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Probleme für Macron : Regierung vor dem Sturz: Warum in Frankreich die Dauerkrise regiert

Probleme für Macron

Regierung vor dem Sturz: Warum in Frankreich die Dauerkrise regiert

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    Nach neun Monaten vor dem Aus: Der von Präsident Emmanuel Macron eingesetzte Regierungschef François Bayrou (links) könnte kommende Woche im Parlament sein Amt verlieren.
    Nach neun Monaten vor dem Aus: Der von Präsident Emmanuel Macron eingesetzte Regierungschef François Bayrou (links) könnte kommende Woche im Parlament sein Amt verlieren. Foto: Ludovic Marin, AFP, dpa

    Die Stimmung war bestens und Emmanuel Macron ganz in seinem Element. An der Seite von Friedrich Merz zählte er vor einer Woche in Toulon bei einer gemeinsamen Pressekonferenz beider ehrgeizigen Zukunftspläne auf. Ein breites Grinsen huschte über das Gesicht des französischen Präsidenten, als der deutsche Bundeskanzler einer niesenden Person im Saal auf Französisch „Gesundheit“ wünschte – mit dem Wort „santé“, das in Frankreich eher beim Zuprosten verwendet wird.

    Das Regierungslager hat keine Mehrheit im Parlament

    Doch Macrons Miene verfinsterte sich schlagartig, als ihn ein französischer Journalist mit der letzten Frage, die nichts mit dem deutsch-französischen Ministerrat zu tun hatte, zurück in die Abgründe der nationalen Politik holte. „Warum“, wollte der Reporter von Frankreichs Staatschef wissen, habe er seinem Premierminister François Bayrou grünes Licht für ein Vertrauensvotum im Parlament gegeben, das aller Voraussicht nach an diesem Montag scheitern dürfte? „Ist im Fall einer politischen Blockade die Auflösung der Nationalversammlung unvermeidbar oder müssen sogar Sie selbst zurücktreten, wie manche fordern?“

    Macron reagierte schroff. Er wolle daran glauben, dass sein Regierungschef die Oppositionsparteien noch überzeugen werde. Und was ihn persönlich angehe, sei er demokratisch für fünf Jahre gewählt und werde sein Amt bis Mai 2027 ausüben. Dann zeigte Macron nochmals ein selbstbewusstes Lächeln. Ende der Konferenz, Ende der unangenehmen Fragen.

    Allerdings scheint eine Regierungskrise in Frankreich kaum noch vermeidbar. Zwar hat Bayrou angekündigt, er werde „wie ein Hund kämpfen“. Täglich gab er seitdem Interviews und führte Gespräche. Doch die Parteien des linken und grünen Spektrums und der rechtsextreme Rassemblement National (RN) haben den Daumen gesenkt. Das Regierungslager, das aus drei Parteien der Mitte und den konservativen Republikanern besteht, verfügt seit den Wahlen, die Macron im Sommer 2024 spontan angesetzt hatte, über keine Mehrheit im Parlament mehr.

    Bayrou ist erst gut neun Monate im Amt

    Eingesetzt wurde Bayrou von Macron im Dezember 2024. Sein Vorgänger, der frühere EU-Kommissar Michel Barnier, war ebenfalls beim Versuch, einen Sparhaushalt umzusetzen, gestürzt worden. Dem 74-jährigen Bayrou gelang es zwar, ein nachträgliches Budgetgesetz zu verabschieden. Doch eine Stabilität zog auch mit ihm nicht ein.

    Mitte Juli stellte er seine Maßnahmen vor, um 44 Milliarden einzusparen, von denen eine ganz besonders empörte: die Streichung von zwei gesetzlichen Feiertagen. Es handle sich um einen „direkten Angriff auf unsere Geschichte, unsere Wurzeln, auf das Frankreich der Arbeit“, kritisierte RN-Chef Jordan Bardella. Eine Protestbewegung namens „Blockieren wir alles“ nahm Fahrt auf und rief zum Generalstreik auf.

    Im Parlament deutete sich ein Misstrauensantrag gegen Premier Bayrou im Herbst an. Diesem wollte Bayrou offensichtlich zuvorkommen und überrumpelte die gegnerischen Parteien, indem er sie dazu aufforderte, ihm zumindest in einem Punkt zuzustimmen: Frankreich sei in einer dramatischen finanziellen Lage. 2024 lag das französische Defizit bei 5,8 Prozent, fast doppelt so hoch wie der EU-Grenzwert. Die Verschuldung hat weit über drei Billionen Euro erreicht.

    Bayrou vor dem Sturz: Setzt Macron Neuwahlen an?

    Der rechtsextreme RN teilt die Sorge um die Finanzen, glaubt aber, sie ließen sich mit Einsparungen bei Ausgaben für Einwanderer und bei den EU-Haushaltszahlungen in den Griff bekommen. Die Sozialisten stellten ihren eigenen Budgetentwurf vor, in dem sie höhere Abgaben für Reiche und Unternehmen und eine sofortige Rücknahme der jüngsten Rentenreform fordern.

    Im Falle eines Sturzes der Regierung Bayrou bleiben dem Präsidenten nur zwei Optionen. Er kann einen neuen Premierminister ernennen – den siebten seit 2017. Oder er löst die Nationalversammlung auf, was zu den dritten Parlamentswahlen seit 2022 führen würde. Diese dürften ihm kaum zu einer eigenen Mehrheit verhelfen. Zulegen dürften in erster Linie die Rechtsextremen.

    RN-Fraktionschefin Marine Le Pen kann zwar aufgrund ihrer Verurteilung wegen Korruption und des Verbots, in den nächsten fünf Jahren an Wahlen teilzunehmen, nicht kandidieren. Doch sie will das Urteil vor dem Verfassungsrat anfechten, bevor ein Berufungsgericht 2026 den Prozess neu aufrollt. „Unsere Landsleute erwarten einen Politikwechsel und die Rückkehr an die Urnen“, sagte RN-Chef Bardella. „Wir sind bereit dafür.“

    Aus Macrons Umfeld heißt es, er wolle keine Neuwahlen, schließe sie jedoch nicht aus. Alle Parteien positionieren sich bereits für die Präsidentschaftswahl 2027, bei der Macron nicht mehr antreten kann. Ob sich die Blockadesituation bis dahin auflöst, erscheint ungewiss.

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