Die Erinnerung an die furchtbare Terrorwelle, die Deutschland und andere europäische Länder vor noch nicht einmal zehn Jahren erfasst hatte, ist sofort wieder lebendig. Ein radikalisierter Islamist tötet wahllos Menschen. So war das 2016 am Berliner Breitscheidplatz, so ist es nun beim Stadtfest in Solingen. Leider erinnern auch die politischen Reaktionen fatal an damals und zeigen, dass es den Verantwortlichen bis heute nicht gelingen will, jenseits der üblichen Phrasen und Floskeln mit dem Thema umzugehen. Messer verbieten, rufen die einen. Abschieben, die anderen. Beides ist wichtig, doch als Einzelmaßnahmen werden sie am Gewaltproblem kaum etwas ändern.
Messerverbotszonen brauchen ständige Kontrolle, wenn der Staat sie wirklich ernst nimmt. Hinzu kommt: Terroristen nutzen das Mittel, das für sie am einfachsten verfügbar ist – mal ist es ein Auto, mal ein Messer. Auch das Thema Abschiebungen ist leider viel komplizierter als es die Parolen, die jetzt zu hören sind, glauben machen wollen. Rückführungen nach Syrien und Afghanistan, also in die Länder, aus denen besonders viele gewaltgewöhnte junge Männer nach Deutschland kommen, scheitern häufig am Grundlegenden: Es gibt keine Zusammenarbeit mit den Regimen vor Ort. Wer hier einfache Lösungen verspricht, macht den Menschen etwas vor.
Ist Solingen erst der Anfang? Deutschland muss langfristig denken
Deutschland muss langfristig denken. Es braucht ein Konzept, wie es mit Gewalt und besonders mit Gewalt, die von Migranten ausgeht, umgehen kann. Mehr Prävention, bessere Integration und ein Asylsystem, das es dem Land auch ermöglicht, ohne Überforderung diese Aufgaben zu übernehmen. Wohin die immer gleichen Rufe nach kurzfristigen und dann doch wenig hilfreichen Maßnahmen führen, hat Solingen leider einmal wieder eindrucksvoll gezeigt. Erlauben können wir uns das kaum: Wenn der IS es schafft, wieder mehr Täter für sich zu rekrutieren und der Krieg in Nahost dafür als Motivationshilfe dient, könnte das Attentat vom Freitagabend erst der Anfang gewesen sein.
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