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Nato-Gipfel: USA wollen weitreichende Waffen in Deutschland stationieren

Nato-Gipfel

USA wollen weitreichende Waffen in Deutschland stationieren

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    Überraschende Entscheidung beim Nato-Gipfel: Die USA stationieren wieder weitreichende Waffen in Deutschland.
    Überraschende Entscheidung beim Nato-Gipfel: Die USA stationieren wieder weitreichende Waffen in Deutschland. Foto: Kay Nietfeld, dpa

    Die USA wollen erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Waffensysteme in Deutschland stationieren, die bis nach Russland reichen. Von 2026 an sollen Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit deutlich mehr als 2000 Kilometern Reichweite, Flugabwehrraketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Überschallwaffen für einen besseren Schutz der Nato-Verbündeten in Europa sorgen. Das gaben das Weiße Haus und die Bundesregierung am Rande des Nato-Gipfels in Washington bekannt.

    Die genannten Systeme hätten eine «deutlich weitere Reichweite als gegenwärtige landgestützte Systeme in Europa», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Sie sollen zunächst zeitweise in Deutschland stationiert werden, später permanent.

    Beginn der Stationierung weit nach der US-Wahl

    Die Ankündigung ist eine der wichtigsten Stationierungsentscheidungen der USA für Europa seit dem Nato-Doppelbeschluss aus Dezember 1979. Wie am Rande des Nato-Gipfels in Washington zu hören ist, wurde über die Stationierung seit etwa vier bis sechs Monaten über die neue Stationierung verhandelt, die Einigung erfolgte vor etwa sechs Wochen, den Zeitpunkt der Veröffentlichung jetzt setzten die Amerikaner.

    Federführend auf deutscher Seite waren Kanzleramt und Verteidigungsministerium, auch Oppositionschef Friedrich Merz (CDU) sei über das Vorhaben informiert gewesen, heißt es. Hintergrund sei die Wahrnehmung auf deutscher Seite gewesen, dass sich die Sicherheitslage für die europäischen Nato-Partner seit Putins Überfall auf die Ukraine deutlich verschlechtert habe. Ein weiterer Grund sei, die Nato gewissermaßen „Trump-fest“ zu machen. Zwar solle die Stationierung erster Waffen erst 2026 beginnen, sodass Trump im Falle eines Wahlsiegs noch einen Rückzieher machen könnte. Doch das wird als wenig wahrscheinlich eingeschätzt. 

    Grundsätzlich war die Stationierung bodenbasierter Raketen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometer in Europa bis 2019 verboten. Das sah der sogenannte INF-Vertrag vor, das erste große Abrüstungsabkommen, das die USA und Russland, Reagan und Gorbatschow, 1987 geschlossen hatten. Die USA hatten sich 2019 aus dem Vertrag zurückgezogen, weil Russland durch die Stationierung von Raketen in der Nähe Kaliningrads schon länger dagegen verstoße, ein Vorwurf, den Putin stets zurückgewiesen hatte.

    Interessant dürfte in den nächsten Tagen die innenpolitische Debatte in Deutschland werden, vor allem auch, wie sich eher Nato-kritische Parteien wie AfD und BSW dazu stellen. Gegen den Nato-Doppelbeschluss gingen Anfang der 1980er-Jahre hunderttausende auf die Straße, darunter, im Bonner Hofgarten, auch ein junger Juso-Mann – Olaf Scholz

    F-16-Kampfjets noch im Sommer in der Ukraine

    Die Entscheidung zur Stationierung der weitreichenden Waffen in Deutschland kam überraschend. Zuvor hatten die Nato-Staaten der Ukraine weitere Unterstützung zugesichert. Der Transfer von F-16-Kampfjets sei bereits im Gange, erklärten die USA, die Niederlande und Dänemark. Damit könnten die Maschinen noch diesem Sommer im Abwehrkampf gegen Russland zum Einsatz kommen. Betont wird auf deutscher Seite auch, dass man mit der Stationierung die Debatte über einen gemeinsamen europäischen Atomschirm beenden wolle.

