Ein Post des Palasts in den Sozialen Medien machte es offiziell: König Charles III. empfängt das deutsche Staatsoberhaupt. Der Besuch von Frank-Walter Steinmeier Anfang Dezember soll auch ein Symbol für die enge Bindung beider Staaten sein – nach den eher frostigen Brexit-Zeiten. Und der König selbst gilt bei dieser Wiederannäherung als diplomatische Geheimwaffe.
„Es ist der erste Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten im Vereinigten Königreich seit 27 Jahren und der fünfte seit 1958“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung des Palasts. Als Letzter war Roman Herzog auf der Insel eingeladen. 1998 empfing ihn Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor. Es war der erste Staatsbesuch auf dem restaurierten Anwesen westlich von London, nachdem ein verheerender Brand Teile des historischen Bauwerks zerstört hatte.
Mit Charme und Humor wird Charles zum wichtigen Botschafter
Formell richtet der Monarch Staatsbesuche auf Geheiß der britischen Regierung aus; die Einladungen erfolgen auf deren Empfehlung und dienen ausdrücklich der Diplomatie. Als neutrales Staatsoberhaupt gilt der König diesbezüglich als wichtigster Botschafter der Briten. Er versprüht mit seiner Familie Charme und sorgt mit gepflegtem britischem Smalltalk und Anekdoten zur geteilten Geschichte der jeweiligen Nationen für gute Stimmung.
Mit dem Staatsbesuch im Dezember knüpfen London und Berlin an eine Beziehung an, die nach den bitteren Brexit-Trennungsjahren wieder auf Kooperation setzt – durch eine engere Rüstungs- wie Verteidigungszusammenarbeit, in den Bereichen Wirtschaft und Technologie ebenso wie bei Energie und Klima. Flankiert wurde dies durch den im Sommer unterzeichneten deutsch-britischen Freundschafts- und Kooperationsvertrag („Kensington-Vertrag“). Dieser verankerte auch mehr kulturellen Austausch als angestrebtes Ziel – etwa durch erleichterte Schulreisen durch visa-freie Klassentrips.
Vor Steinmeier kamen schon Macron und Trump nach Windsor
Charles verlegt solche großen Termine nach Windsor Castle, weil der Buckingham-Palast im Zentrum Londons derzeit umfassend restauriert wird. Für den Monarchen wird die Audienz für Steinmeier der dritte von ihm ausgerichtete Staatsbesuch des Jahres – nach der Visite des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Juli und von US-Präsident Donald Trump im September. Zu erwarten sind auch dieses Mal ein pompöser Willkommensakt, ein Staatsbankett in der St-George’s Hall von Windsor Castle mit einer Rede des Monarchen sowie des Bundespräsidenten und Gespräche mit Labour-Premier Keir Starmer. Es ist ein eng getaktetes Programm, angesichts der Tatsache, dass sich der 76-jährige Monarch nach wie vor wegen einer Krebserkrankung behandeln lässt.
Der Besuch von Steinmeier folgt auf die Visite von Charles und Camilla im März 2023 in Deutschland. Eigentlich wollte der neue Monarch damals erst nach Paris reisen, doch wegen massiver Proteste gegen die Rentenreform wurde der Termin dort kurzfristig verschoben. Damit war die Bundesrepublik das erste Land, das Charles als König offiziell besuchte. Bei seiner Rede im Bundestag zeigte er Humor – und Gespür für sein Publikum: Er streute Anspielungen auf gemeinsame Popkultur ein, darunter den in Deutschland heiß geliebten Silvesterklassiker „Dinner for One“, und wechselte immer wieder ins Deutsche.
Diese Mischung machte seine zentrale Botschaft glaubhaft, das „Versprechen der Freundschaft zwischen unseren Nationen zu erneuern“. Der Auftritt wurde damals als großer Erfolg gewertet. Schon als Prinz von Wales hatte Charles Deutschland dutzendfach besucht und immer wieder die besondere historische und kulturelle Nähe zwischen beiden Ländern betont.
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