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Robert Habeck hat seine Kanzlerkandidatur erklärt

Grüne

Der Kanzlerkandidat vom Küchentisch

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    In einem Video erklärte Robert Habeck, dass er Kanzlerkandidat der Grünen werden will. Die Nominierung soll in der kommenden Woche folgen.
    In einem Video erklärte Robert Habeck, dass er Kanzlerkandidat der Grünen werden will. Die Nominierung soll in der kommenden Woche folgen. Foto: Elias Keilhauer/Robert Habeck, dpa

    Robert Habeck will Kanzler werden. Was sich angesichts der Bruchlandung der Ampel-Koalition und der schwachen Umfragewerte seiner Partei verwegen anhört, spricht der 55-Jährige in einem Bewerbungsvideo aus, das er am Freitagnachmittag online stellte. „Ich bin bereit, meine Erfahrung, meine Kraft und meine Verantwortung anzubieten. Wenn Sie wollen, auch als Kanzler“, sagt der Wirtschaftsminister. Er sitzt an einem Küchentisch aus hellem Holz – bei Freunden, wie er sagt. Habeck trägt einen dünnen schwarzen Pulli und spricht direkt in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Anrichte zu sehen.

    Es ist eine Kulisse, wie er sie gerne aufstellt. Politiker, ohne Politiker zu sein. Kein Anzug, keine Krawatte, keine Limousine. Der Mächtige verzichtet auf die äußeren Insignien der Macht. Er erklärt sich bereit, zu den Leuten nach Hause zu kommen, um am Küchentisch über ihre Sicht der Dinge zu reden. „Ich fände es jedenfalls schön, Sie laden mich ein, und wann immer die Zeit es zulässt, baue ich Küchentisch-Gespräche in meinen Alltag ein, bevor der Wahlkampf so richtig los geht.“  

    Neue Kraft, in Erfahrung gehärtet

    All seine Mühen im Kampf für den Fortbestand der Ampel waren vergebens, und dennoch sollen sie, zumindest seinen Worten nach – Antrieb gewesen sein, um sich in die Mühle des Wahlkampfs zu stürzen. „Ich habe – gerade in den letzten Tagen – eine neue Kraft gefunden, nochmal zu kämpfen. Eine Kraft, in Erfahrung gehärtet“, spricht er in die Kamera.  

    Schon in einer Woche sollen ihn die Grünen auf dem bevorstehenden Parteitag in Wiesbaden offiziell zu ihrem Kandidaten küren. Widerstand oder gar ein aussichtsreicher Konkurrent sind nicht zu erwarten. Außenministerin Annalena Baerbock hat im Sommer auf eine nochmalige Kandidatur verzichtet. Sie hatte sich 2021 intern gegen Habeck durchgesetzt und den Wahlkampf mit einem abgekupferten Buch und unversteuerten Nebeneinkünften vergeigt. Seinerzeit träumten die Grünen den Traum einer neuen Volkspartei, die die SPD hinter sich lassen würde.

    In den Umfragen lagen sie bei über 20 Prozent und in Reichweite von CDU und CSU. Baerbock holte am Ende 15 Prozent, Olaf Scholz triumphierte. Während der gesamten Kampagne hatte sich Habeck brav in Baerbocks Dienst gestellt. Wie schwer ihm das gefallen ist, offenbarte er in einem Interview. „Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen. Und das werde ich nach diesem Wahlkampf nicht“, sagte er seinerzeit.

    Die Grünen sind halb so stark wie vor der letzten Wahl

    Nun ist seine Gelegenheit, doch die Ausgangsbedingungen sind viel schlechter. Die Grünen stehen in den Umfragen bei knapp über zehn Prozent, das vermurkste Heizungsgesetz hat Habeck viel Ansehen gekostet. Die Wirtschaft steckt im Abschwung fest, was für den amtierenden Wirtschaftsminister nicht unbedingt förderliche Wahlwerbung ist. „Ich verspreche niemandem das Blaue vom Himmel. Ich verspreche nicht, dass wir keine Zumutungen mehr erleben werden“, versucht er sich in seiner Videobotschaft am Realismus. 

    Schon tags zuvor hatte er die Spannung peu a peu aufgebaut. Er meldete sich auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) mit der Zeile back for good zurück. Drei Stunden später teilte er dort ein erstes, kurzes Video. Gedankenversunken saßHabeck an einem Schreibtisch und arbeitete mit einem Stift an der Hand an einem Papier. Draußen war es schon dunkel. Er summte die Melodie von Grönemeyers „Bleibt alles anders“. Nur wer genau hinschaute, dem fiel auf, dass er ein weißes Armbändchen mit dem Spruch „Kanzler Era“ trug.

    Sein bisheriger Kabinettskollege Christian Lindner ließ es sich nicht nehmen, ihn auf die Schippe zu nehmen. Er antworte auf das Video mit einem alten Wahlplakat. Es zeigt den entlassenen Finanzminister beim Arbeiten am Schreibtisch, draußen ist es schon dunkel. Wie Habeck arbeitet Lindner über Papier gebeugt. Die Aufmerksamkeit noch ein wenig gesteigert, hat dann Herbert Grönemeyer. Der Sänger verbot den Grünen die Verwendung seines Liedes für den Wahlkampf, genau wie er es neulich der CDU untersagt hatte. Wie die richtige Wahl-Reklame geht, das weiß Habeck sehr genau.

    Habeck sagt im Video: „Natürlich, ich kenne die Umfragen. Ich weiß, dass die Ampel-Regierung gescheitert ist. Ich weiß, dass Vertrauen kaputtgegangen ist.“ Und: „Ich weiß, einen Führungsanspruch muss man sich erarbeiten. Ich will ihn mir erarbeiten.“

    Wie er sich den Bundestagswahlkampf vorstellt, das skizzierte Habeck Ende August bei einem Wahlkampfauftritt in Sachsen, wo seine Partei wenige Tage später herbe Verluste einstecken musste und mit Ach und Krach den Wiedereinzug in den Landtag schaffte. Habeck glaubt, an die Möglichkeit eines Stimmungsumschwungs zum Besseren. „Und es muss nur irgendein Kristallisationspunkt kommen, wo wir uns selbst beweisen, dass wir viel, viel besser in Deutschland sind, als die Stimmungslage und die Umfragen es im Moment zeigen. Wenn das passiert, dann kann wirklich alles passieren“, sagte er damals. 

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