Flüsse führen wenig Wasser, Seen versanden, in einigen Teilen des Landes herrscht schon im April akute Waldbrandgefahr. Deutschland trocknet aus und das tut es nicht zum ersten Mal. Heiße Sommer und langanhaltende Trockenperioden gab es schon immer. Neu ist, dass die Abstände dazwischen kürzer werden. Der Klimawandel schlägt immer stärker auf die Menschen durch. In Deutschland bildet sich gerade eine neue Regierung, und die Frage ist nicht nur, was Schwarz-Rot für den Klimaschutz tut. Die Frage lautet inzwischen auch: Wer schützt uns vor dem Klima?
Der Koalitionsvertrag weist die üblichen Klimaziele aus. Union und SPD wollen das Pariser Klimaabkommen umsetzen und Deutschland bis 2045 klimaneutral machen. Man muss darauf vertrauen, dass es dafür noch nicht zu spät ist. Resignation ist keine Zukunftsperspektive, vor allem nicht für die Jüngeren.
Internationale Klimapolitik: Annalena Baerbock hatte eine gute Idee
Die Ampel-Regierung hat bereits viel getan, um den Schadstoffausstoß des Landes zu senken. Der Ausbau der erneuerbaren Energien beispielsweise ist weit vorangekommen. Schwarz-Rot schließt da nahtlos an. Rund 80 Mal finden sich der Begriff „Klima“ und dazugehörige Maßnahmen - etwa für den Gebäudesektor - im Koalitionsvertrag.
Die mutmaßlich neue Regierung weiß aber auch: „Wir stehen zu den deutschen und europäischen Klimazielen, wohl wissend, dass die Erderwärmung ein globales Problem ist und die Weltgemeinschaft es gemeinsam lösen muss.“ Auf den designierten Kanzler Friedrich Merz kommt da eine Menge Arbeit zu. Er wird bei Gipfeltreffen und Auslandsreisen nicht nur Handelsfragen, sondern eben auch das Klimathema ansprechen müssen. Dass beides kein Gegensatz ist, macht es ihm leichter. Die Flankierung dazu muss vom Auswärtigen Amt kommen. Die Idee der geschäftsführenden Ministerin Annalena Baerbock (Grüne), mit Jennifer Morgan eine Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt zu installieren, war nicht ihre schlechteste.
Lauterbach warnt: Klimawandel gefährdet Menschen und Gesundheitswesen
Während die Koalition aus Schwarz-Rot beim Klimaschutz die gewohnten Töne anschlägt, bleibt sie beim Blick ins Innere ziemlich wortkarg. Temperaturen von mehr als 30 Grad im Schatten lähmen nicht nur Jung und Alt, sondern auch Tiere und Maschinen. Hitze sorgt für Stress, in schlimmen Fällen tötet sie, und das gilt vor allem für die Städte, in denen 75 Prozent der Bevölkerung leben. Im 140 Seiten langen und ansonsten enorm detailreichen Koalitionsvertrag findet sich dazu kein Wort. Begriffe wie „Heiße Städte“ oder „Klimaresilienz“ tauchen nicht auf. Lediglich an einer Stelle zeigen die Koalitionspartner, dass sie das Problem nicht ganz vergessen haben. Man werde „Innenstädte und soziale Infrastrukturen“ stärken und sie „an Klimawandel sowie Barrierefreiheit“ anpassen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte in der letzten Legislaturperiode bereits vor den Gefahren des Klimawandels für die Menschen und das Gesundheitswesen. Heiße Tage und Nächte können lebensbedrohlich sein, die Zahl der Hitzetoten steigt kontinuierlich, besonders Menschen ab 65 Jahren sowie Säuglinge und Kleinkinder sind davon betroffen. Wenn es warm ist, halten sich die Menschen öfter und länger draußen auf. Dadurch steigt das Risiko, sich mit Erregern zu infizieren, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden. Außerdem können die Folgen des Klimawandels zu einer Zunahme von Allergien, Hautkrebs oder Asthma führen. Pandemien werden in Zukunft schneller aufeinander folgen.
Es gibt Themen wie Krieg und Handelszölle, die dringlich erscheinen und es auch sind. Im Lichte der heißen Sonne wird aber klar, dass andere Probleme von Schwarz-Rot ebenfalls schnell gelöst werden müssen. Nicht nur, dass der nächste Sommer bestimmt kommt - die nächste Trockenperiode ist bereits da.
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