Olly Foster sitzt am Samstagabend in einem Zug Richtung London, als plötzlich Panik ausbricht. „Lauft, lauft, da sticht jemand auf alle ein!“, hört er Passagiere schreien. Zunächst hält er das für einen makabren Halloween-Scherz. Doch als Menschen an ihm vorbeidrängen, sieht er Blut an seiner Hand, von einem Sitz, an den er sich eben noch gelehnt hatte.
Als der , strömen verängstigte Fahrgäste hinaus. Einsatzkräfte, darunter bewaffnete Polizisten und Luftrettungsteams, sind bereits vor Ort. Zwei Personen werden noch am Bahnhof festgenommen. Mindestens elf Menschen werden teilweise schwer verletzt. Tote werden zunächst nicht gemeldet.
Bahnhof Huntingdon: Jacken und Gepäckstücke auf dem Boden verstreut
Am Sonntagmorgen steht der Zug noch immer im Bahnhof der englischen Kleinstadt. Absperrbänder flattern im Wind, auf dem Boden liegen Jacken und Gepäckstücke der Passagiere verstreut. Forensische Ermittler sichern Spuren, fotografieren und sammeln Beweismaterial. Doch . Wer sind die mutmaßlichen Täter? Und handelte es sich bei dem Messerangriff um eine Terrortat?
Bei einer Pressekonferenz am späten Sonntagvormittag gab der Polizeibeamte John Loveless schließlich neue Details bekannt „Derzeit gibt es nichts, was auf einen terroristischen Hintergrund hinweist“, so der Beamte. Innerhalb von acht Minuten nach dem ersten Notruf seien zwei Verdächtige festgenommen worden, ein 32-jähriger „schwarzer britischer Staatsbürger“ und ein 35-jähriger britischer Staatsbürger mit karibischer Herkunft. Beide seien im Vereinigten Königreich geboren worden und stünden nun unter dem Verdacht des versuchten Mordes. Am Sonntagabend gab die Polizei bekannt, dass der 32-Jährige nun der einzige Verdächtige sei. Der andere Mann sei freigelassen worden. Fünf Menschen konnten inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden, hieß es. Eine Person befinde sich weiterhin in lebensbedrohlichem Zustand.
Zwei Menschen in kritischem Zustand
Von den ursprünglich neun Menschen mit lebensbedrohlichen Verletzungen konnten vier inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden; zwei befänden sich weiterhin in kritischem Zustand, so Loveless. Und: „Derzeit gibt es nichts, was auf einen terroristischen Hintergrund hinweist.“
Im Vorfeld hatten die Ermittler darum gebeten, keine voreiligen Schlüsse über mögliche Hintergründe zu den mutmaßlichen Tätern zu ziehen. Auch Labour-Innenministerin Shabana Mahmood rief die Öffentlichkeit zur Zurückhaltung auf: In dieser frühen Phase der Ermittlungen solle man „nicht spekulieren“.
König Charles III. ist tief erschüttert
Die mahnenden Worte kommen nicht von ungefähr – zu präsent sind die Erfahrungen des vergangenen Sommers. Damals gerieten die Behörden nach dem Messerangriff in der Küstenstadt Southport stark unter Druck, weil sich in den Stunden danach in den sozialen Medien die falsche Behauptung verbreitete, der Täter sei ein Asylbewerber gewesen. Die Folge waren landesweite Proteste und rechtsextrem motivierte Ausschreitungen. Tatsächlich handelte es sich um einen 17-jährigen britischen Staatsbürger; seine Eltern waren Jahre zuvor aus Ruanda nach Großbritannien gezogen.
Als Lehre daraus setzen die Behörden bei größeren Einsatzlagen heute auf schnelle, aber überprüfte Informationen, um Spekulationen vorzubeugen. Auch im aktuellen Fall wurde dieses Prinzip angewandt: Schon wenige Stunden nach dem Angriff gab die Polizei Details zur Herkunft der Verdächtigen bekannt.
König Charles III. zeigte sich am Sonntag „zutiefst entsetzt und schockiert“ über den Messerangriff. Seine Gedanken gälten den Opfern und ihren Angehörigen. Nach Angaben der britischen Regierung hat die Zahl der Gewalttaten mit Messern in England und Wales seit 2011 zugenommen. Im Rahmen von neuen Regelungen wurden nach Regierungsangaben zehntausende Stichwaffen beschlagnahmt oder abgegeben. Das illegale Tragen einer Klinge in der Öffentlichkeit kann in Großbritannien mit bis zu vier Jahren Haft geahndet werden.
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