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Facebook wird rechter: Zuckerbergs Moral ist käuflich

Kommentar

Bei Facebook ist die Moral käuflich

Christof Paulus
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    Mark Zuckerberg schafft bei Meta die Faktenchecker ab – und wirft ihnen vor, „politisch voreingenommen“ zu sein. Auf seinem T-Shirt ist zu lesen: „Entweder Zuck oder nichts.“
    Mark Zuckerberg schafft bei Meta die Faktenchecker ab – und wirft ihnen vor, „politisch voreingenommen“ zu sein. Auf seinem T-Shirt ist zu lesen: „Entweder Zuck oder nichts.“ Foto: Godofredo A. Vásquez, dpa

    Soziale Medien sind nicht das echte Leben, und das ist auch gut so. Wenn nach Elon Musk, dem Inhaber des Kurznachrichtendienstes X, nun aber auch Meta-Gründer Mark Zuckerberg Faktenchecker abschafft, Hassrede weniger moderieren will und seine eigene Plattform der „Zensur“ bezichtigt, ist das dennoch höchst problematisch. Denn Plattformen wie Facebook und Instagram haben Macht über uns, weit mehr, als wir ihnen zugestehen sollten. Und dabei ist der jüngste Kurswechsel Zuckerbergs wohl ein Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit.

    Das, was der 40-jährige Multimilliardär in seiner Stellungnahme am Dienstag angekündigt hat, klingt erschreckend nach den Zielen, die Musk mit X verfolgen dürfte: 2022 hatte er die Plattform gekauft, die damals noch Twitter hieß. Er entließ die Hälfte der Belegschaft, änderte Namen und Logo und ließ den Algorithmus überarbeiten. Seither werden dort nicht nur pornografische und gewaltverherrlichende Inhalte offen ausgespielt, auch politisch hat die Plattform ganz offensichtlich Schlagseite bekommen: Forscher wiesen nicht nur nach, dass Musks eigene Posts eine auffallend große Reichweite hatten. Auch Inhalte von republikanischen Politikern in den USA erreichten bedeutend mehr Nutzerinnen und Nutzer als vergleichbare Nachrichten der Demokraten. Dass Musk, der den Republikaner Donald Trump unterstützt, damit seine Plattform für den US-Wahlkampf missbrauchte, ist augenscheinlich.

    Donald Trump nannte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen „Feind“

    Zumindest letzteres kann man Zuckerberg nun nicht vorwerfen: Trump bezeichnete ihn als „Feind des Volkes“ und drohte ihm, den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen zu müssen. Der künftige und ehemalige US-Präsident hatte es Zuckerberg wohl übel genommen, dass sein Facebook-Account 2021 gesperrt wurde. Zudem kritisierte Zuckerberg 2020 Trump noch dafür, dass er der „Black Lives Matter“-Bewegung vorwarf, sie „hasse unser Land“. Im vergangenen Wahlkampf verhielt sich der Facebook-Gründer jedoch beiden Kandidaten gegenüber neutral. Und ob Zuckerberg tatsächlich ein erklärter Gegner des Trumpismus ist, darf bezweifelt werden – zu anfällig ist sein Netzwerk Facebook dafür, dass Nutzerinnen und Nutzer darauf Verschwörungserzählungen und Falschnachrichten verbreiten und sich radikalisieren.

    Nach Trumps gewonnener Wahl spendete Zuckerberg gar für dessen Amtseinführung, traf sich mit ihm auf seinem Anwesen in Florida und sammelte Trump-Vertraute um sich. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Großunternehmer mit käuflicher Moral hier versucht, sein Geschäftsmodell zu schützen.

    Der neue US-Präsident ist zwar unberechenbar und irrational – wer einen Beleg dafür sucht, muss sich nur seine neuesten Pläne ansehen, mit denen er die Kontrolle über Grönland, Kanada oder den Panamakanal erlangen will, notfalls womöglich auch mit militärischer Gewalt und auf Kosten der Nato. Die einzigen Werte, die Trump verlässlich zu schätzen weiß, und auf die offenbar auch Zuckerberg nun hofft, sind Loyalität und Unterwürfigkeit.

    Was Facebook in den USA und Europa unterscheidet

    Für Europa liegt in Zuckerbergs Motiven zumindest ein Rest Hoffnung. Dass soziale Medien anfällig für Hass und Desinformation sind, liegt an ihrer Struktur, die polarisierende und emotionale Inhalte bevorzugt und ein Umfeld schafft, in dem sachliche Nachrichten ihr Publikum kaum erreichen. Weil inzwischen beispielsweise über ein Drittel der Deutschen seine Nachrichten in sozialen Medien konsumiert, setzt das auch die Demokratie unter Druck. Auf Drängen der Politik schufen Zuckerberg und seine Mitstreiter einst Mechanismen, die Fake News und Hass einschränken – um sie nun in den USA wieder abzureißen. Doch Zuckerbergs Kurswechsel, der wohl rechten und rechtsextremen Inhalten auf seiner Plattform Vorschub leisten wird, ist vermutlich keine ideologische Überzeugungstat, sondern unternehmerisches Kalkül – anders als offenbar bei Musk. Dieser hat den Umbau von X zu einer Propagandaplattform teuer bezahlt: Statt rund 40 Milliarden US-Dollar bei der Übernahme wird der Wert von X heute nur noch auf rund 10 Milliarden geschätzt.

    Für Musk ist das verkraftbar, seine anderen Geschäftsfelder florieren an der Seite von Trump mehr denn je, auch über X hat er sich seinen Einfluss regelrecht erkauft. Für Zuckerberg ist jedoch das Geschäft mit den sozialen Medien eben nicht nur eine von vielen Einnahmequellen. Dass er nun in den USA im vorauseilenden Gehorsam dem Druck der angehenden US-Regierung nachgibt, muss nicht bedeuten, dass er in Europa den gleichen Weg einschlagen muss; dazu passt, dass Facebook in Europa die Faktenchecker aktuell erhalten will. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring hat Facebook-Vertreter in Europa indes zum Rapport gebeten und will prüfen, ob sich das Unternehmen hierzulande an Vereinbarungen zu Bekämpfung von Fake News hält. Und die EU-Kommission warnte Zuckerberg bereits eilig davor, Facebook-Maßnahmen gegen Desinformation aufzuweichen. Anhänger der Demokratie müssen hoffen, dass die Warnung wirkt.

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