Von Christian PutschAls in Lilongwe die letzten Stimmen gezählt waren, stand ein Comeback, das viele für unmöglich gehalten hatten: Peter Mutharika, 85, siegte vor wenigen bei den Wahlen in Malawi dem offiziellen Endergebnis zufolge mit 56,8 Prozent. Amtsinhaber Lazarus Chakwera kam lediglich auf 33 Prozent.
Für viele Wähler war es ein Votum der Verzweiflung angesichts einer am Boden liegenden Wirtschaft. „Zurück zu bewährter Führung“ – so lautete das gewagte, aber letztlich erfolgreiche Mantra von Mutharika. Er hatte das Land bereits in den Jahren 2014 bis 2020 mit mäßiger Bilanz angeführt und dann die Wahlen krachend gegen Chakwera verloren. Aber so schlimm wie heute stand es um die Wirtschaft damals nicht.
Der Fall Mutharika ist beispielhaft für Afrika - und das leider gleich in vielfacher Hinsicht. Denn nicht nur die strauchelnde Wirtschaft ist ein Massen-Phänomen. Auch das biblische Alter des Präsidenten ist kein Einzelfall auf dem Kontinent. Nirgendwo ist die Bevölkerung jünger – das Medianalter südlich der Sahara liegt bei etwa 19 Jahren, in manchen Ländern darunter –, nirgendwo regieren im Schnitt greisere Staatschefs.
In Kamerun peilt Paul Biya mit 90 Jahren eine weitere Amtszeit an
Das Durchschnittsalter afrikanischer Präsidenten beträgt 63 Jahre. Zwischen ihnen und dem Gros der ohnehin jungen Bevölkerung klafft ein Altersabstand mehrerer Generationen. In Kamerun peilt Paul Biya jenseits der 90 eine weitere Amtszeit an, obwohl er immer wieder monatelang in einem Schweizer Luxushotel verweilt – auch wegen der besseren medizinischen Versorgung.
Der Sudanese Mo Ibrahim, Unternehmer und Stifter des renommierten „Ibrahim Prize for Achievement in African Leadership“, brachte das Problem vor zwei Jahren in einem Beitrag der US-Denkfabrik „Wilson Center“ auf den Punkt: „Politische Macht liegt in den Händen alternder Anführer, die wenig Wissen oder Interesse an den Ambitionen und Sorgen der jungen Generation haben - und leider noch weniger Interesse daran, die Zügel der Macht weiterzugeben.“ Dieses gewaltige Altersgefälle zwischen Regierenden und Regierten, erschwert Reformen und verschärft die Kluft zwischen politischen Prioritäten und den wirtschaftlichen Erwartungen der Jugend, analysierte das „Wilson Center“.
In einigen Ländern klammert sich eine Generation an die Macht, die in den 1990er Jahren als demokratische Hoffnungsträger gefeiert wurde, wie etwa Yoweri Museveni in Uganda. Vielerorts scheuen Regierungsparteien den Führungswechsel, weil über Jahrzehnte gewachsene Patronage-Netzwerke an einer Person hängen. Nonchalant wurden reihenweise Amtszeitenbegrenzungen abgeschafft.
Die beiden jüngsten haben sich an die Macht geputscht
Es ist bezeichnend, dass sich die beiden jüngsten Präsidenten des Kontinents, Ibrahim Traoré, 36, in Burkina Faso und Assimi Goïta in Mali, 42, an die Macht geputscht haben. Obwohl die Mehrheit der jungen Afrikaner in Afrika weiterhin Demokratie als das bevorzugte Staatssystem bezeichnen (trotz sinkender Zustimmungswerte), genießt besonders der vom Volk nicht legitimierte Traoré Popularität, die weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Auch mithilfe russischer Propaganda – er gilt als Kreml-nah und lässt sich von russischen Soldaten schützen.
In Malawi aber ist die Lage komplexer. Das Land im Süden Afrikas hat eine vergleichsweise unabhängige Justiz, in den vergangenen beiden Jahrzehnten gab es mehrere friedliche Machtwechsel. Auch jetzt akzeptierte Chakwera die Niederlage.
Ein gefrorenes Hähnchen kostet in Lilongwe umgerechnet knapp 20 Euro, der Großteil der Menschen lebt von weniger als zwei Euro am Tag. Seit 2023 trafen Zyklone und Dürre die Landwirtschaft, Devisenengpässe machen Treibstoff rar. Die ökonomische Not war letztlich stärker als die berechtigte Frage, ob ein 85-Jähriger die Kraft für Reformen hat.
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