent der Jungwählerstimmen bekamen. Wahlkampftaktisch gibt es für die Parteien also keinen Grund, übermäßig in junge Wähler oder Nachwuchsarbeit zu investieren.

    Aber wenn wir davon ausgehen, dass Politik mehr ist als Wahlkampftaktik, dass die Parteien es ernst meinen mit ihrem Dauerschleifenversprechen von grundlegenden Reformen: Wenn es wirklich gelingen soll, aus dem kurzatmigen Rhythmus der Wahlperioden auszubrechen, dann braucht es langfristige Perspektiven, die Perspektiven junger Menschen. Es braucht ihre Ideen, ihre Stimmen und ihr Engagement.

    So viele Jugendliche politisch interessiert wie nie

    Die Voraussetzungen dafür sind heute so gut wie noch nie: 55 Prozent – viel mehr als noch vor zehn, 20 Jahren – bezeichnen sich als politisch interessiert. Jeder zweite informiert sich aktiv über Politik (übrigens entgegen aller Vorurteile nur zu einem Prozent ausschließlich über Social Media!) Die Jugend ist in den letzten Jahrzehnten politischer geworden, und sie ist es geblieben, auch nachdem der Hype um Fridays for Future und Greta Thunberg wieder abgeebbt ist. Die Bereitschaft zum politischen Engagement hat ebenfalls deutlich zugenommen – von 22 Prozent 2002 auf 37 Prozent 2024. Wahr ist allerdings auch: Junge Menschen zweifeln an ihren eigenen Einflussmöglichkeiten, sie vertrauen nicht darauf, dass Parteien ihre Anliegen durchsetzen – wie wir gesehen haben, womöglich zu recht -, sie vermissen die konkreten Möglichkeiten sich zu engagieren.

    Das sind die Ansatzpunkte, wenn die Politik ihr Jugendproblem angehen will: Die Jungen zu ermutigen, ihnen attraktive Angebote zu machen, Vertrauen zu stiften und so das riesige gesellschaftliche Potenzial zu nutzen, das da auf dem Silbertablett liegt, sollten sich die demokratischen Parteien zur obersten und feinsten Aufgabe machen. Denn es geht um die Zukunft, auch um ihre.

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