In vielen Bundesländern sind gerade Herbstferien. Zeit, um noch einmal ans Mittelmeer zu fliegen. Schön warm ist es dort noch. Mallorca etwa üllt sich in den Herbstferien wieder mit Urlaubern, besonders aus Deutschland. Der große Unterschied zu den Sommerferien: Auf der Insel regnet es nun häufiger. Auch mal heftig. Die „Gota fría“, der Kaltlufttropfen, löst immer wieder Unwetter und Überschwemmungen aus. Kalte Luft aus Nordeuropa trifft auf ein noch warmes Mittelmeer – was eine explosive Mischung ergibt.
Doch was tun bei schlechtem Wetter auf einer Sonneninsel? Richtig, in die Städte fahren, zum Bummeln und zum Shoppen. Das machen die vielen Urlauber dann alle auf einmal und versetzen die Lokalpolizei in erhöhte Alarmbereitschaft. Aber nicht nur – sie ruft sogar einen eigenen Aktionsplan aus. Und hat dafür ein Codewort: „Operación nube“, Operation Wolke. Wolke bezieht sich dabei wirklich nur auf Wolke. Es muss noch nicht einmal regnen. Schon wenn der Himmel grau ist, kann das für Verkehrschaos in Palma, Sóller und Valldemosa sorgen. Es gibt Rückstau an den großen Kreuzungen, Busse sind überfüllt, Taxis kaum zu bekommen.
Auch Taschendiebe haben dann leichtes Spiel
Die Lokalpolizei, „Policía local“, positioniert sich bei der Operation Wolke an neuralgischen Punkten, am Eingang von Parkhäusern etwa. In Palma steht sie auch an Kreuzungen von Ringstraße (den Avenidas) und Zufahrten zur Altstadt. Die Operation Wolke beginnt meist um 12 Uhr und dauert bis zum späten Nachmittag. Die Polizisten müssen auch verstärkt auf Taschendiebe achten, weil so viele Menschen in den engen Gassen unterwegs sind. Kommen dann auch noch Kreuzfahrttouristen vom Hafen in die Altstadt gelaufen, ist kein Durchkommen mehr. Die Operation Wolke ist Lokalzeitungen so gut wie jedes Mal eine Meldung wert (zuletzt Ende August). Und Passanten posten Videos von langen Schlangen vor Ampeln – und von Motorrädern, die sie sich in südeuropäischer Manier dadurch schlängeln.
Einheimische wissen, was in der Saison bei Regen in den Städten los ist, Urlauber eher nicht. „Wir waren auf der Suche nach Ruhe“, sagte ein Brite der Inselzeitung Última Hora. „Aber es sind so viele Leute unterwegs, es wäre besser gewesen im Hotel zu bleiben und den Regen anzuschauen.“ Gastronomen, Geschäfte und Souvenirhändler hingegen freuen sich über die Massen in den Gassen, den Schlangen vor den Eisdielen und vor der Xurreria Rosaleda, die in Palma fantastische Churros macht. Ihr Umsatz ist deutlich höher als an Hitzetagen.
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