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Trump angeschossen: Entscheidet der Anschlag die US-Präsidentschaftswahl?

Kommentar

Entscheidet das Attentat auf Donald Trump die US-Wahl?

Michael Stifter
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    Donald Trump von Agenten des US-Geheimdienstes umringt.
    Donald Trump von Agenten des US-Geheimdienstes umringt. Foto: Evan Vucci, dpa

    Der Kampf ums Weiße Haus wird seit Monaten mit einer solch erbitterten Unversöhnlichkeit geführt, dass schon lange die Sorge mitschwang, diese Aggression könnte irgendwann in Gewalt umschlagen - ob vor oder nach der Wahl. Nun sind Schüsse gefallen. Auf Donald Trump. Vor den Augen der ganzen Welt.

    Ein paar Zentimeter entschieden über Leben und Tod. Trump hat überlebt. Auf den Schock über das Attentat folgt die Frage: Kommen die wütenden Amerikaner nun endlich zur Besinnung oder ist das Land endgültig von Sinnen? Und selbst wenn es im Angesicht dieser blutigen Tat pietätlos wirken mag, geht es auch darum, ob dieser Tag womöglich die Präsidentschaftswahl entschieden hat.

    Joe Biden telefoniert noch am Abend mit seinem Rivalen

    Trumps Rivale Joe Biden tat das, was man von einem amerikanischen Präsidenten in einem solchen Moment zu erwarten hat: Er verurteilte jede Form von Gewalt, er sagte, er würde für Trump beten, er telefonierte mit seinem Widersacher, er setzte die Wahlwerbung der Demokraten im Fernsehen vorerst aus. Es bedurfte einer derart dramatischen Wende, ehe solche - früher einmal völlig selbstverständlichen - politischen Umgangsformen all den Hass und die Wut der politischen Debatten in den USA zumindest für einen Moment verdrängten.

    Doch wird das von Dauer sein? Werden die verfeindeten Lager nun einen Schritt aufeinander zugehen? Wird den Verantwortlichen bewusst, wie explosiv die Stimmung in der bis aufs Blut polarisierten amerikanischen Gesellschaft ist? Wird eine rhetorische Abrüstung stattfinden?

    Republikaner erheben Vorwürfe gegen die Demokraten

    So bitter es ist: Viel spricht nicht dafür. Eher ist davon auszugehen, dass der Mordanschlag auf Donald Trump zum alles entscheidenden Thema werden könnte. Erste Republikaner werfen schon jetzt den Demokraten vor, dem Attentat den Weg bereitet zu haben. Ohne zu wissen, was den Täter, der von Sicherheitskräften erschossen wurde, angetrieben hat.

    Donald Trump weiß wie kein anderer um die Macht der Bilder

    Aus der Ferne mag es schräg wirken, Trumps Gegnern die aufgeheizte Stimmung in den Vereinigten Staaten anzulasten, ist es doch vor allem er selbst gewesen, der den politischen Diskurs seit Jahren systematisch vergiftet und die Wut in der amerikanischen Bevölkerung geschürt hat.

    Doch nun wurde eben er selbst, der immer wieder von einer „Hexenjagd“ auf ihn redet, zum Opfer. Und Präsidentschaftswahlen in den USA werden mehr denn je von Emotionen entschieden. Hinzu kommt eine Debatte darüber, warum Trump nicht besser geschützt worden war. Eine Panne, die schon Stunden später zu wilden Spekulationen, zumindest unter seinen Anhängern, führte.

    Noch im Moment des Schocks dachte der 78-Jährige schon wieder an die Wahl, reckte instinktiv seine Faust nach oben und rief seine Anhänger dazu auf, zu kämpfen. Es ist jenes Bild, das in den Köpfen, in den Erinnerungen bleiben wird. Trump wurde von einer Kugel getroffen. Trump hat überlebt. Und wie kein anderer weiß der Ex-Präsident um die Macht der Bilder.

    Seine Fans werden nun noch geschlossener, womöglich auch aggressiver hinter ihm stehen. Die entscheidende Frage - neben dem Motiv des Täters - wird bis zur Wahl im November sein, welche Schlüsse die umworbene Mitte der US-Gesellschaft aus diesem Tag, diesem Augenblick ziehen wird, der die Welt verändern könnte.

    Sehen bislang unentschlossene Wählerinnen und Wähler in Donald Trump nach dem versuchten Mord mehrheitlich tatsächlich das Opfer einer politischen Hetzjagd oder doch eher einen Mann, der jenen Zorn, jene Brutalisierung der politischen Auseinandersetzung erst entfacht hatte, die ihn in Pennsylvania beinahe das Leben gekostet hätte?

    Es wäre jedenfalls der Moment für alle politischen Lager, auch in Europa übrigens, innezuhalten. Wenn wir politischen Streit nicht mehr mit demokratischen Mitteln, mit Argumenten, mit der Bereitschaft zum Kompromiss führen und mit dem Bekenntnis, Mehrheiten anzuerkennen, dann wird es düster.

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    XXX 4 Kommentare
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