Klimaschutz beginnt nicht mit dem Abschalten von Kohlekraftwerken oder Prämien für den Kauf eines E-Autos, sondern in den grünen Lungen der Erde – den Regenwäldern am Amazonas, in Zentralafrika oder Südostasien. Sie alleine speichern ein Sechstel des weltweit in Vegetation und Boden gebundenen Kohlenstoffes. Tendenz: fallend.
Wilderer, Elfenbeinhändler, Viehbarone mit riesigen Herden und eine rasant wachsende Bevölkerung, die immer mehr Feuer- und Bauholz benötigt, gefährden allerdings nicht nur die Artenvielfalt, sondern den Regenwald insgesamt. Dazu kommt das Geschäft mit dem Tropenholz, das illegal geschlagen und mit hohen Gewinnen in alle Welt verkauft wird. Bei d
Das zweiwöchige Treffen mit seinen mehr als 50.000 Teilnehmern werde zum „Endspiel um den Tropenwald“, sagt der frühere CSU-Bundestagsabgeordnete Christian Ruck, der sich seit Jahren für den Erhalt des Regenwaldes im Kongobecken einsetzt, zunächst im Hauptberuf für die sogenannte Waldpartnerschaft dort und jetzt als eine Art Öko-Lobbyist im Ehrenamt. Alleine im vergangenen Jahr, rechnet der 70-Jährige vor, hat die Welt etwa 6,7 Millionen Hektar Regenwald verloren – das entspricht in etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen.
Außerdem geht die Speicherkraft der Tropenwälder kontinuierlich zurück, nur das Kongobecken kann noch größere Mengen Kohlendioxid aufnehmen. Nach dem Amazonas ist es das zweitgrößte Tropenwaldgebiet der Erde, etwa fünfmal so groß wie Deutschland und in der Lage, jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Tonnen Kohledioxid zu binden.
Präsident Lula will jetzt Fakten schaffen
An diesem Donnerstag und am Freitag will Lula bei einem Treffen mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erste Fakten schaffen. Brasilien selbst würde, so sein Vorschlag, eine Milliarde Dollar in einen globalen, von der Weltbank verwalteten Fonds zum Erhalt der Tropenwälder einzahlen, der das Geld investiert und seine Gewinne Ländern mit Tropenwäldern überweist, damit diese ihre Wälder besser schützen können.
Alles in allem, schätzt Experte Ruck, müssten dafür etwa 25 Milliarden Dollar an öffentlichem Kapital zusammenkommen. Dazu soll der Fonds noch etwa 100 Milliarden Dollar zu günstigen Zinsen am Kapitalmarkt aufnehmen, in Projekte mit höheren Renditen investieren und auch diese Gewinne zweckgebunden ausschütten. Eine überfällige Entscheidung, findet Ruck, der auch selbst in Belem sein wird: „Ungeachtet ihrer überragenden globalen Bedeutung werden die ökologischen Leistungen der Tropenwälder bisher nur minimal vergütet.“
Dabei spare jeder Dollar, der in den Schutz dieser Wälder fließe, vier Euro an Investitionen in den technischen Klimaschutz.
Was solche Hilfen bewirken können, zeigt der Mata Atlantica, eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde an der Küste Brasiliens, das vor allem für die Rinderzucht im 20. Jahrhundert nahezu komplett abgeholzt wurde und auch mit deutscher Hilfe nun langsam wieder aufgeforstet wird. Im Kongobecken plant die Demokratische Republik Kongo unterdessen das größte Schutzgebiet der Welt für noch intakten Regenwald – einen rund 2800 Kilometer langen grünen Korridor zwischen Kinshasa im Westen und Kivu im Osten des Beckens, in dem mehr als 400 Säugetier-, mehr als 1000 Vogel- und mehr als 10.000 Pflanzenarten leben.
Damit Bauern keine Wälder mehr brandroden und Familien kein Holz mehr illegal schlagen müssen, um es an chinesische Großhändler zu verkaufen, wirbt Ruck für einen „fairen Deal“. Für ihren Dienst an der Erde und einen sparsamen Umgang mit deren Ressourcen sollen die Menschen in den Tropenwaldregionen einen angemessenen Preis erhalten – im Gespräch sind vier Dollar pro Hektar intakten Waldes. Für die zehn Länder des Kongobeckens wären das dann umgerechnet 6,8 Milliarden Euro pro Jahr.
Wird der Wald doch zerstört, sollen die Verursacher ein mehrfaches der vier Euro pro Hektar wieder zurückzahlen müssen.
Belem ist das Tor zum Amazonasgebiet
Mehr als 30 Jahre nach dem ersten Klimagipfel 1992 in Rio könnte der Tagungsort dabei kaum symbolischer sein: Belem, die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Pará, die als Tor zum Amazonasgebiet mit seinen bedrohten Regenwäldern gilt. Die fortschreitende Abholzung dort, warnt der Öko-Lobbyist Ruck, „bringt den Amazonas mittlerweile gefährlich nahe an einen Kipp-Punkt für das Weltklima. Wird dieser Punkt überschritten, sind die Pariser Klimaziele faktisch unerreichbar.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren