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Krieg in der Ukraine: Ist es problematisch, Videos von Luftschlägen in der Ukraine zu teilen?

Krieg in der Ukraine

Ist es problematisch, Videos von Luftschlägen in der Ukraine zu teilen?

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    Mindestens eine Frau starb am Montagmorgen bei einem russischen Drohnenangriff auf dieses Wohnhaus in Kiew.
    Mindestens eine Frau starb am Montagmorgen bei einem russischen Drohnenangriff auf dieses Wohnhaus in Kiew. Foto: Efrem Lukatsky, dpa

    Vom 15. Stock einer Vier-Sterne-Unterkunft hat man Kiew gut im Blick. Und damit fängt die Problematik bereits an: Sollte hier der genaue Name des Hotels stehen oder zumindest das Stadtviertel, um so genau wie möglich zu beschreiben, wie die ukrainische Hauptstadt erneut von russischen Luftschlägen ins Visier genommen wird? Oder würde das Katrin Eigendorf in Gefahr bringen?

    Die ZDF-Korrespondentin teilte am Montagmorgen ein Video, aufgenommen von ihrem Kameramann, aus ebenjenem Hotelrestaurant. Es zeigt, wie eine russische Drohne über den wolkenlosen Kiewer Morgenhimmel kreist. Im Hintergrund Stimmengewirr: „Da geht sie runter.“ – „Auf uns?“ – „Detonation in zwei Sekunden.“ Ein Schlag, eine dicke Rauchsäule. Einige Straßenzüge weiter schlägt die Drohne ein.

    Auch ein anderer Kriegsreporter hat den Angriff aufgezeichnet. Er teilt das Video bewusst nicht

    Dass Eigendorf ihre Aufnahmen so kurz nach dem Angriff teilt, stößt auf teils harte Kritik in sozialen Netzwerken. Der Tenor: Sie gebe durch die Aufnahmen der russischen Armee die Chance, ihre Angriffe nachzujustieren. Ist das wirklich so?

    Trey Yingst ist so etwas wie der Paul Ronzheimer der US-Medienlandschaft. Als Kriegsreporter war er für Fox News vor allem im Gazastreifen unterwegs. Nun berichtet er seit Monaten von der ukrainischen Front. Auch Yingst twitterte am Montagmorgen aus Kiew, allerdings lediglich ein Bild des rauchverhangenen Himmels. Die Innenstadt sei unter Drohnenbeschuss, schrieb er, „ich habe es auf Video, teile es aus Sicherheitsgründen aber nicht“.

    Krieg ist einem ständigen Wandel unterworfen. Nahm Russlands Präsident Wladimir Putin sein Nachbarland den Frühling und Sommer über noch hauptsächlich durch konventionelle Raketenschläge in Beschuss, setzt er seit Mitte September verstärkt auf iranische Drohnen vom Typ Shahed 136, sogenannte Kamikaze-Drohnen. Entschlüsselten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg den Nachrichtenverkehr der Wehrmacht noch mit einer Maschine namens Enigma, kann heutzutage jeder Post, jeder Tweet, jedes TikTok-Video dem Gegner Aufschluss über eigene Stellungen, Ziele und Truppenbewegungen geben.

    Es geht nicht nur um die Waffenstärke, sondern auch um Informationshoheit

    Nie ist Krieg nur ein reines Gegenrechnen der jeweiligen Arsenale gewesen, er war immer auch ein Kampf um die Informationshoheit. Deshalb bestrahlt Putin sein Volk mit Märchengeschichten seiner „Spezialoperation“. Deshalb liefert der US-Geheimdienst wichtige Satellitenbilder an die Führungsstellen in Kiew. Deshalb hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Medienfreiheit in seinem Land eingeschränkt und eigentlich streng reguliert, welche Fotos und Videos geteilt werden dürfen und welche nicht.

    „Im Zweifelsfall ist es besser, solche Videos nicht direkt zu teilen“, sagt auch Christian Mölling, Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, im Gespräch mit unserer Redaktion. Ob russische Truppen das Bildmaterial wirklich zu ihrem Vorteil nutzen können, hänge aber vom jeweiligen Angriff ab: „Wenn die Drohne als Terrorwaffe eingesetzt wird, ist es vollkommen egal. Da sind die Willkür und das Nichttreffen des Ziels Teil des Plans.“ Verfolge der Schlag aber eine militärische Intention und ein bestimmtes Ziel soll getroffen werden, sei es sinnvoll, mit dem Verbreiten solcher Videos einen halben Tag zu warten, sagt Mölling. Auch Wolfgang Richter, Osteuropa-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik und Oberst a. D., sieht die Sache gespalten: "Ich gehe davon aus, dass die Russen genügend Informanten vor Ort haben, um selbst festzustellen, ob sie das richtige Ziel getroffen haben. Aber insgesamt sollte man sich als Reporter zurückhalten in der genauen Angabe von getroffenen Zielen", sagt er im Telefongespräch.

    Mindestens eine Frau fiel dem Drohnenschlag zum Opfer

    Wie Beobachter vor Ort berichten, sollte der Luftangriff einem Wärmekraftwerk gelten. In Wirklichkeit trafen die Angriffe unter anderem ein Wohnhaus in Kiews Innenstadt. Nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko seien 18 Menschen gerettet worden. Mindestens eine Frau aber sei dem Luftschlag am Montag zum Opfer gefallen.

    37 russische Drohnen habe seine Luftabwehr seit Sonntagabend abgefangen, sagte der ukrainische Luftwaffensprecher Jurij Ihnat im Anschluss. Das seien rund 85 Prozent der ursprünglich involvierten Drohnen. Der Luftangriff auf Kiew, den das Team von Katrin Eigendorf am Morgen vom Hotelrestaurant aus beobachtete – er hätte noch weitaus schlimmer ausfallen können.

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