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Religion
03.10.2023

Reden statt regeln? Skepsis vor katholischer Weltsynode

Der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich will eine «Synode über Synodalität».
Foto: Andrew Medichini/AP, dpa

Ein Luxemburger leitet die Weltsynode im Vatikan. Der Vertraute von Papst Franziskus hat ein Faible für die asiatische Kultur der Konfliktlösung. Ein anderes Land sieht er ausdrücklich nicht als Vorbild.

Was die am Mittwoch beginnende Weltsynode im Vatikan konkret bewirken soll, ist lang nicht allen Beteiligten klar. Eines aber steht nach den Worten des Koordinators Jean-Claude Hollerich fest: Das Kirchentreffen soll nicht nach deutscher Art ablaufen.

Denn diese deutsche Art sei einfach zu "konfrontativ" und wirke auf Angehörige anderer Kulturkreise etwa aus Asien "sehr grob", verkündete der Erzbischof von Luxemburg im Juni in Rom. Was die Deutschen betrifft, so hat er die Erfahrung gemacht: "Wenn sie diskutieren, werden sie sauer und aufgeregt."

Hollerich, der direkt an der deutschen Grenze in Vianden aufgewachsen ist, perfekt Deutsch spricht und sich mit den Nachbarn von daher eigentlich auskennen müsste, schob auch gleich noch eine Erklärung für deren Mentalität nach: Die schroffe Art der Deutschen sei eine Reaktion auf den Nationalsozialismus, der erst durch ihr Schweigen möglich gemacht worden sei. Als Lehre daraus setzten die Deutschen seit Kriegsende auf ungeschminkte Wahrheit.

Weltsynode als Mitbestimmungsprojekt

Hollerich, mit offiziellem Titel "Generalrelator" der Weltsynode, gilt als ein enger Vertrauter des Papstes und ist wie dieser Jesuit. Mittlerweile wird der 65 Jahre alte Kardinal sogar schon selbst als "papàbile" gehandelt, als möglicher Anwärter auf das Papstamt.

Papst Franziskus stellt die Weltsynode als großes Mitbestimmungsprojekt dar. An der Konferenz vom 4. bis zum 29. Oktober nehmen 365 stimmberechtigte Mitglieder teil. Die große Mehrheit von ihnen sind zwar Bischöfe, es sind aber auch andere Geistliche und Laien - Nicht-Kleriker - dabei. Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche werden auch 54 Frauen als stimmberechtigte Mitglieder teilnehmen. Dazu kommen Experten, die nicht abstimmen dürfen.

Dass der Papst das Gespräch mit den Gläubigen sucht, wird in der Kirche durchweg positiv gesehen. Allerdings gibt es die Befürchtung, dass es letztlich nur darum geht, mal miteinander zu reden - dass aber letztlich nichts geregelt werden soll. So hat die Deutsche Bischofskonferenz das Arbeitspapier, das die Grundlage für die Beratungen bildet, als zu unkonkret kritisiert.

Weltweit drängende Fragen wie die Position der Frau in der Kirche oder die Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre würden nicht genug in den Blick genommen: "Diese Themen sind drängend und können von einer synodalen Kirche nicht mehr sehr lange aufgeschoben werden", so die deutschen Bischöfe.

Es sind auch die Themen des Reformprozesses Synodaler Weg, den die deutschen Katholiken 2019 als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal initiiert hatten. Im März dieses Jahres wurde der Prozess mit einer Reihe von Reformvorschlägen vorerst abgeschlossen. So sollen Segensfeiern für homosexuelle Paare künftig offiziell möglich sein.

Synodaler Weg in Deutschland "kein Vorbild"

Der Vatikan hatte vor allem auf diesen Vorstoß denkbar abweisend reagiert. Sogar die Nummer zwei hinter dem Pontifex, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, zeigte sich irritiert und sagte, die deutsche Kirche könne nichts entscheiden, was die Weltkirche betreffe. Hinter den Vatikanmauern wird das Auftreten der Deutschen generell als zu forsch wahrgenommen.

Auch Hollerich betont immer wieder, dass der Synodale Weg in Deutschland "kein Vorbild" für die Weltsynode sei: "Die beiden Initiativen sind sehr, sehr unterschiedlich." Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, wies dies in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur als "wenig hilfreich" zurück: "Natürlich ist die Weltsynode in Rom etwas anderes als eine Synodalversammlung in Deutschland", sagte der Limburger Bischof. "Aber das ist doch gut so, dass es verschiedene Formate gibt."

"Synode über Synodalität"

Hollerich unterstrich kürzlich in dem Podcast "Himmelklar", die Weltsynode sei "keine Synode über Priesterweihe, Diakonenweihe der Frauen, (...) keine Synode über Homosexualität". Aber was ist es dann? Seine Antwort: "Es ist eine Synode über Synodalität." Das klingt nicht wirklich konkret.

Alles, was sich Hollerich für den Abschluss der Synode Ende Oktober erhofft, ist "ein kurzes Papier", eine "Roadmap", wie es danach weitergehen soll. Denn nach der Synode ist vor der Synode: Papst Franziskus hat die Generalversammlung zweigeteilt, und nächstes Jahr im Herbst geht's weiter.

Bei der Deutschen Bischofskonferenz und erst recht beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken - der Vertretung der normalen Gläubigen aus den Gemeinden - herrscht dagegen ganz stark das Gefühl vor, dass der Kirche die Zeit davonläuft. 2022 sind in Deutschland mehr als eine halbe Million Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten - so viele wie noch nie. Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit der Gläubigen weitgehende Reformen wie die Öffnung des Priesteramts für Frauen, die Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester (Zölibat) und ein Ende der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare befürwortet.

Hollerich will Kompromiss

Hollerich entgegnet darauf, dass vieles, was die deutschen Katholiken anstrebten oder sogar schon praktizierten, in Ländern wie Polen als Häresie - als Ketzerei - empfunden werde. Die Weltkirche mit 1,2 Milliarden Gläubigen deckt ein riesiges Meinungsspektrum ab. Um sie zusammenzuhalten, muss man nach Überzeugung von Hollerich umsichtig und diskret vorgehen.

Der Luxemburger ist dabei nach seinen eigenen Worten stark geprägt durch zwei mehrjährige Japan-Aufenthalte. Wenn es in Japan einen Konflikt gebe, vermeide man unter allen Umständen eine Kampfabstimmung und führe stattdessen in Gesprächen hinter den Kulissen einen Kompromiss herbei, berichtet er in dem Podcast. "Synodalität wird in Asien auch als Harmonie verstanden."

Nach allem, was man weiß, ist das auch die Haltung des Papstes. Franziskus hat in seiner mittlerweile schon zehnjährigen Amtszeit zwar immer wieder Probleme angesprochen und atmosphärisch viel bewirkt, aber an den Strukturen der Kirche und erst recht an ihrer Lehre hat er viel weniger verändert als von Reformern anfangs erhofft worden war. Zurzeit deutet alles darauf hin, dass es mit der Weltsynode genauso laufen wird: Man wird zwar viel reden und diskutieren, aber letztlich vereinbart man, sich im nächsten Jahr wieder zu treffen.

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