    Marschflugkörper (“Cruise Missiles“) wie zum Beispiel auch das deutsche Waffensystem Taurus sind in der Lage, im Tiefflug weit in gegnerisches Gebiet einzudringen und wichtige Ziele zu zerstören. Dazu können Kommandostellen, Bunker und Radaranlagen gehören. Dabei wird der Tomahawk von Schiffen oder U-Booten eingesetzt, während der Taurus von Flugzeugen aus gestartet wird.

    Das Bündnis sichert der von Russland angegriffenen Ukraine zu, dass sie auf ihrem Weg in das Verteidigungsbündnis nicht mehr aufgehalten werden kann. In dem Text für die Abschlusserklärung des Spitzentreffens wird der Pfad zur Mitgliedschaft als unumkehrbar bezeichnet, wie die Deutsche Presse-Agentur nach den Verhandlungen über das Dokument erfuhr.

    In dem Text wird noch einmal betont, dass eine formelle Einladung zum Beitritt erst ausgesprochen werden kann, wenn alle Alliierten zustimmen und alle Aufnahmebedingungen erfüllt sind. Dazu zählen Reformen im Bereich der Demokratie und Wirtschaft sowie des Sicherheitssektors.

    Scholz zu Luftverteidigung: Prozess nicht abgeschlossen

    Scholz (SPD) stellte der Ukraine weitere Hilfe in Aussicht und bezeichnete die bisherige Unterstützung für das Land mit Luftverteidigungssystemen als „großen Schritt“. „Aus meiner Sicht ist dieser Prozess nicht abgeschlossen“, sagte Scholz vor einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der bedankte sich bei Scholz für die Hilfe: „Danke, Olaf, für die Luftverteidigung.“

    Die USA, Deutschland und weitere Verbündete hatten der Ukraine am Dienstag zum Auftakt des Nato-Gipfels weitere Unterstützung zur Abwehr russischer Luftangriffe zugesagt, darunter auch neue Patriot-Systeme. Vier hat das Land schon, drei davon aus Deutschland.

    Weitere sollen nun folgen: aus den USA, Rumänien und den Niederlanden. Die Rumänen und Niederländer hatten dies schon vorab in Aussicht gestellt. Die Nato-Partner betonten, im Laufe des Jahres sollten weitere Zusagen folgen.

    Scholz sicherte den Verbündeten zu, dass Deutschland seiner Verantwortung als größte europäische Volkswirtschaft auch in schwierigen Zeiten nachkommen werde. „Daraus erwächst uns eine ganz besondere Verantwortung“, sagte er. „Und das kann ich hier ganz klar und deutlich sagen: Wir werden, ich werde dieser Verantwortung gerecht werden.“

    Mindestens 40 Milliarden Euro Militärhilfe

    In dem Text für die Abschlusserklärung wird der Ukraine zugesichert, dass sie innerhalb des nächsten Jahres wieder Militärhilfen im Wert von mindestens 40 Milliarden Euro erhält. Das ist der Betrag, der auch zuletzt mobilisiert wurde.

    Die Zusage bleibt deutlich hinter dem zurück, was der scheidende Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ursprünglich gefordert hatte. Stoltenberg wollte, dass es eine Mehrjahreszusage gibt, um Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu zeigen, dass er nicht auf nachlassendes Engagement des Westens setzen kann. Unter anderem die USA wollten sich nicht langfristig verpflichten.

    Russland kann bisher Luftüberlegenheit nutzen

    Die Ukraine wehrt seit fast zweieinhalb Jahren eine russische Invasion ab und ist dafür auf ausländische Waffenlieferungen angewiesen. Russland nutzt seine Luftüberlegenheit für Angriffe auf die Infrastruktur des Landes, Bevölkerungszentren und die an der Front weitgehend ungeschützt kämpfenden ukrainischen Truppen.

