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Trumps Iran-Friede zwingt Deutschland ins außenpolitische Risiko

Kommentar

Ein Friede zwischen Trump und dem Iran hat einen bitteren Beigeschmack für Deutschland

Christian Grimm
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    US-Präsident Donald Trump sieht die Kriegsziele im Iran als erfüllt an und würde sich zum 80. Geburtstag zu gerne mit einem Friedensabkommen  beschenken.
    US-Präsident Donald Trump sieht die Kriegsziele im Iran als erfüllt an und würde sich zum 80. Geburtstag zu gerne mit einem Friedensabkommen beschenken. Foto: Alex Brandon, AP, dpa

    Der Cäsar von Washington beglückt sich selbst mit Gladiatorenspielen. Zum 80. Geburtstag lässt Trump die Käfigkämpfer gegeneinander antreten. Maskulin in Großbuchstaben. Spiele für das Volk liefert die Fußball-Weltmeisterschaft. Der US-Präsident plant einen Triumphbogen, wie ihn die römischen Kaiser nach erfolgreichen Feldzügen errichteten. Zu seinem Ehrentag würde er sich gerne mit einem Friedensabkommen mit dem Iran beschenken.

    Doch sein Krieg gegen den Iran lief wegen der mangelnden Strategie und der Widerstandsfähigkeit des Regimes schlecht. Allein Triumphbogen und Käfiggladiatoren zeigen beispielhaft, wie weit sich die Vereinigten Staaten von ihrem historischen Ideal der Römischen Republik entfernt haben, das sich in der Architektur des Weißen Hauses und im Namen der zweiten Parlamentskammer, des Senats, spiegelt.

    Trump wird die Europäer zur Militärmission drängen

    Um in der historischen Analogie zu bleiben, wird Trump von seinen Alliierten einen Tribut verlangen, um aus der Bredouille des Irankriegs herauszukommen. Deutschland und Europa sind Teil der amerikanischen Einflusssphäre, weil der alte Kontinent militärisch nicht für seine eigene Sicherheit sorgen kann und sein Finanzsystem vom Dollarsystem abhängig ist. Gleiches gilt für die virtuelle Welt des Internets, das von großen US-Konzernen beherrscht wird. Bei der künstlichen Intelligenz ist eine neue Abhängigkeit hinzugekommen. Weil sich die USA unter Donald Trump vom gutmütigen zum fleischfressenden Hegemonen gewandelt haben, zittern die Europäer vor jeder Volte des Präsidenten. Er schlägt sie schnell wie ein Hase, hat aber nicht die Schläue des Igels.

    Dennoch werden die Europäer mitmachen, wenn Trump verlangt, sich an einer Marinemission zur Sicherung der freien Fahrt durch die Straße von Hormus zu beteiligen. Militärisch ist das nicht ohne. Der Iran beherrscht den Kampf mit Drohnen. Die ukrainische Armee hat gezeigt, wie ein Land mit einfachen Mitteln die überlegene Flotte Russlands aus dem Schwarzen Meer jagen kann.

    Die Straße von Hormus ist für Tankschiffe gesperrt, weshalb der Preis von Öl und Gas deutlich angezogen hat. Das belastet die Konjunktur auf der ganzen Welt.
    Die Straße von Hormus ist für Tankschiffe gesperrt, weshalb der Preis von Öl und Gas deutlich angezogen hat. Das belastet die Konjunktur auf der ganzen Welt. Foto: -/kyodo/dpa

    Wegen Trumps leicht erhitzbaren Gemüts, des zunehmend auf eigene Rechnung operierenden Israels und der taktischen Gerissenheit der iranischen Führung ist es jederzeit möglich, dass ein Pulverfass an der Golfregion explodiert. Dennoch wird Deutschland wohl ein, zwei Fregatten und Minenräumer entsenden, um in der Straße von Hormus zu patrouillieren. Das würde die US-Flotte zwar auch allein schaffen, aber der Präsident will den Eindruck zerstreuen, die Europäer ließen Amerika wieder einmal im Stich. Deutschland kann schlecht nein sagen, weil sonst neue Wirtschaftssanktionen drohen oder noch mehr US-Truppen abgezogen werden könnten. Für die seit Jahren stagnierende Wirtschaft wäre ein fallender Ölpreis wie eine Sauerstoffkur für einen ausgepumpten Athleten in Trumps Arena. Der Bundestag setzt die Soldaten dennoch einem nicht zu unterschätzenden Risiko aus, wenn das Parlament ein Hormus-Mandat erteilen sollte.

    Deutschland lernt Außenpolitik neu

    Sich immer wieder Trumps Willkür, seinen Erpressungsversuchen und Drohungen wie ein Vasall beugen zu müssen, ist ein demütigender Zustand. Deutschland lernt gerade erst wieder, was es bedeutet, aktive Außenpolitik zu betreiben. Bisher hieß das Moralisieren und Exportieren. Jetzt heißt es, als mächtigstes Land den Bund der Europäer anzuführen. Für einen Teil der Elite dieses Landes ist das besonders schmerzhaft, weil er mit kindlicher (nicht kindischer) Begeisterung an Amerika glaubte. Der Transatlantiker Friedrich Merz ist Teil dieser Elite.

    Die neue Führung Deutschlands, die mit einer starken Aufrüstung einhergeht, löst in Europa zwiespältige Gefühle aus. Endlich ist Berlin aufgewacht, aber bleibt es europäisch integriert oder wird es wieder versuchen, den Kontinent zu dominieren? Trumps Republikaner unterstützen offen die AfD. Was, wenn ihr bei der Wahl 2029 die Macht in einem hochgerüsteten Deutschland in die Hand fallen sollte? Die Politik des Cäsars von Washington hat Bedeutung weit über Amerika hinaus.

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