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UN-Gipfel gescheitert: Kein Ende der Plastikflut in Sicht

Umwelt

Verhandlungen der UN gescheitert: Kein Ende der Plastikflut in Sicht

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    Viele Entwicklungsländer versinken mangels Recyclingmöglichkeiten in Plastikmüll.
    Viele Entwicklungsländer versinken mangels Recyclingmöglichkeiten in Plastikmüll. Foto: Suvra Kanti Das, ZUMA Press Wire/dpa

    Die Welt kommt im Kampf gegen die wachsende Flut an Plastikmüll nicht voran: Nach mehr als zehn Tagen sind die Verhandlungen über ein globales Abkommen gegen umweltschädliche und gesundheitsgefährdende Kunststoffe in der Nacht zum Freitag erneut gescheitert. Die Delegationen aus mehr als 180 Ländern verließen ihren Treffpunkt in Genf mit leeren Händen. Auch vorherige Runden der Ende 2022 gestarteten Gespräche hatten kein Ergebnis gebracht. Verhandlungsleiter, Luis Vayas Valdivieso, kündigte allerdings einen weiteren Anlauf an. Die Gespräche seien nur vertagt. Ort und Zeit für die Fortsetzung nannte er jedoch nicht.

    Ursprünglich sollte die Konferenz unter dem Dach der Vereinten Nationen am Donnerstag mit der Verabschiedung eines Abkommens enden. Doch in der letzten Plenarsitzung mussten die Delegationen ihr Scheitern einräumen. EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall betonte: „Wir haben es nicht geschafft.“ Auch Deutschlands Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth reagierte enttäuscht. Die Interessen der Staaten lägen noch immer weit auseinander. „Am einen Ende des Spektrums sind die kleinen Inselstaaten, die mit immenser Plastikverschmutzung an den Küsten und in den Meeren konfrontiert sind, ohne selbst wesentlich zur Verschmutzung beizutragen, am anderen Ende diejenigen Länder, deren Wirtschaft von Erdöl oder den Ausgangsprodukten für Plastik dominiert wird.“

    Deutschland ist Europas größter Plastikproduzent

    Deutschland ist der größte Plastikproduzent in Europa. Die gesammelten Kunststoffabfälle werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums aber nahezu vollständig verwertet, entweder als Grundstoff für neue Produkte oder zur Energieproduktion. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2023 aber immer noch gut 694.000 Tonnen Kunststoffabfälle exportiert, acht Prozent weniger als im Jahr davor.

    In Genf hatten die Öl-Produzenten unter Führung von Saudi-Arabien, Russland und dem Iran einen festen Block geschmiedet, der Fortschritten im Weg stand. Die Öl-Länder erklärten sich nur bereit, über die Abfallentsorgung zu verhandeln. Weitergehende Maßnahmen nannte ein iranisches Delegationsmitglied „unrealistisch“.

    Demgegenüber standen rund 100 Länder, darunter Deutschland, Österreich und Luxemburg. Sie zielten darauf ab, die Herstellung von Plastik zu reduzieren. Zudem sollte ein Vertrag die Mehrfachverwertbarkeit der Produkte, das Recycling sowie eine nachhaltige Entsorgung fördern und Finanzhilfe für arme Staaten gewährleisten. Das Bundesumweltministerium betonte, nur ein verbindliches Abkommen gegen die „Vermüllung“ von Land und Meeren durch Plastik schaffe die Grundlagen für eine gesunde und saubere Umwelt.

    Auch in menschlichen Organen finden sich Partikel

    Welches Ausmaß die Kunststoff-Flut annimmt, zeigen Zahlen des Umweltprogramms Unep. Danach verbrauchte und nutzte die Menschheit im Jahr 2024 über 500 Millionen Tonnen Kunststoffe, wobei rund 400 Millionen Tonnen als Plastikmüll übrigbleiben. Ein Großteil davon wird nicht wiederverwertet. Das Unep warnt: Ohne ein Gegensteuern „könnte sich der weltweite Plastikmüll fast verdreifachen und bis 2060 rund 1,2 Milliarden Tonnen erreichen“. Plastik vermüllt Meere und Umwelt und vergiftet Ökosysteme, tötet Fische und andere Lebewesen und gefährdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Die Nano- und Mikroplastikpartikel beeinträchtigen nach Studien unter anderem das Immunsystem, können sich in Arterien absetzen und fördern Entzündungen.

    Angesichts des Scheiterns der Genfer Gespräche gab der Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts, Henning Wilts, eine düstere Prognose ab: Das Scheitern der Verhandlungen, sei „eine ökologische Katastrophe, da es ohne einen geeigneten globalen Rahmen nicht dazu kommen wird, Investitionen in Richtung einer nachhaltigeren Nutzung von Plastik zu lenken“. Andere Umweltschützer forderten einen radikalen Neustart der Verhandlungen: David Azoulay vom Zentrum für internationales Umweltrecht empfahl, eine Koalition „der Willigen“ zu formieren – ohne die Öl-Produzenten. In einem reformierten Prozess sollte eine Mehrheit der Länder entscheiden. Bisher gilt weitgehend das sogenannte Konsensprinzip. Danach hat faktisch jeder Staat eine Vetomöglichkeit und kann Fortschritte stoppen.

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