    Sein von Russland angegriffenes Land brauche mindestens 128 Kampfflugzeuge, sagte Selenskyj bei einer Rede in der Ronald-Reagan-Stiftung in Washington. Russland könne täglich 300 Flugzeuge zu Angriffen auf die Ukraine einsetzen.

    Bei der Lieferung geht es nun um F-16-Jets aus amerikanischer Produktion, die von Dänemark und den Niederlanden bereitgestellt werden. „Das Übergabeverfahren für diese F-16 ist jetzt im Gange, und die Ukraine wird diesen Sommer einsatzbereite F-16 fliegen“, hieß es in der Erklärung. „Aus Sicherheitsgründen können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Einzelheiten bekanntgeben.“ Die drei Staaten dankten außerdem Belgien und Norwegen für die Zusage, weitere Flugzeuge für Kiew zur Verfügung zu stellen.

    US-Präsident tritt ohne Panne auf

    Gastgeber Biden steht bei dem Gipfel unter besonderer Beobachtung. Sein TV-Duell gegen Trump endete als Desaster. Seitdem ist er mit Forderungen aus der eigenen Partei konfrontiert, sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückzuziehen. Bislang brachte der US-Präsident seinen Auftritt beim Nato-Treffen jedoch ohne größere Patzer über die Bühne. (mit dpa)

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    4 Kommentare
    Marianne Böhm

    Ich bin damit nicht einverstanden.. denn das macht Deutschland zum Angriffsziel Nr. 1.. Kanzler Scholz sagte Deutschland ist die größte Wirtschaftsnation der EU und müsse deshalb die Vorreiterrolle übernehmen. Haben wir unsere Vergangenheit vergessen.? Wir Nachkriegsgenerationen tragen keine Schuld, aber eine Verantwortung und die müssen wir "JETZT" wahrnehmen. Mit Schuldgefühlen lässt sich nicht gut verhandeln und jede Möglichkeit von Friedengesprächen geht immer. Wir müssen zeigen was wir wollen und uns nicht von anderen sagen lassen was sie wollen. Der kalte Krieg ist da, heute gelesen, ich vermisse den Aufschrei, den Lebenswillen der Menschen, die Stopp, wir wollen keine Kriege fordern. Nein sie stehen mit Schildern auf der Straße und fordern Rüstungswaffen, oder Demokratie, Bunt, gegen Rechts, feiern Gott Fußball, alles Nebenschauplätze, eine Rakete wenn Russland trifft, dann ist der Kriege bei uns. Versuchen wir es halt ! Die Mutter der Dummen ist immer schwanger. Pelzig !

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    Martin Goller

    Genau, auf den Rücken drehen und hoffen dass der Knüppel nur ganz sanft gehauen wird ist ne tolle Idee! Vielleicht dürfen sie ja sogar in einem Gulag den Kapo oder Funktionshäftling machen, solche Leute hat man damals auch in den unterworfen Ostgebieten angeworben - Putin wird sich da sicher ein stellchen für Sie ausdenken.

    Jochen Hoeflein

    Mit der Lieferung F16 wird wieder das Thema Lieferung von Tauris FK aufgekocht. So wie die USA der UA keine Cruise Missiles liefern aus politischen Gründen gilt dasselbe auch für Taurus. Taurus FK haben gegenüber Storm Shadow eine advanced Technologie und eine signifikant höhere Reichweite: USA und DEU wollen nicht in die direkte Konfrontation mit RU geraten.

    Helmut Eimiller

    Habe gelesen, Tomahawks werden von Schiffen und U-Booten aus abgefeuert. Somit dürfte das Lechfeld und ein größeres Umfeld da herum kein erhöhtes Risiko tragen. Und wenn der Westen keinen Beitrag für Abrüstung leistet, dann kann sogar eine eurpäische Produktion langfristig höchstrentabel sein.

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