Als Rama Duwaji die Bühne des Brooklyn Paramount Theatres betritt, liegt ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen. Ihr Mann nimmt ihre Hand, ein Kuss auf die Wange, das Paar tritt ans Rednerpult. Vor ihnen steht eine Masse aus jubelnden Menschen. Sie recken Plakate in die Höhe, halten den Moment mit ihren Handykameras fest. Den Moment des Sieges. Etwas später an diesem Abend wird das frisch gewählte Stadtoberhaupt New Yorks, der Demokrat Zohran Mamdani, folgende Worte an seine Frau richten: „An meine unglaubliche Ehefrau, Rama, hayati. Es gibt niemanden, den ich in diesem Moment und in jedem anderen Moment lieber an meiner Seite hätte.“ „Hayati“ ist arabisch und heißt übersetzt „mein Leben“. Die erste First Lady der Generation Z ist so viel mehr als die Frau des künftigen Bürgermeisters.
Die Illustratorin polarisiert mit pro-palästinensischen Aussagen
Der gemeinsame Auftritt des Paares vergangene Woche war ein seltener Anblick. Bislang hielt sich Rama Duwaji im Hintergrund. Auf Wahlkampfveranstaltungen ihres Mannes sah man die 28-Jährige kaum. Von Stellungnahmen zu seiner Person nahm sie Abstand. Nun zieht sie seit Tagen die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. Dabei hatte sich Duwaji bereits weit vor Mamdanis Kandidatur einen Namen gemacht. Als Künstlerin, die etwa mit ihren Werken über den Krieg im Nahen Osten polarisiert. Diese Eigenständigkeit will sich Duwaji auch als First Lady von New York beibehalten. Das unterstrich ihr Ehemann Zohran Mamdani kürzlich, nachdem sich seine Frau aufgrund von pro-palästinensischen Äußerungen mit Anfeindungen konfrontiert sah: „Rama ist nicht nur meine Frau. Sondern eine brillante Künstlerin, die dafür auch bekannt sein sollte.“
Das Paar ist ein Sinnbild des progressiven Amerikas
Äußerungen wie diese zeigen, wie sehr sich der 34-Jährige und seine Frau doch von den vorherigen Stadtoberhäuptern der Metropole unterscheiden. Das Paar ist links, muslimisch, charismatisch. Es ist ein Sinnbild des progressiven Amerikas. Mamdani wurde in Uganda geboren, seine Frau hat syrische Wurzeln. Kennengelernt haben sie sich auf einer Dating-App. Ihre Hochzeitsfotos haben sie in der U-Bahn aufgenommen. Die beiden verkörpern so ziemlich alles, was der Präsident verabscheut. Nicht umsonst bezeichnet sich Mamdani als „Trumps schlimmsten Albtraum“. Während der künftige Bürgermeister die großen Bühnen für seine Reden über Mietpreisdeckel oder Steuererhöhungen für Reiche sucht, verleiht Rama Duwaji ihren politischen Ansichten in ihrer Kunst Ausdruck.
Genauer gesagt, in Illustrationen, die sie mit der Welt auf Instagram teilt. Geboren in Houston, Texas, zog sie mit ihren Eltern im Alter von neun Jahren nach Dubai. Die Sommer verbrachte sie in Damaskus, der Heimat ihrer Eltern. Zurück in den USA publizierte sie bereits während ihres Kunststudiums in der New York Times oder der Washington Post. Heute nutzt sie vermehrt die sozialen Medien als Ausstellungsraum und Plattform für ihren Aktivismus. Hier prangert sie etwa das Wegschauen der Welt in Sudan oder das Hungern und den Tod der Palästinenser im Gaza-Streifen an. Sie spricht sich klar für eine Anerkennung Palästinas als Staat aus.
„Künstlerin und Illustratorin aus Damaskus“
Im gleichen Zug postet sie Bilder von sich, wie sie mit strengem Blick in die Kamera schaut. Im Aufzug, in Museen, vor Schaufenstern. Über eine Million Menschen folgen ihrem Profil, auf dem sie sich als „Animationskünstlerin und Illustratorin aus Damaskus“ bezeichnet. Ihre Follower feiern sie für ihr Modebewusstsein, ihre Bilder, ihre lockere Art. Duwajis jüngster Beitrag entstand wenige Tage nach dem Wahlsieg ihres Mannes. Sie zeichnete die flimmernde Skyline New Yorks. Darunter schreibt sie: „So stolz, ein Teil dieser Stadt zu sein.“
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